Haßfurt
Tradition

Siebener arbeiten auf den Zentimeter genau

Das Vermessungsamt Schweinfurt schulte die neuen Feldgeschworenen in Haßfurt. Die Grenzen müssen sitzen.
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Die 2017 neu vereidigten Feldgeschworenen, auch Siebener genannt, erhielten eine grundlegende Schulung in Theorie und Praxis durch das Amt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung Schweinfurt (ADBV). Unser Bild zeigt (von links) Elmar Barth aus Unterpreppach, den Leiter des Amtes, Gerhard Hartmann, und Bernd Schätzlein aus Pettstadt bei der Arbeit mit dem Steinsetzgerät. Ulrike Langer
Die 2017 neu vereidigten Feldgeschworenen, auch Siebener genannt, erhielten eine grundlegende Schulung in Theorie und Praxis durch das Amt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung Schweinfurt (ADBV). Unser Bild zeigt (von links) Elmar Barth aus Unterpreppach, den Leiter des Amtes, Gerhard Hartmann, und Bernd Schätzlein aus Pettstadt bei der Arbeit mit dem Steinsetzgerät. Ulrike Langer
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"Das Sichern, Wiedereinsetzen oder das neue Einbringen von Grenzzeichen erfordert ein auf den Zentimeter genaues Arbeiten. Daher braucht ein Siebener nicht nur eine Schulung, sondern auch bestimmte Werkzeuge", sagt Gerhard Hartmann. Der Leiter des Amtes für Digitalisierung, Breitband und Vermessung Schweinfurt (ADBV), hat in Haßfurt die im letzten Jahr neu vereidigten Feldgeschworenen aus dem Landkreis Haßberge in der Theorie geschult und mit seinem Team in der Praxis unterrichtet.

"Ein Feldgeschworener oder Siebener hat eine verantwortungsvolle Aufgabe, wenn es um die Markierung von Grundstücksgrenzen geht", so Hartmann bei der Schulung im Landratsamt Haßberge. "So können sie in bestimmten Fällen selbstständig ohne unser Amt tätig werden." Hierzu zählen die Überwachung der Grenzzeichen, Grenzbegehungen, das Aufrichten, Auswechseln, Höher- und Tiefersetzen und Sichern gefährdeter Grenzzeichen. Nach einer Sicherung können die Siebener mit Einverständnis der Eigentümer auch Grenzzeichen selbst wieder einbringen. Dies gilt auch für Fälle, bei denen die Feldgeschworenen ihr geheimes Zeichen, das sogenannte "Siebenergeheimnis", unversehrt vorfinden.

Zur Wahrung dieses Geheimnisses, das seit Jahrhunderten weitergegeben wird, sind die Siebener zur Verschwiegenheit verpflichtet. Immerhin gilt das Ehrenamt des Feldgeschworenen als das älteste in Bayern und wird in der Regel von der Vereidigung bis zum Lebensende ausgeführt.

Gerhard Hartmann erläuterte den Teilnehmern der Schulung, was bei der Abmarkung durch das Amt, das auch für den Landkreis Haßberge zuständig ist, und in den Fällen, in denen sie in Eigenregie tätig sind, zu beachten ist. Weiter ging er auf die rechtlichen Grundlagen, die Bedeutung der Abmarkung sowie die Kosten- und Gebührenregelungen ein. Anschließend übten die Feldgeschworenen in der Praxis die notwendigen Schritte, die technisch und rechtlich nötig sind. Dazu gehören die Anfertigung zentimetergenauer Anmessungen mit Skizzen und ein Protokoll, in dem das Handeln der Siebener beschrieben wird.

Das Protokoll muss von allen Eigentümern durch Unterschrift bestätigt werden und hat den Charakter einer Urkunde. Protokoll und Skizzen werden nach einer Messung am Amt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung verwahrt und bei späteren Vermessungen berücksichtigt.

Einer der neuen Siebener ist der 62-jährige Industriemeister im Ruhestand, Elmar Barth aus Unterpreppach. "Ich habe mich gerne für dieses Amt zur Verfügung gestellt, als ich von unserem Obmann gefragt wurde", berichtete er. "Ich bin sehr heimatverbunden und geschichtsinteressiert und finde das Siebenerwesen mit seiner jahrhundertealten Tradition in Franken äußerst faszinierend." Natürlich mache die geforderte Genauigkeit Sinn. "Denn sonst gibt es Streit", sagte er.

Auch der 52-jährige Bernd Schätzlein aus Pettstadt ist neu im Amt des Siebeners. "Das hat mich schon immer interessiert", teilte er mit. "Ich habe selbst Grund und Boden und habe in meinem Wald schon früher Grenzzeichen gesucht, um über die Grenzen im Bilde zu sein." Nicht nur die praktische, sondern auch die theoretische Schulung hatte ihn sehr interessiert. "Denn davon bekommt man ja als Außenstehender sonst nichts mit", erklärte er. Mit der geforderten Genauigkeit hat er als Industrieschreiner kein Problem. "Ich finde, dass sie absolut notwendig ist", betonte er. "Schließlich geht es immer um die Größe eines Besitzes, die korrekt dargestellt sein muss!"

Folgende Siebener waren zur Schulung eingeladen: Matthias Hagenbucher (Westheim), Bernd Schmitt (Wohnau), Niklas Beck (Kirchaich), Thomas Gutjahr und Armin Wunderlich (Sulzbach), Markus Höhn (Burgpreppach), Martin Böhm (Birkach), Karl Bayer (Humprechtshausen), Marco Hauck (Lichtenstein), Christian Karbacher und Tobias Ehrlich (Obersteinbach), Detlef Zimmer (Schmachtenberg), Thorsten Meyer (Nassach), Detlev Regner (Schweinshaupten), Bernd Schätzlein und Thomas Andres (Pettstadt), Elmar Weber und Thomas Buhlheller (Hainert), Klaus Wagner (Eschenau), Volker Neu (Birkenfeld), Günther Kleibel (Koppenwind), Stefan Scholl (Untermerzbach), Robert Bohla und Christian Schramm (Obermerzbach), Christian Käb (Sechsthal), Werner Hofmann (Roßstadt), Volker Zürl, Daniel Käb, Roland Hauck (Sendelbach) und Elmar Barth (Unterpreppach).
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