Haßfurt
Gerichtsverhandlung

Sekundenschlaf führt zu gefährlichem Spiegelklatscher: 600 Euro Geldstrafe

Das Jugendgericht am Amtsgericht Haßfurt verurteilte einen Teenager, der im Sekundenschlaf einen Unfall verursacht hatte, zu einer Geldstrafe von 600 Euro.
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Als der Bäcker-Azubi am Steuer seines VW Golf saß, nickte er nur ganz kurz ein - mit fatalen Folgen: Er kam über die Fahrbahnmitte und touchierte mit einem knallenden Spiegelklatscher ein entgegenkommendes Fahrzeug. Für die Staatsanwaltschaft ist das eine Straßenverkehrsgefährdung. Das Jugendgericht verurteilte den unbescholtenen Teenager zu einer Geldstrafe von 600 Euro und einem einmonatigen Fahrverbot.

Der Unfall ereignete sich am 19. Mai um 17.30 Uhr auf der B 279 zwischen Maroldsweisach und Ebern. Wie der angehende Bäcker auf Nachfrage von Jugendrichter Martin Kober bereitwillig erzählte, hatte er die Nacht vorher durchgearbeitet. Um fünf Uhr in der Früh war er dann heimgekommen und hatte sich erst einmal schlafen gelegt. Etwa vier Stunden habe er geschlummert, bevor er zum Frühstücken aufstand. Gegen 10 Uhr setzte er sich dann in seinen Wagen und fuhr zu einer Familienfeier nach Großbardorf. Obwohl es dort sicherlich alkoholische Getränke gab, ließ er die Finger davon, wie später die Polizei feststellte. Bei der Feier hielt er sich bis etwa 17 Uhr auf, bevor er sich verabschiedete und die Rückfahrt antrat. Und da übermannte ihn für einen kurzen Moment die Müdigkeit und es kam zum Sekundenschlaf.

Derartige Müdigkeitsattacken, also das ungewolltes Einnicken für eine oder mehrere Sekunden, kommen gar nicht so selten vor. Experten schätzen, dass etwa jeder vierte Unfall mit Todesfolge auf Autobahnen dadurch verursacht wird. Wie im vorliegenden Fall liegt oft ein Schlafdefizit vor. Seit einigen Jahren bieten Fahrzeughersteller sogar Warnsysteme gegen den Sekundenschlaf an.

Nach Unfall vorbildlich verhalten

Nach dem Aufprall der Autospiegel war der junge Bäcker sofort hellwach und hielt am Straßenrand an. Er stieg aus, sah die Bescherung und entschuldigte sich bei dem anderen Autofahrer. Gottlob gab es keine Verletzungen, aber der Schaden an dem gegnerischen Fahrzeug betrug doch fast 1500 Euro. Als dann die Polizei eintraf, gab der Verursacher seinen Fehler ohne Umschweife zu und verhielt sich ausgesprochen kooperativ.

Franz Heinrich von der Jugendgerichtshilfe zeichnete ein ausgesprochen positives Bild von dem Angeklagten. Aufgewachsen ist dieser in intakten Familienverhältnissen, und die Schule hat er mit dem qualifizierenden Abschluss beendet. Da der Teenager sein Fehlverhalten nicht beschönigt hatte und in keiner Weise alkoholisiert war, bezeichnete der Pädagoge das Verhalten des Lehrlings sogar als "vorbildlich." Da sicherlich keine Reifedefizite vorhanden seien, empfahl er, in diesem Falle das Erwachsenenstrafrecht anzuwenden und eine "moderate Geldstrafe" zu verhängen.

Auch Staatsanwältin Franziska Winkler ging von einem minderschweren Fall aus, beantragte aber 50 Tagessätze á 40 Euro, also 2000 Euro Geldstrafe, und ein Fahrverbot von vier Monaten. Rechtsanwalt Horst Soutschek wies darauf hin, dass man mit einem Fahrverbot "nicht den Angeklagten, sondern seine Eltern bestrafen würde", weil diese den Azubi täglich zu seiner Arbeitsstelle fahren müssten.

Einmonatiges Fahrverbot

Der Richter verhängte eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 20 Euro, was der Ausbildungsvergütung des Lehrlings entspricht. Ein einmonatiges Fahrverbot hielt er für ausreichend. Da alle Beteiligten darauf verzichteten, Rechtsmittel gegen das Urteil einzulegen, wurde es sofort rechtskräftig, und der junge Mann gab noch im Gerichtssaal seinen Führerschein ab. Bis 26. September um 24 Uhr darf er nun kein Auto fahren.



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