Ebelsbach

Schweinepest - eine Frage der Zeit auch im Landkreis Haßberge

Der Landkreis ist für den Einbruch der Schweinepest gerüstet. Die Krankheit ist nur noch 21 Kilometer von der deutsch-polnischen Grenze entfernt
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Deutschland blieb bisher von der "Afrikanischen Schweinepest" (ASP) verschont, aber sie setzt ihren tödlichen Zug fort und ist in Polen nur noch 21 Kilometer von der deutsch-polnischen Grenze entfernt. Die Angst vor der Ausbreitung ist also berechtigt.

Landkreis Haßberge hat schon 2018 Maßnahmen ergriffen nach "Vorgabe des Rahmenplanes ASP". Dabei ging es in erster Linie darum, die Einschleppung der Krankheit zu verhindern und auf Maßnahmen hinzuweisen: Was ist im Fall eines ASP-Ausbruches für die Landwirte zu tun. Darum kümmert sich bis heute die Koordinierungs-Gruppe, die fachübergreifend aus Mitarbeitern des Landratsamtes besteht.

Mit Sorge sieht das Bundeslandwirtschaftsministerium, dass die Schweinepest an Deutschland heranrückt. Das "Friedrich-Löffler-Institut" spricht von einem "hohen Risiko", dass Wildschweine von Polen aus die Schweinepest nach Deutschland einschleppen. Als Vorsichtsmaßnahme wurden dort mobile Elektrozäune installiert. Das Land Brandenburg hat die Jagd auf Wildschweine verstärkt. Bundesweit ist die Jagd mit Nachtsichtgeräten erlaubt.

Auch von Menschen geht größte Gefahr aus bei der Verbreitung der Tierseuche. Die weggeworfene Brotzeit von Auto- und Lastwagenfahrern aus dem Osten findet in der Wildtierwelt ihre Abnehmer. Ein achtlos weggeworfenes Wurstbrot an einem Rastplatz bedeutet Gefahr. Über kontaminierte Wurst- oder Fleischwaren gelangen die Erreger kilometerweit ins Land.

Die Tierseuche wurde aus Afrika eingeschleppt und breitete sich seit 2007 von Georgien aus in die Nachbarländer aus. Seit 2014 tritt sie in Polen und den baltischen Staaten auf und seit 2017 in der Tschechischen Republik, Moldawien und Rumänien. 2018 wurden erste Fälle in Ungarn, Bulgarien und Belgien gemeldet und auch infizierte Wildschweine im Dreiländereck Frankreich-Luxemburg-Belgien gefunden.

Was ist Afrikanische Schweinepest (ASP)?

Bei der Afrikanischen Schweinepest (ASP) handelt es sich um eine ansteckende Viruserkrankung, die ausschließlich bei Haus- und Wildschweinen vorkommt. Der Mensch ist nicht von dieser Tierkrankheit gesundheitlich bedroht. Bei Schweinehaltern aber kann die Krankheit zum Ruin führen, denn alle befallenen Tiere müssen geschlachtet werden.

Bei infizierten Tieren kann das Virus sowohl im Blut als auch im Gewebe gefunden werden und wird somit mit allen Ausscheidungen (Speichel, Urin, Kot, Sperma) ab dem zweiten bis vierten Tag nach der Infektion freigesetzt. Übertragen wird die ASP entweder durch direkten Kontakt von Tier zu Tier (Sekrete, Blut, Sperma) oder indirekt durch Kontakt zu virusbehafteten Personen, Kleidung, Futtermitteln, Schlacht- und Speiseabfällen, Nahrungsmitteln, Gülle/Mist sowie sonstige Gerätschaften oder Fahrzeuge (Viehtransportern). Eine große Ansteckungsgefahr geht insbesondere vom Blut infizierter Tiere aus oder mit deren Blut kontaminierten Gegenständen. Das Virus kann auch über spezielle Lederzecken übertragen werden, die jedoch nur auf dem afrikanischen Kontinent vorkommen.

Keine Therapiemöglichkeit

Die Viren verursachen bei den infizierten Tieren nach etwa zwei bis sieben Tagen hohes Fieber, Appetitverlust und typische Blutungen in der Haut und an den inneren Organen. Bereits nach sieben bis zehn Tagen tritt nahezu bei 100 Prozent der infizierten Tiere der Tod ein. Es gibt weder Impfung noch Therapie; infizierte Haus- und Wildschweine verenden in der Regel.

Ein Ausbruch der Schweinepest hierzulande hätte gravierende wirtschaftliche Folgen. Andere Länder würden ihre Schweinefleisch-Importe stoppen, weil Deutschland nicht mehr den Status "seuchenfrei" hätte. Auf Höfen mit ASP müssten die Hausschweine alle gekeult, also getötet, werden.

Wie Monika Göhr von der Pressestelle des Landratsamtes Haßberge mitteilt, ist es deswegen vorrangiges Ziel, "geeignete Präventions-Maßnahmen" zu ergreifen, damit die Viruserkrankung nicht in einem Hausschweinbestand auftritt. "Ein Ausbruch der Seuche im Hausschweinbestand kann existenzbedrohende Auswirkungen für die heimische Landwirtschaft und fleischverarbeitende Betriebe haben, denn dann darf erst einmal kein Schweinefleisch mehr ins Ausland exportiert werden. Schwerpunkt der Maßnahmen liegt auf der verstärkten Bejagung von Wildschweinen und der Beprobung von Wildschweinkadavern. Weiterhin wird darauf geachtet, dass Sicherheitsmaßnahmen, wie beispielsweise Hygiene-Vorschriften, in schweinehaltenden Betrieben eingehalten werden."

Und das hat man im Landkreis alles schon getan:

- regelmäßige Proben von verendeten Wildschweinen durch die Jäger/Revierinhaber,

- Beschilderung sensibler Park- und Rastplätze mit Mülleimern,

- Datenaktualisierung bei Schweinehaltungen und Jägern,

- Einrichtung von zwei Wild-Sammelstellen in Ebern und Haßfurt, die im Seuchenfall als Verwahrstellen genutzt werden können,

- Anschaffung von Desinfektionsschleuse und praktische Übungen zu deren Aufbau,

- Schulung von Bergeteams von zwei Bauhöfen,

- Anschaffung eines Hängers für Transport der aufgefundenen Wildschweine,

- praktische Übungen der Veterinär-Fachleute bei Annahme eines Seuchenfalles im Hausschwein-Bestand.

Aktuell in Vorbereitung sind folgende Maßnahmen:

- Infoveranstaltung für die Jäger und Revierinhaber,

- Überlegungen zu weiteren Standorten für die Sammlung von Wildschweinkadavern,

- Schulung der Teams für Fallwildsuche,

- Anschaffung Elektrozaun/Wildzaun,

- Informationen über die ASP auf der Internetseite und Anschreiben von Personen, die im Ernstfall als freiwillige Helfer fungieren können.

Die Schweinepest im Blick von Schweinehaltern, Jägern und dem BBV

Für Landwirte und Schweinehalter ist eine lückenlose Hygiene nahezu der einzige Weg, um sich zu schützen. Aber auch Jäger, Saisonarbeitskräfte und Reisende aus oder in den Seuchen-Gebieten sind gehalten, die nötigen Vorsorge- und Hygienemaßnahmen unbedingt einzuhalten.

Wie sieht Schweinehalter Bernhard Müller aus Goßmannsdorf die gegenwärtige Lage? Er betreibt in einem geschlossenen System Mutterschweinhaltung, Ferkelaufzucht und Mastbetrieb und gibt zu: "Ich habe natürlich eine Riesenangst davor, weil wirtschaftlich der ganze Betrieb daran hängt, wenn ein Fall irgendwo auftritt, Deutschland nicht mehr seuchenfrei wäre, kein Export mehr möglich wäre und natürlich auch die Preise fallen würden."

Bei seinen Vorsichtsmaßnahmen lege er Wert auf eine strikte Trennung von Feld und Stall. "Wenn ich von den Feldern komme, wechsle ich die Schuhe, bevor ich in meinen Stall gehe. Außerdem sind wir gerade dabei, einen Zaun um unsere Stallungen zu bauen. Damit wollen wir Wildschweine vom Gelände um den Stall fernhalten und auch ihren Durchmarsch verhindern." Auch der Besuch von Tierärzten ist durchaus ein Problem, weil sie von Stall zu Stall gehen. Müller kennt, wie er berichtet, einen Tierarzt, der ein leidenschaftlicher Jäger ist. Er hat nun das Jagen eingestellt, um hier nicht selbst Überträger in den Stall und auf das Hausschwein zu werden.

Szenarien eines Ernstfalles will sich Müller gar nicht vorstellen. Es kann ja schon weit weg vom Stall beginnen, wenn ein infiziertes Wildschwein gefunden wird. "Dann kann in einem Radius von fünf Kilometern um die Stelle ein Zaun gezogen werden, der praktisch einen Umfang von gut 30 Kilometern hat. Auch Getreide aus diesem Sperrgebiet darf dann nicht mehr verkauft oder verfüttert werden. Solches Getreide kann nur als Biomasseanlage verwendet werden. Auch eine solche Situation kann jeden Landwirt treffen."

Helmut Schöpplein aus Ebelsbach, leidenschaftlicher Jäger und Vorsitzender der Hegegemeinschaft-Ost, bestätigt, dass man die Bejagung von Wildschweinen schon sehr intensiviert hat, um damit einen Beitrag gegen die Ausbreitung der Schweinepest zu leisten. Die Jäger haben bei einer Drückjagd von Eltmann bis Limbach kürzlich 22 Sauen geschossen. Eine solch hohe Zahl war schon lange nicht mehr der Fall. Auch Kirrungen richten die Jäger ein. Bei solchen Lockfütterungen können sie ebenfalls Wildschweine erlegen. Die Erlaubnis zu Nachtvorsatzgeräten bei Dunkelheit wertet Schöpplein als gute Sache, fast jeder aus der Hegegemeinschaft jage schon mit solch einem Gerät.

Wie Schöpplein und die Jägerschaft sieht aber auch der Bauernverbands-Kreisobmann Klaus Merkel im Menschen selbst die Gefahr. Ob an der A70 oder an der B303: "An allen Rastplätzen sollten verschlossene Abfallcontainer bereitgestellt werden, die aber auch mehr als einmal die Woche geleert werden müssten. Dies haben wir schon vor einiger Zeit mit dem damaligen Staatssekretär Gerhard Eck besprochen. Allerdings müsse hier noch die Zuständigkeit der Straßenmeistereien geklärt werden. Mit wenig Kosten könnten wir hier eine Katastrophe verhindern."

Klaus Merkel weist darauf hin, dass sich solch eine Ernstsituation ebenso auf die übrigen Landwirte oder Getreidebauern auswirken kann. Wenn Schweine getötet werden, wirkt sich das auf den Getreidepreis aus, weil das den Marktpreis drückt. 60 Prozent der Getreide-Erzeugung geht "über den Tiermagen". Noch bestehe für Schweinehalter kein Grund zur Panik, wohl aber zur höchsten Vorsicht. Schweinehalter und Jäger erhielten daher in den letzten Tagen Post aus dem Landratsamt mit Sicherheitshinweisen und möglichen Maßnahmen.

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