Ebern

Schon vor dem Sport: Ebern setzt auf Fairness

Die Stadt Ebern will mit einer Fußballaktion für Vereine und Schulen zur Nachhaltigkeit im Sport animieren.
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"Faire Bälle" übergab Bürgermeister Jürgen Hennemann (links) am Mittwoch an die Verantwortlichen von TV Ebern, SV Heubach, ASC Eyrichshof, Sportfreunde Unterpreppach, SV Bischwind und 1. FC Frickendorf. Mit im Bild der Vorsitzende des Eine-Welt-Vereins Ebern, Peter Ruppert (Zweiter von links), und der Umweltreferent des Eberner Stadtrats, Klaus Schineller (Zweiter von rechts).  Foto: Eckehard Kiesewetter
"Faire Bälle" übergab Bürgermeister Jürgen Hennemann (links) am Mittwoch an die Verantwortlichen von TV Ebern, SV Heubach, ASC Eyrichshof, Sportfreunde Unterpreppach, SV Bischwind und 1. FC Frickendorf. Mit im Bild der Vorsitzende des Eine-Welt-Vereins Ebern, Peter Ruppert (Zweiter von links), und der Umweltreferent des Eberner Stadtrats, Klaus Schineller (Zweiter von rechts). Foto: Eckehard Kiesewetter
Wenn heute die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland angepfiffen wird, zählen Tore, Siege und Punkte. Es geht um Begeisterung, Emotionen und einen heiß begehrten Pokal. Vor allem auch um hochklassigen und fairen Sport - nicht zuletzt um eine Menge Geld. Doch geht es auch um Gerechtigkeit? Damit ist nicht jene Gerechtigkeit gemeint, für die ein vierter Schiedsrichter oder die Torkamera sorgen könnten, sondern die Chancengleichheit, das faire Miteinander. Damit tut sich der internationale Fußballsport bisweilen schwer. Skandale um den Weltverband Fifa, um die Vergabe von Weltmeisterschaften an bestimmte Austragungsorte beweisen das.


Fairness vor Ort

Doch es geht auch anderes: Ein Zeichen dafür, dass Gerechtigkeit auch für die "schönste Nebensache der Welt" gelten kann, setzen die regionalen Fairtrade-Akteure zum WM-Start mit der Aktion "Unterfranken spielt fair". Mit dabei ist die Stadt Ebern, die sich anschickt, als "Fairtrade-Stadt" anerkannt zu werden. Mit ihrer Beteiligung will die Kommune die Öffentlichkeit für "Nachhaltigkeit im Sport" sensibilisieren und zum Nachahmen anregen.

Die Initiative wurde beim Vernetzungstreffen aller Fairtrade-Städte, -Gemeinden und -Landkreise Unterfrankens ins Leben gerufen, berichtet Johanna Eckert, die das Fairtrade-Projekt bei der Verwaltung in Ebern betreut: "Unterfranken spielt fair soll als Grundlage dafür dienen, noch mehr Menschen für die Eine-Welt-Themen zu gewinnen und miteinander ins Gespräch zu bringen."


Aus fairem Handel

Wie das gehen kann, zeigte Bürgermeister Jürgen Hennemann am Mittwochnachmittag auf dem Kleinspielfeld an der Coburger Straße in Ebern. Er übergab Bälle aus fairem Handel an die Vertreter von Fußballvereinen und -abteilungen aus dem Stadtgebiet. Auch den Schulen will die Stadt solche Bälle zukommen lassen. Sie stammen von der Ballfabrik Bad Boyz mit Sitz in Nürnberg, deren Produktionspartner in Pakistan sitzen. Die Geschäftspartner sind Fairtrade-zertifiziert, der Hersteller darf seinen Preis selbst festlegen und die Fairtrade-Prämien werden auf Mitarbeiter- und Firmenkonten aufgeteilt.


Faire Beschaffung

Die Vereinsvertreter erhielten "Leitfaden für nachhaltige Beschaffung". Beim Kauf von Bällen und Sportbekleidung gelte es, auf faire Produktionsbedingungen, faire Bezahlung und die Gewissheit zu achten, dass die Sportartikel ohne Kinderarbeit entstanden sind. Es gehe "um soziale und ökologische (Mindest-)Anforderung über die gesamte Lieferkette eines Produktes auf der Basis ökonomischer Nachhaltigkeit." Weiter gedacht gelte der gleiche Ansatz "auch für Lebensmittel, Textilien, Werbemittel und was sich sonst noch so auf einem Sportplatz finden lässt", erklärte Jürgen Hennemann weiter.

Er ruft die Sportvereine auf, die Bälle mit der Aufschrift "Unterfranken spielt fair" zu testen und zu überlegen, ob nicht in Zukunft Artikel aus fairem Handel für den Verein bezogen werden können.
Wenn möglichst viele Einrichtungen und Vereine nachhaltig produzierte Artikel einsetzen und damit zum Vorbild für andere werden, könne "Fair Pay", also gerechte Bezahlung, für Tausende von Menschen Wirklichkeit werden. Dann steige der Druck auf Unternehmen, verstärkt entsprechende Waren anzubieten.


Gegen die Ausbeutung

"Sport soll allen Spaß machen - nicht nur den Konsumenten", sagt Bürgermeister Jürgen Hennemann im Hinblick auf die Aktion "Unterfranken spielt fair". Der Fußballsport kann so schön sein, erst recht, wenn die Fouls nicht schon neben dem Sportplatz passieren. Die Aktion ist also ein Appell, der Ausbeutung die rote Karte zu zeigen.
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