Unter dem Motto "Du und ich in Peking", wurden Jugendliche von Konfuzius-Instituten aus aller Welt zum mittlerweile fünften Sommercamp mitte bis Ende Juli eingeladen, China - ganz besonders Peking - näher kennenzulernen. Jasmin Schmitt brauchte nicht lange zu überlegen.

Seit einem Jahr erst lernt sie am E.T.A.-Hoffmann-Gymnasium in Bamberg neben Englisch und Latein auch Chinesisch. Anfangs war sie von der Idee ihrer Mutter gar nicht so begeistert, aber nach der ersten Schnupperstunde fand sie "das total andere" faszinierend.

Für die Zulassung für ihre ganz besondere Reise brauchte Jasmin "viel Geduld." Und viele Vorbereitungen waren notwendig: Schulbefreiung, Motivationsschreiben, um überhaupt zugelassen zu werden, Ideen für kulturelle Beiträge in China, Visumsantrag, Genehmigung für Ton- und Bildaufnahmen, Flugtickets und außerdem "genügend Zeit, um sich über das Land zu informieren, denn die Lebensbedingungen dort sind doch deutlich anders, als die deutschen Standards", erzählt sie.

Interessiert und engagiert


Wichtigste Voraussetzung aber war, dass man interessiert und engagiert ist. "Außerdem durfte man nicht chinesischer Herkunft sein und auch noch nie in China gewesen sein", erklärt Jasmin, die dieses Erlebnis ihrer Chinesisch-Lehrerin Zou Lan zu verdanken hat. "Sie war überzeugt davon, dass ich für dieses Camp sehr geeignet bin und brachte mich überhaupt erst auf die Idee zur Teilnahme."

Ihre Erlebnisse im bevölkerungsreichsten Land der Erde bezeichnet sie als "grandios". Von ihrer Unterkunft aus, einem Mädchen-Dormitorium, lernte die Haßberglerin mithilfe der BFSU-Sprachassistentin Fu Zhiyu Land und Leute näher kennen. Nicht nur die berühmte chinesische Mauer. Auch den geschichtstragenden Platz des himmlischen Friedens, der sich direkt vor den Südeingangstoren der verbotenen Stadt erstreckt. "Es ist wirklich von gigantischem Ausmaß", erinnert sich Jasmin. "Leider konnte man die Häuser und Tempel innen nicht näher besichtigen, sondern diese stummen Zeugen der Geschichte nur von außen anschauen."

Die für sie schönste Sehenswürdigkeit war der Himmelstempel. "Einfach überwältigend. Das Farbspiel, die ganze Struktur der Gemälde und die Formen des Himmelsgewölbes."

Das kann einem schon zu denken geben


Am Tag bevor Jasmin Schmitt und die anderen Camp-Teilnehmer zur chinesischen Mauer fuhren, fing es unterdessen extrem an zu regnen. "Anfangs war eigentlich jeder froh über den willkommenen Regen, aber als es einfach nicht aufhörte, und das Wasser auf der Straße stehen blieb und so hoch gestiegen ist, dass man von Haus zu Haus schwimmen konnte, war der Spaß dann doch vorbei." Eine Gefährdung für die Gäste bestand zwar nicht. "Aber trotzdem war es sehr ungewöhnlich, denn nicht mal ein Regenschirm hat etwas genutzt." Wenigstens einen positiven Aspekt hatte das viel Nass von oben: Der Smog war verschwunden und es war zum ersten Mal klares Wetter. "Auch der Himmel war zu sehen. Sonst war immer alles grau und fast neblig-staubig."

Freilich war beim Aufenthalt in China für die Jugendlichen, die in aller Welt Chinesisch lernen, auch Chinesisch-Unterricht angesagt. Als Lehrer war die "Crème de la Crème" der BFSU-Studenten im Einsatz. Bei der Eröffnungszeremonie durch die Direktorin der Abteilung Konfuzius-Institute an der BSFU, Zhang Xiaohui, waren auch Botschafter aus Bulgarien und Spanien zu Gast. Nach der Einführung von BSFU-Vizepräsident Ma Yangsheng erklärte Zhang Junli, die Direktorin der Konfuzius-Institute, schließlich die Besonderheiten des diesjährigen Camps. Es ging um alltägliche Dinge wie Einkaufen, Hobbys, Meinung ausdrücken oder sich vorstellen.

Chinesische Kultur


Daneben wurden drei Workshops angeboten: Traditionell chinesisch Malen, chinesische Maskenmalerei und Kalligraphie. "Ich persönlich fand die Maskenmalerei am interessantesten", macht Jasmin Schmitt deutlich. Für diesen Workshop war sogar ein professioneller Maskenmaler der chinesischen Staatsoper, der viel über Masken berichtete, zu Gast. "Er erläuterte uns, welche Bedeutung Formen, Farben oder Symbole in einer Maske haben, und nach welchen Regeln geschminkt wird."

Programmpunkte beim Event "Hopping und dancing China" war das in China sehr beliebte Federfußball, der Fächertanz oder der sogenannte Bambustanz aus Südchina. "Dafür brauchte man neben Tänzern, die rhythmisch durch die Bambusstangen auf dem Boden hüpfen mussten, auch Leute am Rande des Bambusstangengitters, die den ‚Miniparcours' zusammen zum Leben erweckten", erklärt Jasmin. "Somit waren alle eingebunden, jede einzelne Person war wichtig, und jeder musste auf jeden eingehen um einen lebensfähigen Parcours zu haben." Durch dieses gemeinsame Erlebnis habe sich das Gemeinschaftsgefühl auch zwischen den Nationen wesentlich vergrößert. "Die anfänglichen Berührungsängste waren bald vorbei, denn wir alle merkten, dass wir egal woher wir kommen, egal welche Sprache wir sprechen, und egal wie wir Aussehen oder welche Religion wir haben, Freunde sind - verbunden durch die chinesische Sprache und Tradition."

Beim Sommercamp konnten die Teilnehmer beziehungsweise jedes Konfuzius-Institut zu guter Letzt ihre Kultur vorstellen. Die Malaysier zeigten das traditionelle Spiel "Congkak", die Tschechen präsentierten ein Volksmärchen namens "Die große Rübe", die Hawaiianerinnen glänzten mit einem Hula-Tanz. "Wir präsentierten neben einem Franken-Quiz, pantomimischen Vergleichen zwischen Chinesen und Deutschen auch das allseits bekannte und eingängige Fliegerlied, bei dem bald alle mittanzten."

Ungewöhnlich auf der einen, aber spannend auf der anderen Seite, waren für Jasmin die meisten der Speisen und Getränke während ihres Aufenthaltes. Doch für die 14-Jährige nur ein kurzes "Hindernis". "Ich habe mutig fast alles durchprobiert", lacht sie. Baozi (Hefeteigbällchen mit Fleischfüllung) ebenso wie Jiaozi (Teigbällchen gefüllt mit Fleisch und Gemüse), Zhajiangmian (eine typische Nudelspezialität in Peking), Laobing (Teigfladen, die mit Salatbeilage gegessen werden) oder die kalte Nudelspeise "Liangbanmian." "Da die Chinesen sehr gastfreundlich und verständnisvoll waren, haben sie extra für uns auch Pommes oder Pizza als Ausweichmöglichkeit gemacht."

Ausgezeichnete Peking-Ente


Ein Glanzlicht für die Ebelsbacherin war der Besuch im Restaurant "Quanjude", welches sich auf Peking-Ente spezialisiert hat. "Die noch ganze, aber schon fertig zubereitete Ente, wird dem Gast vorgeführt und vor seinen Augen in mundgerechte Stücke geschnitten, die anschließend in eine Art hauchdünnen Pfannkuchen mit spezieller Soße und Lauchzwiebeln gelegt, zusammengeklappt und gegessen wird."

"Das Sommercamp war so ziemlich das größte Erlebnis in meinem Leben, denn man hat nicht jeden Tag Kontakt mit Leuten aus zwölf Ländern", resümiert Jasmin und ergänzt: "Leider waren zehn Tage viel, viel zu kurz um jeden genauer kennenzulernen." Sie wird das Camp "in wunderbarer Erinnerung behalten, denn es war einfach unglaublich. Worte können nicht beschreiben, was ich gelernt habe." Sie ist einfach "nur überglücklich darüber, eine solche Erfahrung gesammelt haben zu dürfen."



Am Rande



Konfuzius-Institute sind - vergleichbar mit dem Goetheinstitut - weltweit, zur Vermittlung der chinesischen Sprache und Kultur im Ausland tätig. Sie bieten ein buntes Programm an, an dem jeder teilnehmen kann, der sich über Sprache, Kultur, und so weiter, in China informieren will.

Die Konfuzius-Institute waren die Organisatoren außerhalb Chinas, die Kontakt mit den jugendlichen Teilnehmern hielten. Organisator in China war die BSFU, die sich mit finanzieller Unterstützung des Bildungsministeriums der Volksrepublik China, sowohl um das Programm, die Betreuung (neben den Betreuern des Konfuzius-Instituts), als auch die Verpflegung und Unterbringung kümmerten.

Insgesamt wurden 153 Jugendliche im Alter zwischen elf und 21 sowie 16 Betreuer von 17 Konfuzius-Instituten aus zwölf Ländern eingeladen: Österreich, Belgien, Bulgarien, Tschechien, Deutschland, Italien, Malaysia, Polen, Russland, Spanien, Vereinigte Arabische Emirate, Hawaii.

Hauptsprache war Englisch. Dennoch war auch häufig die Verständigung in anderen Sprachen möglich. Nahezu jeder Teilnehmer konnte neben seiner eigenen Sprache und Englisch mindestens noch eine weitere Fremdsprache.