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Stettfeld
Kinder

So spielen die Grundschüler heute auf dem Pausenhof

Auf einem Pausenhof lernt man fürs Leben: Hier findet man erste Freunde, übersteht seine erste Rauferei - und spielt. Überraschenderweise nicht mit modernen Geräten, sondern mit Bällen und Hula Hoop Reifen. Ein Besuch bei Grundschulen in Stettfeld und Haßfurt.
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Mit dem Hula Hoop Reifen sind die Pausen nie langweilig. Foto: Katja Müller
Mit dem Hula Hoop Reifen sind die Pausen nie langweilig. Foto: Katja Müller
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Kindermund tut Wahrheit kund. Also kann die Reporterin davon ausgehen, dass ihre Frage ziemlich dämlich war. Die Frage war: "Was spielt ihr da?" Die Antwort: "Wir spielen halt einfach so. Pferdchen hüh. Das sieht man doch!"

Okay. Die Verknüpfung eines Hula Hoop Reifens mit Pferd und Reiter war dem eigenen Gehirn bisher fremd, ist aber jetzt gespeichert. Dank der neuen Information wird klar, dass sich mehrere "Reiter mit Pferd"-Gespanne auf dem Schulhof der Grundschule Stettfeld befinden - darunter anscheinend auch einige Kutschen.

Jungs bauen ein Silo

In einer Ecke des Pausenhofs hat eine Gruppe Jungen die niedrige Steinmauer erklommen und lässt in einem Häufchen mühsam zusammengeklaubten Drecks Traktoren mit Anhängern fahren. "Wir bauen ein Silo!", erklärt ein Blondschopf.
Der Erstklässler neben ihm beginnt aufzuzählen, welche landwirtschaftlichen Geräte sein Vater im Hof stehen hat. Er schließt seine Aufzählung enttäuscht mit "aber dem sein Vater hat mehr". Der Ernst des Lebens, er beginnt auf dem Pausenhof.

Edith Mayer hat während ihrer Laufbahn als Lehrerin und Schulleiterin in Stettfeld schon viele Spiele kommen und gehen sehen. "Das kommt immer in Wellen. Aber eigentlich bleiben es dieselben Spiele", erzählt sie.

Für die Jungen sei es wichtig, ihre Energie in der Pause beim Fußballspielen bündeln zu können. "Wir nehmen dazu einen Softball. Wir haben zwar mal einen härteren Ball ausprobiert, aber das war für die Fensterscheiben nicht so gut", erinnert sich Edith Mayer mit einem ironischen Lächeln. Die schuleigenen Hüpfseile würden - wie die Hula Hoop Reifen auch - vor allem dazu verwendet, um Pferdchen zu spielen. "Bei Fessel- und Knebelspielen müssten wir halt einschreiten", wirft Edith Mayer ein und lacht über ihren Scherz. Als ein kleines Mädchen auf dem Pausenhof nur ansatzweise stolpert, ist die Pädagogin bereits bei ihr, um sie zu trösten.

69 Kinder tummeln sich auf dem Hof der Grundschule, 33 davon sind Erstklässler. "Die sind so kurz nach der Einschulung schon richtig integriert", freut sich Edith Mayer.

Und was sind das nun für Spiele, die im Zeitalter von Smartphones und Tablets gespielt werden? "So wie früher auch: Tauschbildchen, Gummihüpfen, Fangen, Abzählverse", erzählt Edith Mayer. Auf dem Pausenhof gibt es außerdem eine Tischtennisplatte und Stelzen, die auf Wunsch zum Einsatz kommen. Zwei Mädchen stehen auf Pedalos und rollen über den Hof. Handys? Fehlanzeige. "Das wurde mit dem Elternbeirat so besprochen", sagt Edith Mayer.

Ballspiele? Zu schwierig

Anderer Schulhof, gleiches Szenario: Auch in Haßfurt haben Hüpfseile für Pferd und Reiter Hochkonjunktur. Die Jungen schießen auf Fußballtore. Außerdem besitzt jede der acht Klassen eine Pausenhofkiste, die während der Freizeit auf dem Schulhof geparkt wird. Darin sind Softbälle, Gummibänder und Hüpfseile.

Auch Grundschullehrerin Gisela Schott hat beobachtet, dass sich die Pausenspiele in den vergangenen Jahrzehnten kaum verändert haben. Die Haßfurterin unterrichtet seit 34 Jahren. Seit knapp einem Jahr leitet sie die Grundschule Haßfurt mit den drei Gebäude-Standorten am Dürerweg, in Sylbach und im Nassachtal.

Obwohl: Etwas ist doch anders. "Wir haben früher bei Ballspielen den Ball gegen die Wand geworfen oder sind seilgesprungen. Das kann man heute bei den Erstklässlern nicht mehr voraussetzen", weiß Gisela Schott. Nach ihren Beobachtungen fielen etwa der Hälfte der ABC-Schützen solche "motorischen Spiele" schwer. "Außer Fußball, das geht immer", wirft die Schulleiterin ein. Woher das kommt? "Manche sitzen eben doch die meiste Zeit vor dem Fernseher oder dem Computer", sagt Schott. Viele dieser Kinder würden auch keine Gesellschafts- oder Brettspiele kennen.

Mehr Spiele für das Schulhaus

Das wird sich spätestens mit ihrer Einschulung ändern. Denn die Haßfurter Grundschule hat sich bei der Initiative "Spielen macht Schule" beworben. Dank des Engagements der Lehrerinnen Dorothee Albert und Christiane Bätz bekommen die Schüler in diesen Wochen Kisten voller Spiele ins Schulhaus geliefert. Der Deutsche Verband der Spielwaren-Industrie stattet die Grundschule so opulent aus, dass an allen drei Standorten jeweils ein Spielzimmer einrichten werden kann.

"Wir sind dann so ausgestattet, dass ein Lehrer mit seiner ganzen Klasse zum Spielen kommen kann", sagt Gisela Schott. Ein genauer Zeitplan steht noch nicht fest. Die Haßfurter sind also auch auf Regentage bestens vorbereitet. Und was machen die Stettfelder in der Pausenhalle? "Sammelbildchen tauschen, Abzählverse, Gummihüpfen", zählt Edith Mayer auf. Die nächste Pause kann kommen!

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