Haßfurt
Amtsgericht

"Sein Faible für Autos bricht ihm das Genick"

Das Haßfurter Jugendgericht schickte einen notorischen Verkehrssünder in den Arrest.
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Seine Leidenschaft fürs Autofahren wurde einem 19-Jährigen aus dem Maintal wieder einmal zum Verhängnis. Am 28. August um 0.40 Uhr vergangenen Jahres fuhr er von seiner Arbeitsstelle heim und wurde 400 Meter vor der Ankunft an seinem Wohnort von einer Polizeistreife kontrolliert. Einen Führerschein konnte er nicht vorzeigen. Den hatte er bereits im vergangenen Jahr abgeben müssen, nachdem er einen Sportplatz im Maintal zerstört hatte, indem er in Rallye-Manier darübergefahren war. Das Amtsgericht in Haßfurt hatte ihn damals zu einem Fahrverbot verurteilt, an das sich der Möchtegern-Rennfahrer nicht hielt.

Am Montag musste er daher wieder einmal auf der Anklagebank des Jugendgerichts am Haßfurter Amtsgericht Platz nehmen, wo er zu einem Freizeitarrest sowie weiteren sechs Monaten Fahrverbot verurteilt wurde. Seine Schwarzfahrt begründete er vor Gericht damit, dass er nach einer Zwölf-Stunden-Schicht fertig war und nur noch nach Hause wollte. "Fertig sind Sie, wenn Sie heute aus dem Gerichtssaal rausgehen", ermahnte der Vorsitzende, Richter Martin Kober, den Angeklagten, der bereits vier Vorstrafen in seinem Sündenregister angehäuft hat. Drei davon sind einschlägige Verkehrsdelikte, einmal wurde er wegen Diebstahls verurteilt.

Der Jugendgerichtshelfer Franz Heinrich bescheinigte dem Angeklagten eine schwierige Kindheit. Die Eltern trennten sich, als er fünf Jahre alt war. Als Kind wurde bei ihm ein Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom (ADHS) diagnostiziert. Zwei Ausbildungen brach er ab. "Sein Faible für Autos bricht ihm das Genick", resümierte Heinrich.

Die Staatsanwältin sah das "Ende der Fahnenstange" erreicht und forderte einen Wochenendarrest sowie ein sechsmonatiges Fahrverbot. Richter Kober griff diesen Vorschlag auf. Der Verurteilte habe nun zwei Tage Gelegenheit, sich in der Jugendstrafanstalt in Würzburg Gedanken über seine Fehltritte zu machen, sagte Kober in der Urteilsbegründung. Das Urteil ist rechtskräftig.

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