Haßfurt
Amtsgericht

Schwarzfahrt in der Waschstraße

Das Amtsgericht Haßfurt verurteilte einen 23-jährigen Sportwagenfahrer, weil er ohne Führerschein seinen Audi gesteuert hatte - wenn auch nur wenige Meter.
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Unwissen schützt vor Strafe nicht. Das musste am Mittwoch ein 23-jähriger Sportwagenbesitzer aus dem Maintal am Amtsgericht in Haßfurt lernen. Weil er seinen Audi zweimal ohne Führerschein nur wenige Meter durch eine Waschstraße gefahren und zudem bei einem Discobesuch zwei Polizeibeamte beleidigt hatte, verurteilte ihn das Amtsgericht zu einer Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu je 57 Euro, also 2565 Euro.

Vor Gericht beteuerte der Angeklagte, er habe nicht gewusst, dass es sich bei einer Waschstraße um öffentlichen Grund handelt und nicht etwa - wie er annahm - um Privatgrund, auf dem er auch ohne Führerschein hätte fahren dürfen. Ein Kumpel habe ihn hingefahren, sich jedoch nicht getraut, das teure Auto in die Waschstraße zu fahren - aus Angst, dabei etwas zu beschädigen. So habe er sich kurzerhand selbst hinters Steuer gesetzt.

Sein Pech war, dass er bei den zwei kurzen Fahrten im September und Oktober vergangenen Jahres von zwei Polizeistreifen erwischt wurde, die in der Nähe der Tankstelle in der Haßfurter Godelstadt unterwegs waren. Sie erkannten ihren "Kunden", den sie schon des Öfteren angehalten hatten, um ihn und das getunte Fahrzeug unter die Lupe zu nehmen.

Zehn Einträge hat der Angeklagte im Verkehrszentralregister, meist wegen unerlaubter Veränderungen an seinem Fahrzeug. Anhand der Videoaufzeichnungen der Tankstelle konnte der Angeklagte überführt werden. Darüber hinaus war eine dritte Schwarzfahrt angeklagt: Ein Rentner hatte den Angeklagten im Oktober vergangenen Jahres angezeigt, weil er von ihm am späten Abend "fast überfahren" worden sei. Er sei mit seinem Fahrrad in der Haßfurter oberen Hauptstraße unterwegs gewesen, als ihm der Angeklagte "krachend" entgegengekommen sei. Dasselbe sei ihm bereits eine Woche zuvor passiert. Er habe den Angeklagten, der bei ihm in der Nachbarschaft wohnt, zweifelsfrei erkannt.

Am nächsten Tag sei er zur Polizei gegangen, wo er erfuhr, dass sich schon einige Bürger über den "Krawallmacher" beschwert hätten. Man könne jedoch nicht gegen ihn tätig werden, weil noch niemand Anzeige erstattet habe. Daher zeigte der Rentner den Audi-Fahrer an. Zudem sagte er im Zeugenstand, dass er damals - zuhause angekommen - auf den Angeklagten gewartet habe. Der sei dann mit seinem Auto vorgefahren und in sein Wohnhaus gegangen, während sein Kumpel auf der Beifahrerseite ausgestiegen und mit seinem eigenen Auto davongefahren sei.

Der Verteidiger René Kamphausen zweifelte daran, dass der Rentner seinen Mandanten durch die getönten Scheiben in der Dunkelheit erkannt habe, und legte dem Gericht einen USB-Stick mit selbst gefertigten Videoaufnahmen vor. Das Gericht stellte daraufhin diesen Anklagepunkt ein.

Nicht eingestellt wurde hingegen der Vorwurf der Beleidigung. Am 20. Oktober vergangenen Jahres mischte sich der Angeklagte ein, als zwei Polizeibeamte seinen Freund vor einer Hofheimer Diskothek festnehmen wollten. Dabei drohte er, sie mit seiner Nahkampfausbildung fertigmachen zu wollen, und beleidigte sie als "Motherfucker" und "Wannabee-Cops".

Der Staatsanwalt forderte eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je 60 Euro plus zwei Monate Fahrverbot für den Angeklagten, der bislang nur einmal wegen eines geringfügigen Diebstahls als Jugendlicher straffällig geworden ist.

Der Verteidiger verwies darauf, dass sein Mandant seinen Führerschein zum Tatzeitpunkt eigentlich längst wieder hätte haben können. Nach einem Rotlicht-Verstoß sei ihm der "Lappen" abgenommen worden, weil er die Punktegrenze in Flensburg überschritt. Der Rotlicht-Verstoß wurde laut Rechtsanwalt jedoch wieder zurückgenommen, so dass der Angeklagte seinen Führerschein wieder hätte beantragen können, was er jedoch unterlassen habe. Zudem liege hier ein "Verbotsirrtum" vor, da der Angeklagte dachte, er dürfe auf dem Tankstellengelände ohne Führerschein fahren. Eine Geldstrafe in Höhe von 40 Tagessätzen sei daher ausreichend, argumentierte der Anwalt.

Die Vorsitzende, Richterin Ilona Conver, blieb zwischen den beiden Anträgen. Von einem Fahrverbot sah sie ab, da der Angeklagte seinen Führerschein zum Teil unberechtigt 18 Monate los war.

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