Hochwertige Kupferkabel haben zwei Schrotthändler aus dem Landkreis Haßberge im Jahr 2017 für insgesamt 82 536 Euro an einen Metall-Großhandel in einem Nachbarlandkreis verkauft. Weil dabei nach Ansicht der Staatsanwaltschaft nicht alles mit rechten Dingen vor sich ging, mussten die Händler sich am Amtsgericht Haßfurt wegen Hehlerei verantworten. Denn laut Anklage hatte das Duo die sogenannten "Millberry"-Kupferkabel weit unter Marktpreis von anderen Händlern angekauft. Laut einem ermittelnden Beamten der Polizei steht der Verdacht im Raum, dass die hochpreisigen Kupferkabel gestohlen waren und deshalb so günstig angeboten wurden. Die beiden Händler entfernten nach dem Ankauf die Kunststoff-Ummantelung der Kabel und gaben sie dann bei dem Großhändler ab.

Nach Angaben des Polizeibeamten werden immer wieder Kabel von Baustellen, die für Diebe ein schwach gesichertes Ziel darstellen, gestohlen. Die Dunkelziffer liege hier sehr hoch. Die "Millberry"-Kabel würden normalerweise nicht in derart großen Mengen an Endkunden verkauft, sagte der Beamte.

Da die Händler die Kupferkabel nicht selbst bei dem Großhändler abgeben konnten oder wollten, habe das angeklagte Duo die Ware weit abseits von den Toren des Großhändlers auf den eigenen Lastwagen umgeladen und dann zum Großhändler gebracht, was den Ermittler ebenfalls stutzig werden ließ. "Die Kabel müssen geklaut worden sein. Alles andere ist sinnlos", lautete sein Fazit vor Gericht.

Ein Mitarbeiter des Großhändlers sagte aus, dass es sich bei den von den Angeklagten abgegebenen Mengen durchaus um übliche Mengen für Gewerbetreibende handelte. Nach der Herkunft des Materials werde nicht gefragt. Angekauft würde von jedermann, erklärte der Zeuge.

Die beiden Angeklagten machten vor Gericht keine Angaben. Über ihre Anwälte ließen sie verlauten, dass sie vermögenslos sind und bereits eine Vermögensauskunft (früher: Offenbarungseid) abgegeben haben. Da es keine schriftlichen Belege über die Herkunft der mutmaßlichen Hehlerware gibt, reichte es dem Gericht nicht für eine Verurteilung.

"Sie haben mit hoher Wahrscheinlichkeit Dreck am Stecken" sagte die Vorsitzende, Richterin Ilona Conver, zu den Angeklagten. Die Ware stamme wohl aus dubiosen Quellen, man wisse es aber nicht.

Als "alles andere als ein leichtes Delikt" bezeichnete der Staatsanwalt den Vorwurf der Hehlerei. "Ihnen war bewusst, dass die Ware sehr billig war. Der Prozess stand auf des Messers Schneide", meinte er, um anschließend aus Mangel an Beweisen auf Freispruch zu plädieren, was ein Staatsanwalt nur sehr selten tut.

Die Vorsitzende schloss sich ihm in ihrem Urteil an. Zur Verurteilung fehlten noch zwei, drei Puzzleteile, meinte sie in der Urteilsverkündung. Die ominösen Billigschrott-Geschäfte hätten jedoch ein "Gschmäckle".