Ebern
Solarpark Ebern

Solarpark: Schafe sind als Rasenmäher unterwegs

Der Bund Naturschutz Ebern setzt die Wollerzeuger zur Pflege der Flächen eines Solarparks ein, den er zuvor zu verhindern suchte.
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Roman Schineller mit einem der acht Lämmer, weiterer Nachwuchs wird in diesen Tagen erwartet. Foto: R. Kestel
Roman Schineller mit einem der acht Lämmer, weiterer Nachwuchs wird in diesen Tagen erwartet. Foto: R. Kestel
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Wo einst Zugführer und Kompanie-Chefs ihre Befehle brüllten, blöken nun die Schafe: Als Rasenmäher sind die Vierbeiner im warmen Wollfell im Solarpark auf dem einstigen Standortübungsplatz unterwegs. Ihr Auftrag: Vermehren und umweltfreundliches Abmähen der Rasenflächen zwischen den Photovoltaik-Modulen, kommandiert vom Bund Naturschutz (BN), der sich mit dem Betreiber, der Gehrlicher Solar AG und einem nachgeordneten Hamburger Fonds namens CEE auf die Pflege der 37 Hektar großen Flächen, die von der Stadt gepachtet wurden, verständigt hat.

"Möglichst große Artenvielfalt" strebt BN-Kreisvorsitzender Klaus Mandery an, der als Biologe im militärischen Schutzgebiet schon eine einzigartige Konstellation von Fauna und Flora ausgemacht und dokumentiert hat.
Jetzt folgen den "Leos" (den Panzern) Angus-Rinder und Shropshire-Schafe.

28 davon haben Schafhalter Lothar Schineller (57) und Sohn Roman (28) auf der Schafheide zwischen den Solar-Modulen laufen. Und jetzt kommen täglich neue Vlies-Träger hinzu. Es ist Lammzeit. In den letzten Tagen kamen zwei Paare zur Welt, die spätestens nach vier Stunden die Biestmilch der Mutter benötigen. Mehr Nachwuchs zeichnet sich ab: "Die hat ein dickes Euter und scheint als nächste dran zu seien", bemerkt Roman Schineller beim Ortstermin.

"Diese Rasse wirft meist Zwillinge, ist nur einmal im Jahr bockig", beschreibt Lothar Schineller das Sexualleben seiner Schützlinge, die er in Fischbach, Goßmannsdorf und Hof erworben hat, wobei nur der Chef einen Namen hat: der Bock heißt "Shaun", der Ober-Boss, einer Trickfilmserie entliehen.

Ein Schafstall ist über die Jahreswende vom Bund Naturschutz gebaut worden. Planfertiger war Bürgermeister Herrmann (CSU). Die Schafe fühlen wohl darin. Fast meint man sich mitten in die weihnachtliche Krippenszene versetzt, wenn da nicht "Shaun" wäre, der sein Revier zu verteidigt sucht. Also nix mit Streichelzoo. "Drehen Sie ihm bloß nicht den Rücken zu", warnt Roman Schineller.

Geschoren werden die Tiere nur einmal im Jahr. "Nach der Schafskälte", erklärt Lothar Schineller, der die Schafzucht als Hobby betreibt. Deshalb ist er zur Fütterung jetzt im Winter oft abends im Einsatz. Ohne Strom. Denn: Die Trafostation des Solarparks ist zu weit entfernt. Da hilft nur ein Stromaggregat. Im Sommer brauchen die Schafe wenig Pflege, nur "ihre Ruhe", so Lothar Schineller, der auch die Verwertung griffig beschreibt: "Böckla landen in der Gefriertruhe, die weiblichen Lämmer lassen sich gut verkaufen."

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