Eltmann
Denkmal

Schloss Ebelsbach: Nicht einmal Geld für das Insolvenzverfahren

Die Schloss Ebelsbach Verwaltungs-GmbH ist pleite. Nicht einmal für ein Insolvenzverfahren ist Geld da. Während die Gläubiger wohl leer ausgehen, sieht sich das Landratsamt zu Notmaßnahmen gezwungen, um den Verfall der Anlage aufzuhalten. Der Besitzer der Ruine hilft derweil auf Mallorca Menschen, die an Burn-Out leiden.
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Am Tag danach: Ein Bild des Jammers blieb vom Juwel. Foto: Rinklef
Am Tag danach: Ein Bild des Jammers blieb vom Juwel. Foto: Rinklef
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Gleich zweimal abgebrannt: Dieses Kunststück muss man erst einmal bewerkstelligen. Im Fall Ebelsbach ist es geglückt: Erst brannte das ehemalige Rotenhan-Schloss bis auf die Grundmauern nieder, jetzt ist auch die Eigentümerin abgebrannt. Die Schloss Ebelsbach Verwaltungs GmbH hat Insolvenzantrag gestellt.

Insolvenz heißt nicht gleich Pleite, im Gegenteil: Ein Insolvenzverfahren stellt eine Möglichkeit dar, ein Unternehmen, das in finanzielle Schieflage geraten ist, doch noch zu retten. Das geschieht über einen Vergleich: Die Gläubiger verzichten in der Regel auf einen Teil des Geldes, dass das Unternehmen ihnen schuldet, das Unternehmen bekommt dadurch wieder finanziellen Spielraum.

Nichts zu holen

Wie ein solches Verfahren abläuft, ist gesetzlich klar geregelt. Wo gar nichts mehr zu holen ist, geht auch eine Insolvenz ins Leere. "Mangels Masse", so der Fachbegriff, wird der Insolvenzantrag vom zuständigen Gericht dann abgelehnt. Das ist im Falle der Schloss Ebelsbach Verwaltungs-GmbH geschehen. Da das Unternehmen seinen Sitz in Köln hat, musste das dortige Amtsgericht über den Insolvenzantrag entscheiden, den das Unternehmen selbst gestellt hatte, wie der Pressesprecher der Justizbehörde, Marcus Strunk, unserer Zeitung bestätigt.

"Die Prüfung hat ergeben, dass das Unternehmen nicht über ausreichende Mittel verfügt, um auch nur die Verfahrenskosten zu decken", sagt der Kölner Richter vor wenigen Tagen entscheiden, dass das Insolvenzverfahren nicht eröffnet wird. Die GmbH ist pleite, die Gläubiger, unter anderem einige Handwerksbetriebe, so die Informationen unserer Zeitung, bleiben auf ihren Schulden sitzen.

Was passiert mit dem Schloss?

Was können sie tun? "Da es nicht zu einem Insolvenzverfahren kommt, steht den Gläubigern nur die Beitreibung der Schulden auf gerichtlichem Weg offen", sagt Strunz. Das heißt: Wer Forderungen an die Gesellschaft hat, kann bei Gericht einen Mahn- und in letzter Konsequenz einen Vollstreckungsbescheid erwirken. In diesem Fall würde der Gerichtsvollzieher in Marsch gesetzt, um zu sehen, was bei der GmbH noch an Sachwerten zu holen und zu Geld zu machen ist.

Er würde sich schwer tun, in Ebelsbach noch etwas zu finden, auf das er den berühmten "Kuckuck", das Pfandsiegel, pappen kann. Denn das einzige Vermögen der GmbH ist das Schloss, und das ist seit dem Großbrand im September 2009 eine Ruine, praktisch wertlos, überdies ein Denkmal, und damit nur schwer zu verwerten, ungeachtet des Bodenwertes. Es ist abzusehen, dass die Gläubiger lieber auf ihr Geld verzichten als sich via Zwangsversteigerung womöglich das Schloss als Klotz ans Bein zu binden.

Die Frage ist, und sie wird seit 2009 immer wieder gestellt: Was passiert jetzt mit dem Schloss? Die Antwort überrascht nicht: wohl nichts. Die Pleite der GmbH ändert nichts daran, dass der traurige Rest des einstigen Rotenhan-Familiensitzes in privater Hand ist. Nach dem Insolvenzrecht wird es allerdings kompliziert: Mit der Abweisung des Insolvenzantrages ist in der Regel die Auflösung der Firma verbunden.

Wirtschaftlicher Scherbenhaufen

Die Akte "Schloss" wandert in Köln überdies zur Staatsanwaltschaft , die in solchen Fällen stets prüft, ob eine Straftat vorliegt - ob etwa der Insolvenzantrag zu spät gestellt, Bilanzen verfälscht oder Sachwerte auf Seite geschafft wurden. Der Blick in die Bilanzen der Schloss Ebelsbacvh Verwaltungs GmbH, die im Bundesanzeiger veröffentlicht werden, offenbart einen wirtschaftlichen Scherbenhaufen: Einem "Vermögen" von 590 000 Euro stehen Verbindlichkeiten von 586 000 Euro gegenüber, ein ungedeckter Fehlbetrag von 61 000 Euro ist ausgewiesen und ein Kassenbestand von 0,00 Euro (zum 31. Dezember 2010, ein Jahr vorher waren es 59 Euro).

Der Geschäftsführer der GmbH, Dominique Andreas Arens, der 2000 Schlossherr in Ebelsbach wurde, beschönigt die Lage nicht: "Durch den Brand auf Schloss Ebelsbach wurde der GmbH die Geschäftsgrundlage entzogen und der Geschäftsbetrieb eingestellt.

Zugesagte Investitionen (z.B. für Minigolfplatz, Ausbau Bullenstall, Erweiterung der Gastronomie, Photovoltaik, etc.) blieben in der Konsequenz aus. Aktuell bedeutet dies für Schloss Ebelsbach, dass seitens der GmbH keinerlei Erhaltungs- oder Sicherungsmaßnahmen durchgeführt werden können.

Zu seinen weiteren Plänen in Ebelsbach will sich Arens nicht äußern, der nach einem Intermezzo in Köln jetzt wieder dort lebt, wo er 2000 hergekommen ist: auf Mallorca. Um das Schloss müssen sich jetzt notgedrungen das Landratsamt und die Gemeinde kümmern: Bauzäune wurden errichtet, um ein unbefugtes Betreten des Areals zu verhindern.

Aus- anstelle von abgebrannt

Das ist lebensgefährlich, weil teile der Anlage einsturzgefährdet sind. Laut Pressesprecherin Monika Göhr erwägt das Landratsamt weitere Notsicherungsmaßnahmen, um zu retten, was noch zu retten ist: Das Planendach auf der Ruine ist an vielen Stellen undicht, es regnet durch die Fensteröffnungen. "Das Amt hat der Eigentümerin eine Frist gesetzt, die Ende März ausläuft", sagt Göhr. Dann wird die Behörde tätig. Die Kosten werden der GmbH in Rechnung gestellt. Noch einer in der langen Reihe der Gläubiger, die vergeblich auf ihr Geld warten werden?

Und was macht Arens? Er hat in Palma de Mallorca eine neue Firma gegründet. Im Herzen der Inselhauptstadt betreibt er "Plus Ultra cc", eine Unternehmensberatung, die beim Knüpfen geschäftlicher Kontakte hilft. Auch in der Immobilienbranche ist "Plus ultra" tätig: "Wir realisieren ihre individuellen Wohnträume", steht auf der neuen Website des "abgebrannten" Schlossbesitzers. Wenn alles nicht mehr hilft, hilft Plus ultra auch: Das Unternehmen bietet Seminare zur Prävention einer weit verbreiteten Krankheit an: Burn out.



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