Haßfurt
Schwarzfahrer

Schwarzfahrten in Teufelsküche

Weil er Bahn fuhr ohne Karte, sich also Leistungen erschlich, stand ein 21-Jähriger vor dem Kadi. Er stand unter laufender Bewährung, bekam aber ein mildes Urteil. Der junge Mann muss 90 gemeinnützige Arbeitsstunden ableisten.
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Der Eingang zum Amtsgericht Haßfurt.
Der Eingang zum Amtsgericht Haßfurt.
Wer unter laufender Bewährung steht, spielt mit dem Feuer, wenn er sich strafrechtlich etwas zu Schulden kommen lässt. In diesem Sinne zündelte im Frühsommer dieses Jahres ein vorbestrafter 21-Jähriger aus dem Maintal: Gleich sieben Mal erwischte man ihn beim Schwarzfahren mit der Bundesbahn.

Mit mildem Blick

Weil der junge Mann geständig war und vor Gericht in Haßfurt am Montag glaubhaft versicherte, baldmöglichst eine Ausbildung nachzuholen, verurteilte ihn das Jugendschöffengericht nur zu 90 gemeinnützigen Arbeitsstunden - ein Riesen-Dusel für den Angeklagten.

Die Vorgeschichte: 2007 stand der Bursche das erste Mal vor dem Kadi.

Zwölf Monate hinter Gitter

Damals wurde er wegen Sachbeschädigung verurteilt.
In den darauffolgenden Jahren kam es zu mehreren Diebstählen, wobei ihn das Urteil vom 1. März 2010 besonders hart getroffen haben muss: Aufgrund einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten musste der Jugendliche damals sogar hinter Gitter.

Nach knapp zwölf Monaten, also im Frühjahr 2011, wurde er mit der Maßgabe entlassen, dass seine "Reststrafe" von 309 Tagen drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird.

In diesen drei Jahren sollte er nicht mit dem Gesetz in Konflikt kommen, denn sonst könnte die Reststrafe auch noch fällig werden.

Ob aus Leichtsinn oder Dummheit: Zwischen März und Mai 2012 versuchte der junge Mann gleichwohl als Schwarzfahrer immer wieder, auf der kurzen Strecke zwischen Haßfurt und Zeil den Fängern der Schaffner zu entkommen. Wie oft ihm das gelungen ist, weiß nur er selber. Sieben Mal jedenfalls ging der Plan in die Hose, die Bundesbahn wurde um nachweislich 30,60 Euro geprellt.

Es wäre auch per Rad gegangen?

Zutreffend wies Jugendrichter Martin Kober darauf hin, dass man eine solch kurze Distanz leicht zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen kann. Denn das Erschleichen von Leistungen, wie das Schwarzfahren im Juristendeutsch heißt, sieht der Staatsanwalt durchaus nicht als Kavaliersdelikt. Vielmehr verfolgt er derartige Vergehen als Straftat. Insofern hätten die Aktionen, die der Angeklagte selber als Dummheit bezeichnete, ganz böse enden können.

Keine leichte Kindheit

Den familiären Hintergrund des Beschuldigten beleuchtete Jugendgerichtshelfer Franz Heinrich. Die frühe Scheidung der Eltern versetzte dem damals fünfjährigen Buben wohl einen ersten psychischen Schlag. Da es mit dem Vater und dessen neuer Partnerin massive Probleme gab, verbrachte das Kind später sogar einmal neun Monate in einer Pflegefamilie.

Nach der Hauptschule versuchte der Jugendliche erfolglos, eine kaufmännische Lehre zu absolvieren. Immer wieder, so der Sozialpädagoge, sei der Angeschuldigte von einem Fettnäpfchen ins nächste getreten. Aktuell aber habe sich die Situation gebessert, weil seine mit ihm in einer Wohnung lebende Freundin einen positiven Einfluss ausübe.

Juristisch gesehen war es jetzt für den Burschen ein weiterer glücklicher Zufall, dass er bei seiner ersten Zugfahrt ohne Ticket noch keine 21 Jahre alt war. Dadurch kam auf Vorschlag des Pädagogen das Jugendstrafrecht zur Anwendung.

Allerdings definitiv zum letzten Mal, unterstrich der Richter in seiner Urteilsbegründung. Die Zeit der nur als Jugendstrafe möglichen Arbeitsstunden sei ein für allemal vorbei, betonte er.
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