Tretzendorf

Seehofer bekräftigt Nein zu einem Nationalpark im Steigerwald

Der bayerische Ministerpräsident untermauerte in Tretzendorf die Haltung Bayerns gegen einen Nationalpark. Von den Kommunalpolitikern bekam der Landesvater einige Aufgaben eingepackt, und zwei Schreiben erhielt er zugesteckt.
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Horst Seehofer bei den Nationalpark-Gegnern: Die hatten am Freitag viel Freude an der Rede des Ministerpräsidenten.  Fotos: Barbara Herbst
Horst Seehofer bei den Nationalpark-Gegnern: Die hatten am Freitag viel Freude an der Rede des Ministerpräsidenten. Fotos: Barbara Herbst
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Das war es, was die meisten der rund 300 Besucher hören wollten und wofür sie den meisten Beifall spendeten: Die Staatsregierung in Bayern bleibt bei ihrem Nein zu einem Nationalpark im Steigerwald. Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) bekräftigte bei einer Wahlkampfveranstaltung am Freitagnachmittag im Schlosspark von Tretzendorf (Gemeinde Oberaurach, kreis Haßberge) sein mehrfach gegebenes Versprechen, wonach ein Schutzgebiet in dem Raum gegen den Willen der Bevölkerung nicht komme. "Wir werden weder heute noch morgen etwas verändern, was nicht im Einklang mit Mensch und Natur steht", versicherte Horst Seehofer. Lauter Applaus vor allem von den Besuchern, die im grünen T-Shirt erschienen waren.
Darauf stand: "Der Steigerwald muss Naturpark bleiben." Die Gegner eines Nationalparks bildeten eine nicht zu übersehende Gruppe unter den Gästen der Veranstaltung.

Mit dieser Aussage Seehofers hatte Ralf Straußberger gerechnet. Und er könne damit auch gut leben, sagte der Waldreferent des Bundes Naturschutz Bayern während der Seehofer-Rede unserem Portal. Obwohl er und der Bund Naturschutz mit Chef Hubert Weiger an der Spitze einen Nationalpark im Steigerwald fordern. In Tretzendorf war Straußberger, um ein Schreiben an Seehofer zu übergeben, in dem der Bund Naturschutz einen Nationalpark-Masterplan verlangt und sich für eine Versachlichung der Diskussionen um das Thema einsetzt. Ferner treten die Naturschützer dafür ein, dass der Landkreis Bamberg sein Vorhaben umsetzen kann, ein rund 750 Hektar großes Areal in der Gemarkung Ebrach (Kreis Bamberg) als einen geschützten Landschaftsbestandteil auszuweisen.

Es war nicht das einzige Schreiben, das am Freitag den Besitzer wechselte. Oskar Ebert, der Bürgermeister der Nachbargemeinde Rauhenebrach, Kreisvorsitzender des Bayerischen Gemeindetags und Zweiter Vorsitzender des Vereins "Unser Steigerwald", der strikt gegen einen Nationalpark ist, übergab einen Brief mehrerer Kommunen, des Bauernverbands und der Waldbesitzer. Die Unterzeichner sprechen sich darin vehement gegen einen geschützten Landschaftsbestandteil bei Ebrach aus und wollen im Schreiben den Ministerpräsidenten "eindringlich bitten, keine weiteren Schutzgebiete auszuweisen", erklärte Oskar Ebert, der ein Freier Wähler ist - und auch großen Applaus erhielt.

Weitere Wünsche

Die beiden Schreiben mit ihren Forderungen waren nicht die einzigen Wünsche, die mit Seehofer in die Staatskanzlei nach München gehen. Oberaurachs Bürgermeister Thomas Sechser (CSU) mahnte Verbesserungen beim Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz an. CSU-Landratskandidat Wilhelm Schneider, der bisherige Bürgermeister von Maroldsweisach, der am Sonntag, 30. März, ums höchste Amt im Landkreis Haßberge in der Stichwahl mit dem SPD-Bewerber Bernhard Ruß ringt, wünscht einen zügigen Breitband-Ausbau für das schnelle Internet ("Wir Kommunen stehen in den Startlöchern"), eine Unterstützung des Freistaats bei der Sanierung von Wasser- und Abwasseranlagen ("Ich denke, Sie werden sich darum kümmern") und um eine Einrichtung für den Steigerwald im Landkreis Haßberge als Ergänzung zum im Bau befindlichen Nachhaltigkeitszentrum in Handthal und zum geplanten Baumwipfelpfad in Ebrach.

Seehofer versprach, die Anliegen zu verfolgen und in die richtigen Hände zu geben. Mit Blick auf die Buben und Mädchen aus der Schule und dem Kindergarten, die dem Ministerpräsidenten zuvor ein Ständchen gesungen hatten, legte er den Eltern unter den Besuchern ans Herz: "Schicken Sie Ihr Kind in die richtige Schule" und nicht in die Schule, "die Ihnen eingeredet wird. Der Mensch beginnt nicht erst beim Akademiker" sprach er sich für Flexibilität und Vernunft bei Bildung und Beruf aus.

Was macht der Wind?

Ansonsten betonte er, dass Bayern am Atomausstieg festhalte, und er unterstrich die von ihm ins Gespräch gebrachte Abstandsregelung bei Windrädern. "Wir wollen erneuerbare Energien im Einklang mit Mensch und Natur", sagte Seehofer, und just in diesem Augenblick frischte der Wind auf. Eine heftige Böe strich durch den Schlosspark.

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