Fürnbach

Sicherungsverfahren am Landgericht Bamberg: Tötungsdelikt im Wahn

Im März attackiert ein 32-Jähriger seine Lebensgefährtin im Haus seiner Eltern. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft war der Beschuldigte schuldunfähig.
Artikel drucken Artikel einbetten
Der Beschuldigte zu Beginn des Sicherungsverfahrens neben seinem Anwalt Thomas Gärtner.  Foto: chp
Der Beschuldigte zu Beginn des Sicherungsverfahrens neben seinem Anwalt Thomas Gärtner. Foto: chp
Als Oberstaatsanwalt Matthias Bachmann die Anklageschrift verliest, folgen die Eltern der Getöteten den Ausführungen nahezu regungslos. Im Zuhörerbereich fließen Tränen, auch der Beschuldigte schluchzt. Der 32-Jährige sitzt mit Fußfesseln im Sitzungssaal 107 des Landgerichts Bamberg, seit dem Vorfall im März 2017 ist er im Bezirksklinikum Bayreuth untergebracht. Der mutmaßliche Täter soll seine Lebensgefährtin im Wahn getötet haben.

Laut Anklageschrift hat sich die Straftat im März im Rauhenebracher Ortsteil Fürnbach im Elternhaus des 32-Jährigen zugetragen. Der Beschuldigte soll seine Lebensgefährtin zunächst gewürgt, gegen Gesicht und Kehlkopf getreten und dann auf das am Boden liegende Opfer mit einem Messer eingestochen haben. Die junge Frau verstarb am Tatort.


Erklärung über Anwalt

Der Beschuldigte litt laut Anklage zum Tatzeitpunkt unter einer akuten paranoiden Schizophrenie. Er soll deshalb im Zustand der Schuldunfähigkeit gehandelt haben. Das hatte unter anderem ein Erstgutachter kurz nach der Tat diagnostiziert. Weil infolge seiner Erkrankung in Zukunft weitere Taten zu erwarten sind, wird in dem Sicherungsverfahren die dauerhafte Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus angestrebt.

Vor Gericht räumte der 32-Jährige die Vorwürfe vollumfänglich ein. Er habe die schreckliche Tat begangen, ließ er über seinen Anwalt erklären. Stimmen hätten ihm dies befohlen. Er habe sich dagegen gewehrt, aber die Stimmen seien übermächtig gewesen. Bei der Familie der Getöteten entschuldigte er sich. Er werde sich sein Leben lang Vorwürfe machen. Die Angehörigen hatten eine persönliche Entschuldigung vor Gericht abgelehnt.

Der Beschuldige leidet schon seit Jahren an einer psychischen Erkrankung, war wegen psychotischer Phasen mehrfach in stationärer Behandlung. Zudem nahm er Medikamente und war bei einer Psychologin in Therapie. Die Psychosen seien erstmals während seines Studiums in Würzburg ausgebrochen, nachdem er mit einer Droge experimentiert hatte. "Das war der größte Fehler meines Lebens." Dadurch sei die Krankheit ausgelöst worden.


Hochzeit war geplant

Seine Lebensgefährtin hatte der Musiklehrer an einer Berufsschule kennengelernt. Seit dem Sommer 2015 waren sie ein Paar, lebten zuletzt zusammen in Kronach. Während der knapp zweijährigen Beziehung sei es nie zu einer körperlichen Auseinandersetzung gekommen. "Es war die schönste Zeit meines Lebens." Sogar die Hochzeit sei geplant gewesen, berichtete der Beschuldigte unter Tränen. Da auch die Freundin psychische Probleme hatte, habe man sich gegenseitig unterstützt. "Es war so, als ob sich zwei Blinde durch das Leben führen."


"Ein gravierender Fehler"

Knapp eine Woche vor der Tat hatte das Paar die Beerdigung der Großmutter des Opfers in Norddeutschland besucht. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Beschuldigte die Medikamente abgesetzt. "Weil es mir besser ging. Ein gravierender Fehler."

Am Tag der Rückkehr fuhr das Paar dann zu den Eltern des Beschuldigten. Zu diesem Zeitpunkt habe er bereits Stimmen gehört, die ihm allerdings zunächst positiv zugeredet hätten. Erst im Laufe des Abends hätten ihm die Stimmen befohlen, die Freundin zu töten. Nach der Tat ließ sich der 32-Jährige widerstandslos festnehmen.

2010 hatte der Beschuldigte während einer psychotischen Phase einen Schaffner in Würzburg attackiert. Er habe damals in dem Bahnangestellten den Teufel gesehen. "Er sagte zu mir, dass er der Sohn Gotts sei und ich losfahren soll", berichtete der Schaffner vor Gericht. Das Verfahren wurde damals wegen Schuldunfähigkeit eingestellt.

Der Vater der Getöteten sagte vor Gericht, dass das Verhältnis des Paares harmonisch gewirkt habe. "Die Tat kam für mich völlig überraschend." Auch beim Beerdigungsbesuch sei ihm nichts aufgefallen. "Er war in sich gekehrt und ruhig."

Die Verhandlung wird am 7. September, 9 Uhr, fortgesetzt.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren