Zeil am Main
Interview

"Sie nannten ihn Spencer": Auf den Spuren einer Filmlegende

Bud-Spencer-Fans können in Zeil den Dampfhammer-Test machen: Der Film "Sie nannten ihn Spencer" läuft an. Hauptdarsteller Marcus Zölch im Interview.
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Marcus Zölch (links) im Gespräch mit Riccardo "Silberlocke" Pizzuti, einer der bekanntesten Stuntmänner aus zahlreichen Spencer/Hill-Filmen. Foto: Agentur mm Filmpresse
Marcus Zölch (links) im Gespräch mit Riccardo "Silberlocke" Pizzuti, einer der bekanntesten Stuntmänner aus zahlreichen Spencer/Hill-Filmen. Foto: Agentur mm Filmpresse
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Ein neues Abenteuer mit den Filmlegenden Bud Spencer und Terence Hill kommt in die Kinos. Kein klassischer Haudrauf-Spielfilm zwar, aber Schlägereien und blöde Sprüche kommen auch hier nicht zu kurz: In dem Streifen "Sie nannten ihn Spencer", der laut den Machern eine Mischung aus Dokumentarfilm und Roadmovie ist, geht das Kinopublikum mit den Spencer/Hill-Fans Marcus Zölch (Augsburg) und Jorgo Papasoglou (Berlin) auf die Suche nach ihrem Idol Bud Spencer. Dabei treffen sie jede Menge Weggefährten des weltberühmten Duos. Der Fränkische Tag Haßberge hat einen Kino-Event dazu organisiert, am 16. September wird der Film im Capitol Theater Kino Zeil gezeigt. Das detaillierte Programm und weitere Infos dazu finden Sie am Ende dieses Interviews sowie auf unserer Facebook-Seite. Wir haben mit Hauptdarsteller Marcus Zölch über die Entstehung des Films gesprochen und was die Zuschauer alles erwartet.

Fränkischer Tag: Zwei italienische Schauspieler, die in den 70er Jahren berühmt wurden und die in Deutschland heute Kultstatus genießen: Das sind Bud Spencer und Terence Hill. Wie erklären Sie sich den anhaltenden Erfolg der Filme?
Zölch: Da hat der Rainer Brandt (deutscher Dialogbuchautor, die Red.) mit seinem Schnodderdeutsch (Bezeichnung für die lässige, flapsige Sprache in Brandts Synchronfassungen, die Red.) schon einen Riesenanteil daran gehabt, wobei man auch nicht vergessen darf, dass Wolfgang Hess (Synchronsprecher von Bud Spencer, d. Red.) und Thomas Danneberg (Synchronsprecher Terence Hill, d. Red.) als Stammsprecher der beiden überragende Arbeit geleistet haben. Alles zusammen, flotte Sprüche und Schlägereien, die Musik dazu und natürlich die Magie von Bud Spencer und Terence Hill, das macht den Erfolg aus.

Warum war Wolfgang Hess nicht an dem Filmprojekt beteiligt? Sie haben ja fast alle namhaften Weggefährten von Bud Spencer und Terence Hill dabei...
Der war schon involviert und er hatte auch zugesagt, als Sprecher aufzutreten. Aber er ist leider drei Monate vor Bud Spencer gestorben (am 27. April 2016, Bud Spencer starb am 27. Juni 2016, die Red.) und zu diesem Zeitpunkt war der Film bereits in der Postproduktion. Aus über 100 Stunden Rohmaterial hat man dann angefangen, den Film rauszuarbeiten. Wolfgang Hess und der Thommy Danneberg wären dann vermutlich beide als Sprecher in dem Film aufgetreten. Oder er hätte die Passagen mit Bud synchronisiert. Aber leider war das nicht mehr möglich. Das ist ja generell das Problem ab einem gewissen Alter, dass du damit rechnet musst, dass so etwas passiert. Auch Enzo Cannavale, der in den Plattfuß-Filmen den Caputo gespielt hat, wollten wir interviewen, aber er ist kurz vorher gestorben (18. März 2011, d. Red.). Giuliano Gemma (Hauptrolle neben Bud Spencer in "Auch die Engel essen Bohnen", d. Red.), den wir noch in Rom getroffen hatten, weil er das Filmprojekt unterstützen wollte, ist 2013 bei einem Autounfall ums Leben gekommen. So etwas verändert erstmal alles. Dann mussten wir überlegen: Was machen wir jetzt, wie machen wir weiter?

Wie ging es denn dann weiter? Das Projekt wurde vor rund acht Jahren begonnen und drohte mehrmals zu scheitern, sei es, weil die Finanzierung ungewiss war oder weil geplante Drehs wegfielen.
Es war natürlich immer dieser Zeitdruck da, die Idee hätte ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr funktioniert, dass man den Roadtrip macht und die ganzen Weggefährten von Bud Spencer aufsucht. Aber es war auch lange Zeit ein großes Problem für uns, dass die Filmförderstellen jahrelang gesagt haben, sie sehen in diesem Film kein Potenzial. Dann gab es keine Förderung. Egal, mit welchen schlagfertigen Argumenten man es versucht hat, etwa als Bud Spencer nach Deutschland gekommen ist, um seine Biografie vorzustellen: Das Buch stand auf Platz eins der Spiegel Bestsellerliste, über 100 000 verkaufte Exemplare, und die glaubten, Bud Spencer hat kein Potenzial mehr. Da waren viele Gespräche nötig und irgendwann bekamen wir dann doch die Förderung. Dadurch war es ab einem gewissen Punkt viel einfacher, den Film zum Ende zu bringen. Wenn man nur auf eigene Kosten durch Europa reist und via Crowdfunding Geld von den Fans einsammeln muss, um den Film zu finanzieren, ist das keine sehr solide Basis.

Dachten Sie irgendwann: Das wird nix?
Nein, ich habe immer daran geglaubt, dass der Film fertig wird. Nur wie, das wusste zu manchem Zeitpunkt niemand. Da gibt es freilich auch Momente, wo man verzweifelt und ans Aufgeben denkt. Aber wenn man zum Beispiel weiß, dass man eine Zusage hat von Riccardo Pizzuti, der halt sagt "Klar, kommt bei mir vorbei" und du weißt, du triffst die Silberlocke (Pizzutis Spitzname wegen seiner Haarfarbe, die Red.), dann macht man das natürlich gerne und dann macht man wieder weiter.

Und so sitzt man 2017 im Kino und denkt sich: hat sich gelohnt.
Ja, es war schön zu sehen, dass die Leute im Publikum da emotional mitgehen, dass der Film sie erreicht. Als säßen sie mit uns im Bus. Das macht, denke ich, den Reiz aus. Und letztlich sind ja die, die gesagt haben "Da ist kein Potenzial dahinter" Lügen gestraft worden. Da haben sich danach manche, glaub ich, in den Handknöchel gebissen und gedacht "scheiße!", denn der Film ist ja in die Kinostarts eingestiegen, das kann nicht jeder Dokumentarfilm/Roadmovie von sich behaupten.

Fast jeder hierzulande weiß, was eine "Doppelschelle" oder der "Dampfhammer" ist. Als Sie Riccardo Pizzuti trafen, der in den Filmen wohl mit Abstand die meisten Schläge aus Buds Repertoire einstecken musste, haben Sie ihn da mal gefragt, ober er die ganzen Stunts heute noch drauf hat?
Ich will nicht zuviel verraten, aber das wird in dem Film auch thematisiert. Ich bin bei einem Treffen mit Pizzuti runter in seinen Trainingsraum, wo er sich nach wie vor körperlich fit hält. Er ist mittlerweile 83 und es ist erstaunlich, wie fit er noch ist. Ich habe mich tatsächlich ein wenig mit ihm geprügelt, also nicht ernsthaft, aber er hat mir ein paar Sachen gezeigt, wie man das macht, zum Beispiel, dass man Schläge einsteckt. Man sieht uns (Zölch und Filmpartner Jorgo Papasoglou, die Red.) in einer Szene mit Pizzuti, in der wir uns quasi "die Qualle aus dem Drömel hauen", wie man im Spencer/Hill-Universum sagen würde. (lacht)

Sie haben Thomas Danneberg getroffen, der das Abenteuer aus "Sie nannten ihn Spencer" als Erzähler aus dem Off kommentiert. Wie war es, den Mann zu treffen, der mit der vertrauten Stimme Terence Hills spricht?
Das war in der Tat ganz lustig. Er spricht ja auch Schwarzenegger, Stallone, Dan Akroyd, also einige Hollywood-Koryphäen, und wenn man ihn dann trifft und er sagt mit seiner Stimme "Hallo Marcus, mein Jung", dann denkt man "Oh, ich habe gerade mit Schwarzenegger, Stallone und Hill und allen gleichzeitig gesprochen", da hat man schon seinen Spaß. Momentan spricht er ja Terence Hill in der recht aktuellen Produktion "Die Bergpolizei", die nun endlich auch in Deutschland gezeigt wird. Da merkt man schon deutlich, dass auch der Danneberg von der Stimme her gealtert ist, dieses junge, freche, das Terence Hill ausgemacht hat, damals in den 70er, 80er Jahren, das ist mittlerweile aus der Stimme weg. Aber natürlich hört man immer noch diesen Typus heraus. Das ist unverwechselbar.


Wie war denn allgemein die Stimmung bei den Dreharbeiten, haben Sie sich mit all den Schauspielern und Filmschaffenden oder Musikern wie Oliver Onions auf Anhieb gut verstanden?
Die waren total unkompliziert. Da gab es keinerlei Berührungsängste oder dass die da hochnäsig waren. Ich kann von jedem Einzelnen sagen, den wir da getroffen sind, dass das Menschen sind, die das Herz am rechten Fleck haben. Ich glaube auch, dass das entscheidend dazu beigetragen hat, dass all diese Filme herausgekommen sind, die wir so lieben.


Wie war es, als Sie Bud Spencer trafen? Sie kannten ihn ja schon vor den Dreharbeiten persönlich und mussten für den Film der Dramaturgie wegen so tun, als ob Sie ihm noch nie begegnet wären. Für Ihren Filmpartner Jorgo Papasoglou dagegen war es tatsächlich die Premiere.
Ich will nun wirklich nicht zuviel verraten, denn es ist ja so: Der Zuschauer fiebert natürlich mit bei der Geschichte und fragt sich "Treffen wir jetzt Bud Spencer oder nicht?", aber am Ende war es dann schon so, dass er (Bud Spencer, d. Red.) gesagt hat "Ich bin der Carlo" und Bud sei nur eine Filmfigur. Wobei ich aber für mich festgestellt habe, dass Carlo Pedersoli und Bud Spencer in meinen Augen ein und dieselbe Person ist, weil er genau das gleiche, große Herz hat - wenn nicht sogar noch größer - wie die Filmfigur Bud Spencer. Wenn man ihn trifft, ist das schon ein Erlebnis, das kann man gar nicht beschreiben, was da einem im Kopf vorgeht. Es geht ja auch nicht darum, ob ich ihn schon vorher getroffen habe, dafür ist es ein Film, der eine Geschichte erzählt. Und in der geht es darum, dass wir stellvertretend für Millionen Fans da draußen auf die Reise gegangen sind und diesen Roadtrip gemacht haben. Und es geht darum, zu erklären: Wer war Bud Spencer? Warum lieben ihn Millionen Fans weltweit?


Wie nah kamen Sie dabei Carlo Pedersoli? Was war er für ein Mensch?
Ich kann sagen, dass er ein herzensguter Mensch war mit einem unfassbar faszinierendem Auftreten, er hatte einfach eine Aura, die einen total einnimmt.


Er sagt in dem Film, dass ihn eine Tatsache sein Leben lang begleitet habe, nämlich dass er immer ein Dilettant war. Dilettant definiert er dann so: Das ist jemand, der Dinge von Herzen tut, ohne sich furchtbar anzustrengen.
Er hat auch gesagt, mach keine Pläne, leb einfach deinen Tag. Und vor allem hat er immer wieder gesagt "Futtetenne", das ist neapolitanisch und heißt soviel wie "Scheiß drauf". Nach dem Motto hat er auch gelebt. Er ist früher schon mal ans Set gekommen und hat seinen Text nicht gelernt, aber hat dann halt doch irgendwas aus dem Hut gezaubert. Ein berühmtes Beispiel dafür ist die Szene von "Die rechte und die linke Hand des Teufels", als er und Terence auf die Siedler zureiten. Der eine Siedler ruft "Gott zum Gruß, Brüder", Bud schaut zu Terence rüber und sagt "Woher weiß denn der, dass wir Brüder sind?". Das war so nie ihm Drehbuch gestanden, dass hat der Bud einfach spontan gemacht. Und das macht ihn aus.


Teilen Sie diese Einstellung zum Leben?

Bud Spencer und auch Terence Hill waren für mich in guten wie in schlechten Zeiten immer Leitfiguren. Die mir ein positives Lebensgefühl gegeben haben und die Möglichkeit zu sagen: Unterm Strich ist alles nicht so schlimm. Und man darf auch nicht alles so ernst nehmen.


Hat Terence Hill auch diese Ausstrahlung, die sie vorhin Bud Spencer zugeschrieben haben?
Terence Hill ist ein unfassbar sympathischer Mensch. Er ist aber überraschender Weise im Gegensatz zu den Filmen ein eher schüchterner Typ. Der Bud war ja schon auch jemand, der die Aufmerksamkeit mochte, wenn er auf einer Bühne stand, das hat ihm schon auch Spaß gemacht. Terence Hill dagegen meidet eher öffentliche Auftritte, weil er ein bisschen schüchtern ist. Aber es ist interessant zu sehen, sobald er dreht, wie er da über seinen Schatten springen kann und dann diesen frechen Haudrauf spielt. Im Privatleben ist er überhaupt nicht so.


War es denn auch schwierig, an Terence Hill heranzukommen?
Wir haben ihn am Set von "Un passo dal cielo" (ital. Originaltitel von "Die Bergpolizei - ganz nah am Himmel", die Red.) angesprochen und er hat gesagt: Ja, da mache ich mit. Das war insoweit schon eine kleine Sensation, weil er ja auch seit 30 Jahren in Interviews nicht mehr über die alte Zeit geredet hat. Deswegen war es für uns eine schöne Sache, dass er sich die Zeit genommen hat. Im Gegensatz zu Bud Spencer, der alles spontan gemacht hat, hat Terence Hill einen Monate vorher durchgeplanten Kalender, er ist ein sehr disziplinierter Mensch. Und zusammen sind sie dann eben ein unschlagbares Duo.


Das Filmprojekt "Sie nannten ihn Spencer" hat Regiesseur Karl-Martin Pold vor rund acht Jahren noch während seiner Studienzeit begonnen. War es von Anfang an geplant, dass Sie und Jorgo Papasoglou die Hauptdarsteller sind?
Nein, das Konzept des Films wurde nach einiger Zeit nochmal komplett überarbeitet. Dann wurden wir damit konfrontiert, dass wir jetzt die Hauptdarsteller sein sollen, die in diesem Roadmovie auf die Reise gehen. Da haben wir uns am Anfang dagegen gewehrt und gesagt: "Nö, wir sind keine Schauspieler." Aber irgendwie wurde immer klarer, wir beide passen gut zusammen, und wir verstanden uns tatsächlich bestens. So kam es dazu, dass wir es versuchten. Das Ergebnis sieht man jetzt. Das bleibt auch. Wir sind Freunde fürs Leben. Wir telefonieren regelmäßig und treffen uns nächste Woche wieder, auf einem Fantreffen in Berlin. Riccardo Pizzuti kommt übrigens auch mit.


Herr Zölch, vielen Dank für das Gespräch.




Einmal Bohnen mit Speck, bitte: Das Programm zum Kino-Event in Zeil

Doppelschelle und einen Dampfhammer hinterher: Der Fränkische Tag, das Capitol Theater Kino Zeil, der Ballonladen & Partyshop Bamberg und die Brauerei Göller präsentieren: Das Bud-Spencer-Kino-Event am Samstag, 16. September, in Zeil. Wir haben ab 16 Uhr Bohnen mit Speck und 30 Liter Freibier für die Besucher, wir haben einen Hau-den-Lukas, an dem Gäste ihre Dampfhammer-Fähigkeiten testen können und wir haben Live-Musik, bevor es um 17 Uhr losgeht mit dem Film "Sie nannten ihn Spencer". Reservierung unter Telefon 09524/1601 im Kino Zeil erwünscht (begrenzte Sitzplatzzahl).

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