Haßfurt
Verhandlung

Scheingeschäft entlarvt ein Drogenduo bei Haßfurt

Das Landgericht Bamberg verurteilte einen Dealer und seinen Helfer aus dem Landkreis Haßberge zu Freiheitsstrafen
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So sieht die Droge Amphetamin aus, um die es bei dem Scheingeschäft nahe der Wässernachhalle in Wülflingen ging. Symbolfoto: Arno Burgi/dpa
So sieht die Droge Amphetamin aus, um die es bei dem Scheingeschäft nahe der Wässernachhalle in Wülflingen ging. Symbolfoto: Arno Burgi/dpa

Einen 24-jährigen Rauschgiftdealer und seinen 20-jähriger Handlanger, beide aus dem Maintal im Kreis Haßberge, konnten Beamte der Kriminalpolizei Schweinfurt mithilfe eines verdeckten Ermittlers am 27. November vergangenen Jahres bei einem fingierten Rauschgiftgeschäft in der Nähe der Wässernachhalle in Wülflingen (Stadt Haßfurt) festnehmen. Die Beamten hatten zuvor einem Ex-Kunden des Rauschgifthändlers, gegen den bereits ein Verfahren läuft, mildernde Umstände versprochen, wenn er bei dem Rauschgift-Deal den Lockvogel spielt. Daraufhin kontaktierte der Ex-Kunde den 24-Jährigen und sagte ihm, dass ein Bekannter eine größere Menge an Rauschgift kaufen wolle. Dass der Bekannte ein sogenannter "NÖP" ist - ein nichtöffentlich ermittelnder Polizeibeamter -, sagte er freilich nicht.

Der 24-Jährige ließ sich auf das Geschäft ein. Am 27. November 2018 um 23.30 Uhr vereinbarte man ein Treffen auf dem Parkplatz in der Nähe der Wässernachhalle. Dorthin sollte der Dealer 1300 Gramm Amphetamin ("Speed") bringen zum Kaufpreis von 6500 Euro. Der Dealer erschien zum vereinbarten Zeitpunkt, allerdings ohne das Rauschgift. Das hatte er in einem rund 60 Meter entfernten Gebüsch versteckt und seinen 20-jährigen Komplizen angewiesen, darauf aufzupassen.

Nachdem ihm der "NÖP" das Bargeld in einem Auto, das auf dem Parkplatz stand, gezeigt hatte, holte der 24-Jährige den Stoff, um ihn im Auto zu übergeben. In diesem Moment schnappte die Falle zu. Bereitstehende Beamte des Unterstützungskommandos der Polizei aus Nürnberg nahmen den verdutzten Dealer sowie seinen Handlanger fest. Bei einer anschließenden Wohnungsdurchsuchung fanden die Beamten weitere 536 Gramm Amphetamin, 270 Gramm Marihuana sowie 291 Ecstasy-Tabletten. Wenige Tage zuvor hatte der 24-Jährige seinem Ex-Kunden, der ihn nun verraten hatte, 150 Gramm Marihuana verkauft.

Am Donnerstag verurteilte die Erste Jugendkammer des Landgerichts Bamberg das Duo zu Freiheitsstrafen. Den 24-Jährigen schickte die Kammer für drei Jahre und sechs Monate hinter Gitter und ordnete gleichzeitig die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. Der 20-jährige Komplize erhielt nach Jugendrecht eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten, die das Gericht für zwei Jahre zur Bewährung aussetzte. Als Auflage muss er 200 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und die Finger von Drogen lassen.

Auf der Anklagebank räumten die Angeklagten die Vorwürfe weitgehend ein. Bei einer Wirkstoffanalyse des Rauschgifts stellte sich heraus, dass die Qualität sehr schlecht war. "Da sind Sie beim Kauf richtig übers Ohr gehauen worden", stellte der Vorsitzende Richter Markus Reznik fest. Das Rauschgift habe er bei einem marokkanischen oder afghanischen Händler in Frankfurt gekauft, gab der 24-Jährige an.

Sowohl er als auch sein Komplize sind vor Gericht keine Unbekannten. Zwölf Vorstrafen stehen im Sündenregister des 24-Jährigen, neben Drogendelikten auch Diebstähle und zwei Einbrüche. Auf sechs Vorstrafen - meist Drogendelikte - bringt es der 20-jährige Angeklagte.

Klaus Leipziger, Gutachter aus Bayreuth, bescheinigte dem 24-Jährigen, der nach eigenen Angaben von seinem Vater geschlagen wurde und seit seinem 16. Lebensjahr Drogen nimmt, eine Abhängigkeit von Cannabis und Stimulantien, weshalb er eine Therapie benötige. Der 20-Jährige kam nach Angaben von Jugendgerichtshelfer Franz Heinrich nach einem Sportunfall in die falschen Kreise. Seit seinem 14. Lebensjahr halte er sich in einer "Kifferszene" auf. "Speed" konsumiere er "just for fun".

Der Staatsanwalt beantragte für den 24-jährigen Dealer eine vierjährige Haftstrafe und die Einweisung in eine Entziehungsanstalt. Den 20-Jährigen forderte er wegen Beihilfe zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten zu verurteilen plus einem vierwöchigen "Warnschussarrest".

Die Anwältin des 24-jährigen Haupttäters führte an, dass es sich um ein sogenanntes "überwachtes Geschäft" gehandelt habe, was sich strafmildernd für ihren Mandanten auswirken müsse. Sie hielt eine Haftstrafe von zweieinhalb Jahren für ausreichend sowie eine Unterbringung. Der Verteidiger des 20-Jährigen zweifelte an, dass sein Mandant wegen des Besitzes der 1300 Gramm Rauschgift verurteilt werden könne, da er nur kurze Zeit darauf aufpasste und nur in das Tatgeschehen "reingerutscht" sei. Ein Jahr auf Bewährung sei daher ausreichend.

Richter Markus Reznik sagte, dass es sich um keine Bagatelle handle. Das Messer, das der 20-Jährige bei der Tat mitführte, wertete das Gericht nicht als Tatwaffe. Dass sich der 20-Jährige wegen der von dem Haupttäter versprochenen zehn Gramm "Speed" als Belohnung in die Tat hineinziehen ließ, müsse geahndet werden. Die Urteile sind bereits rechtskräftig.

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