Zeil am Main
Dramolett

Schauspiel über Hexenverfolgung in Zeil: "Unschuldig werde ich sterben"

In der Zeiler Anna-Kapelle wurde am vergangenen Wochenende das tragische Schicksal der Anna-Maria Junius auf die Bühne gebracht.
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Monika Schraut verkörperte die Rolle der Anna-Maria Junius vor der perfekten Kulisse der Anna-Kapelle in Zeil. Foto: Christiane Reuther
Monika Schraut verkörperte die Rolle der Anna-Maria Junius vor der perfekten Kulisse der Anna-Kapelle in Zeil. Foto: Christiane Reuther
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Tief beeindruckt und innerlich bewegt verließen die Zuschauer am Samstag und Sonntagabend die Anna-Kapelle in Zeil. Zur Aufführung kam das Dramolett "Bitte für uns Sünder", verfasst von der aus Bamberg stammenden Bestsellerautorin Tanja Kinkel, die auch am Samstagabend bei der Aufführung dabei war. Monika Schraut vermittelte als Darstellerin der Nonne Anna-Maria Junius das Schauspiel auf beeindruckende Weise vor geradezu perfekter Kulisse der Anna-Kapelle.

Während eines Kurzvortrages stimmte Christa Dölker im Vorfeld die Gäste im Dokumentationszentrum "Zeiler Hexenturm" auf das Schauspiel ein. Dölker erklärte, dass der Brief von Johannes Junius mit dem Wortlaut "Unschuldig wurde ich verhaftet, unschuldig wurde ich gefoltert und unschuldig werde ich sterben" dem Zeiler Hexendokumentationszentrum die Grundstruktur gab. Dann wanderte die Gruppe in die nur wenige Schritte entfernte Anna-Kapelle, wo das Dramolett zur Aufführung kam.

Verlorener Brief

Anna-Maria Junius, die ausdrucksstark von Monika Schraut verkörpert wurde, war eine Nonne, die im 17. Jahrhundert lebte. Ihr Vater, Johannes Junius, war ein Bamberger Bürgermeister und Ratsherr, der Opfer der Hexenverfolgung in Bamberg wurde und auf dem Scheiterhaufen verbrannte. Als Hexer angeklagt, landete er im Gefängnis, wo er einen Brief verfasste. Der Brief, in dem Junius verzweifelt seine Unschuld beteuerte und der für seine Tochter Veronika bestimmt war, kam nie bei ihr an. Er wurde erst Jahrhunderte später in den Prozessakten wiedergefunden als eines der aufschlussreichsten und erschütterndsten Zeugnisse aus früher Neuzeit.

Die beiden Alt-Saxofonisten Martina Angebrand und Heinz Martin wählten passend zu dem Dramolett Musikstücke von Friedrich Spee. Der deutsche Jesuitenpater wurde berühmt als Kritiker der Hexenprozesse, aber auch als Kirchenlieddichter. Das Saxofonspiel ermöglichte ein Innehalten und Nachklingen der Dramatik des erschütternden Schauspiels.

Es ließ das Ringen der Anna-Maria Junius um die Wahrheit und die Zerrissenheit zwischen dem Vertrauen in das rechtmäßige Handeln des Bischofs und der Liebe zu ihrem angeklagten Vater spürbar werden. Bei einer abschließenden Gesprächsrunde im Zeiler Rathaus durften die Gäste ihren Redebedarf stillen und sich mit Fragen an die Schriftstellerin Tanja Kinkel aber auch an Monika Schraut wenden.

Autorin war beeindruckt

Kinkel, die sich wie die zahlreichen Zuschauer beeindruckt zeigte, sowohl vom darstellenden Schauspiel als auch von der passenden Kulisse in der Anna-Kapelle, stellte sich für das Dramolett die Situation vor, als Anna-Maria den Brief auffindet und ihre innere Zerrissenheit aufzeigt.

Ursprünglich wurde das Mini-Drama, das sogenannte Dramolett, für die Tausend-Jahr-Feier in Bamberg vor einigen Jahren von Kinkel verfasst. Monika Schraut sei damals selbst tief bewegt gewesen, als sie das Stück in Bamberg gesehen habe, wie sie berichtete.

Sie nahm Kontakt mit der Schriftstellerin auf und erhielt die Rechte an dem Stück, das vor drei Jahren erstmals in Zeil zur Aufführung kam. Passend zur Tausend-Jahr-Feier, die die Stadt Zeil in diesem Jahr begeht, fügte sich das Dramolett als ideale Ergänzung zur Geschichte der Stadt zum Thema Hexenverfolgung ein.

Nach den Proben und Aufführungen sei es für Monika Schraut nicht immer leicht, wieder heraus zukommen, wie sie berichtete. Tanja Kinkel gewährte während der Gesprächsrunde interessante und spannende Details über ihre Arbeit.

Unter anderem zu ihrem Buch "Die Puppenspieler", das auch verfilmt wurde und mit dem die Autorin, die sich selbst als historisch versiert bezeichnet, ihren Durchbruch als Schriftstellerin hatte.

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