Ebern
Stadtrats-Schlusssitzung

Schlagen bald Busse statt der Tennisspieler auf?

Verkehrsreferent Harald Pascher rückt die Plätze des TC Ebern als Drehscheibe für den Nahverkehr in den Fokus.
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Alle Jahre wieder? Mitnichten. Es ist eher eine Seltenheit, was die Nachdrücklichkeit unterstreicht: Zweiter Bürgermeister Harald Pascher (FDP) stellte zwei Anträge, mit denen sich die Stadtverwaltung nun ernsthaft beschäftigen muss. So will er für die Gymnasiumstraße eine Tempo-30-Beschränkung zwischen 7 und 17 Uhr durchsetzen, um den Schulweg sicherer zu machen. Des Weiteren soll auf dem Vereinsgelände des TC Ebern ein zentraler Busbahnhof angelegt werden.

Als Plattform für seine Anträge nutzte der Verkehrsreferent die Jahresabschluss-Sitzung des Stadtrates am Donnerstagabend, bei der sämtliche Referenten über ihre Fachbereiche dozierten.

Während die meisten von Paschers Kollegen Bilanz zogen und zurückschauten, offenbarte der FDP-Mann aus seinem Blickwinkel Weitsicht und Visionen.
Aber auch Pascher wagte sich an Analysen. So bedauerte er, dass die Malaktion vor der Grundschule nicht den erhofften Bremseffekt gebracht habe.


Parküberwacher kostendeckend

Anders bei der Parküberwachung. "Die Dauerparker wurden aus dem Innenstadtbereich ausgelagert", stellte Pascher fest. Wobei er zugab, dass es immer noch Brennpunkte gebe: gegenüber der Apotheke und vor der Raiffeisenbank.

Von Januar bis September seien 1070 Verwarnungsgelder verhängt worden mit Einnahmen von 13 600 Euro. Die Ausgaben für diesen Zeitraum lagen laut Pascher bei 6873 Euro.
Zu seiner Idee eines Busbahnhofs erklärte der Fahrlehrer, dass sich so die "äußerst unbefriedigende Verkehrssituation in der Gleusdorfer-, Lützeleberner- und Georg-Nadler-Straße lösen ließe.

Ein Busbahnhof auf den Tennisplätzen brächte nach Paschers Überzeugung mehrere Vorteile: Mehr Kapazitäten auf dem Mittelschul-Parkplatz für Lehrer und Schüler. "Die Busse könnten von dort aus in alle Richtungen fahren und allen Nutzern wäre damit klar, wo in Ebern die Busse abfahren, weil aktuell noch immer Leute zwischen den drei vorhandenen Stellen umherirren", meinte Pascher.
Die Brandeinsätze in Fischbach rief Feuerwehrreferent Dieter Gerstenkorn (CSU) in Erinnerung. "Nur zwei von 51 Hilfeleistungen, welche unsere freiwilligen Helfer in über 3000 Einsatzstunden beschäftigten."


Kistenhausen als Übungsdorf

Auch Gerstenkorn machte einen konstruktiven Vorschlag: Kistenhausen im einstigen Bundeswehrgelände sollte als Übungsörtlichkeit ausgebaut werden.

Große Erwartungen steckt Umweltreferent Thomas Limpert (FW) in die Baunach-Allianz, was bei einem gebürtigen Reckendorfer wenig verwundert. Er erhofft sich von der interkommunalen Zusammenarbeit positive Impulse und Fördergelder. So bei Umweltprojekten, wie "Ebern summt", der Seniorenbetreuung oder der Schaffung eines Regionalladens, eine Idee, die er und sein Stellvertreter Klaus Schineller (EAL) seit Jahren vortragen.

Eine weitere Anregung steuerte er auch bei: In Anlehnung an den Genusspfad, der bei Kirchlauter entsteht, solle ein Obst- und Bienenlehrpfad konzipiert werden, ergänzt durch den Wildkatzenpfad, der aktuell vom Naturpark Haßberge angelegt wird.

Die Zahl an Übernachtungen bleibt auf hohem Niveau. Tourismus-Referent Bernd Ebert kam in seinem Bericht auf bislang 19 817 Übernachtungen (bis September). Im gesamten Jahr 2016 waren es 21 648.

Konstant bleibe auch die Nutzung des Wohnmobilstellplatzes mit rund 7000 Übernachtungen, wobei die Besucher im Schnitt 2,5 Tage bleiben. Eine Ergänzung des touristischen Angebots sieht Ebert im Wanderwege-Projekt auf dem einstigen Standortübungsplatz unter dem Namen "Unterwegs mit Rosi".


1600 Gäste in Tourist-Info

Die Tourist-Info wurde bisher von fast 1600 Gästen genutzt, wobei die Spitzen naturgemäß im Juli und August lagen. 48 Stadtführungen fanden mit fast 900 Teilnehmern statt.

Bei den Veranstaltungen hob Ebert das Bier-Festival, die Klassik-Musik-Tage sowie die Ausstellung "Photos mit viel Phon" in der Galerie ("Das war vier Wochen lang eine tolle Bereicherung für Ebern, die fast 1000 Besucher verzeichnete") heraus.

Der Weihnachtsmarkt stelle kein Highlight mehr dar, sei aber so gewünscht. Ebert: "Eine Gesamtverantwortung fehlt."

Für 2018 kündigte der Eichelberger als Großveranstaltung das Alt-Opel-Treffen über Himmelfahrt, eine Museumsnacht im September, eine Tourismusbörse der Metropolregion Nürnberg zum Altstadtfest sowie die Neuauflage der Klassik-Musik-Tage im September an.

200 Regel- und 44 Krippenplätze reichen für den Nachwuchs in der Stadt nicht aus. "16 Kinder besuchen Einrichtungen außerhalb, die Wartelisten werden immer länger und reichen schon bis ins Jahr 2019/2020", sagte Kindergarten-Referentin Marion Müller (CSU) bei der Jahresschluss-Sitzung. Das ließ die Alarmglocken schrillen.

Mit der Notlösung in der einstigen Berufsschule trete zwar übergangsweise eine Erleichterung ein, wie sie sagte; sie wied aber auch auf die wieder steigende Zahl an Geburten hin. "Heuer waren es schon 70."

Erfolge der Jugendarbeit in der Stadt vermeldete Philipp Arnold (FW) als Ansprechpartner für die junge Generation: Geringe Jugendkriminalität, wenig Vandalismus, seltene Ausschreitungen.

Dennoch gebe es Gefahrenpotenzial durch schwierige Familienverhältnisse und Vernachlässigung. "Deshalb ist es wichtig, dass es auch Ansprechpartner außerhalb des Elternhauses gibt. Das ist bei uns zum Glück der Fall." Auch die Asylarbeit sei - vor allem im Bereich der Jugendarbeit - ein Erfolgsmodell.

Für den Jugendtreff wünschte er sich mehr Kontinuität - beim Personal wie auch den Öffnungszeiten. Auch am Skater- platz herrsche Handlungsbedarf. "Im jetzigen Zustand macht der Platz keinen Sinn, und die Fläche könnte besser genutzt werden."

Wegen einer Umfrage unter Jugendlichen warnte Arnold vor einer Doppelaktion durch Junge Union und Baunach-Allianz. "Zwei Befragungen machen keinen Sinn, auf der Ebene der Baunach-Allianz ist es besser."

Von der Jugend zu den Senioren. Isabell Zimmer (JL) präsentierte interessante Zahlen: Bei 7852 Einwohnern sind 1580 über 66 Jahre alt.
















63 Bewohner leben im Senioren-Zentrum St. Elisabeth, 62 im sozialpsychiatrischen Zentrum des Diakonischen Werkes. In den beiden Häusern der Rummelsberger Diakonie werden 19 Menschen betreut. Die Tagespflege "Sonnenschein" weist 15 Plätze auf. "Die Warteliste zeigt, dass ein größerer Bedarf besteht."
85 Schüler verzeichnet das Diagnose- und Förderzentrum, acht die Lebenshilfe-Schule und -Tagesstätte. Dank zollte Isabell Zimmer dabei allen, die sich für den Erhalt der Lebenshilfe bisher eingesetzt haben, auch wenn es für sie selbst "nur eine Frage der Zeit ist, dass auch die momentane Betreuungsform nicht erhalten bleibt". Zimmer: "Ich finde es schade, dass die Buntheit in der Eberner Schullandschaft durch den Wegzug verloren geht, Ebern verliert eine wichtige Einrichtung."
Weiter verwies Zimmer auf das kostenlose Angebot, jeweils dienstags den Bürgerbus zu nutzen und auf bessere Schriftgrößen im Amtsblatt.
Kritische Töne klangen im Bericht von Waldreferent Werner Riegel (SPD) an. Er zeigte Unverständnis über Beschwerden beim Einsatz von schweren Maschinen im Wald. "Solche Leute haben selbst noch nie Holz gemacht." Auch das "Gejammere", wonach der Stadtwald nur 100 000 Euro an Gewinn abwerfe, mochte Riegel nicht mehr hören.
Den Jägern dankte er für die Erfüllung des Abschussplanes. "Allerdings nehmen die Sauen überhand, aber einige scheuen sich immer noch, an revierübergreifenden Jagden teilzunehmen." Kritisch setzte sich Riegel mit der Zunahme des Bibers auseinander und warnte auch schon vor dem Wolf.
Die Frauengrundhalle hält Vereinsbeauftragter Rainer Kaffer (JL) als Stätte für die bunten Abende für geeignet. "Lediglich die Bühne war nicht hoch genug, aber die Stadt hat schon für Abhilfe gesorgt." Das erhofft er sich auch bei der Licht- und Tontechnik. "Bei den Haushaltsberatungen sollte über eine geeignetere Ausstattung nachgedacht werden."
Mehr Beteiligung hätte sich Kaffer beim Tag der Vereine gewünscht. Dass die Vereine viel auf die Beine stellen, lasse sich am Jahresprogramm ablesen.


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