Ebern
Gottesdiensttest

Sankt Laurentius in Ebern: Ein Rädchen greift perfekt ins andere

In Ebern ist die Stadtpfarrkirche St. Laurentius ein Zuhause für eine lebendige Gemeinde. Im Gottesdienst mit Pater Alfons Blüml werden auch Fehler mit einem Schmunzeln verziehen.
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Das imposante Innere der Kirche Sankt Laurentius in Ebern Foto: Eckehard Kiesewetter
Das imposante Innere der Kirche Sankt Laurentius in Ebern Foto: Eckehard Kiesewetter

Das Urteil unseres Testers:

Ein sehr geordneter Gottesdienst, der in einem den Eindruck einer perfekt funktionierenden Maschine hinterlässt. Sympathisch ist, wie der Geistliche deutlich freundlich mit den Gottesdiensthelferinnen und den Ministranten umgeht. Zum Vaterunser dürfen Buben aus dem Kirchenraum in den Altarraum kommen und werden sinnbildlich an die Hand genommen. Ein kleiner Fehler beim Ministrieren entlockt dem Pater ein Schmunzeln. Und nach dem Gottesdienst bleiben einige Eberner auch noch in ihrem Gotteshaus, um sich eine Weile zu unterhalten. Es ist das Haus einer lebendigen Gemeinde. Einzig: Ein wenig glatt ging man mit dem Missbrauchsthema um. Da ging kein Satz wirklich in die Tiefe, leuchtete kein echt und tief empfundenes Mitgefühl auf. Wie könnte denn so etwas auch in dieser schönen heilen Welt passieren?

Die Bewertungen im Einzelnen:

1. Einstieg

Das freut den Geistlichen bei seiner Begrüßung der Gläubigen: Sicher über 100 junge und alte Menschen finden sich am Sonntagvormittag bei Regen in dem Gotteshaus ein, obwohl am Abend eine moderne "Sinnzeit" stattfindet. Der Pater hat sieben MinistrantInnen an seiner Seite und vier Gottesdiensthelferinnen - alle bewaffnet mit Script und Büchern.

2. Musik

Der Organist trug erheblich zu dem insgesamt sehr angenehmen Gottesdiensterlebnis bei. Er spielte die Orgel temperiert: lauter, wenn nötig, ruhig und verhalten in den Momenten, in denen Zurückhaltung angemessen war. Die Gemeinde sang von Anfang an lebhaft und engagiert mit. Wunderbar: Am Ende nahm sich der Organist für einige dramatische Impressionen Zeit - da bleibt man gerne sitzen, um Kirche und Gottesdienst nachwirken zu lassen.

3. Lesungen

Langsam und sauber, hervorragend verständlich gelesen ist der Brief des Apostels Paulus zum Glauben an Gott durch eine der Frauen: "Mit dem Herzen glaubt man, mit dem Mund bekennt man". Auch die Lesung durch den Priester ist dank einer hervorragenden Lautsprecheranlage bestens zu verstehen: Der Teufel versucht Jesu in der Wüste.

4. Predigt

Mit einer kurzen Predigt begleitete der Geistliche das Hirtenwort des Bischofs - an diesem Sonntag zu einem sehr ernsten Thema, nämlich dem sexuellen Missbrauch in der Kirche. Die eindringlichen Worte des Bischofs fanden bei der Predigt (und später auch bei den Fürbitten) leider aber nur einen durchschnittlichen Widerhall. Die Aussagen blieben blass. Bedauern über diese Vorfälle? Nicht wirklich zu spüren. Die Frage der Entscheidung zu einem Ja oder einem Nein trifft dieses Thema nicht im Kern.

5. Kommunion/Abendmahl

Die Kommunion verläuft fließend, nach einer ohne Hast erfolgten Zeremonie betreuen drei Gottesdiensthelferinnen und der Priester die Gläubigen bei der Wandelkommunion. Derweil spielt die Orgel dezent im Hintergrund. Es ist ein ausgezeichnetes, unaufdringliches Spiel, das die Besinnung fördert. Es ist genug Zeit für meditative Gedanken.

6. Segen

Mit einem feierlichen und freundlichen Segen wurden die Gläubigen nach einem nicht allzulangen Gottesdienst in den Tag entlassen. Sehr schön und angemessen nahmen sich der Geistliche und die Ministranten - wie schon beim Intro - die Zeit, wieder durch das Gotteshaus über den Hauptgang und dann zurück zur Sakristei zu schreiten.

7. Ambiente

Die große von außen so dunkle Laurentiuskirche überrascht mit einem überaus aufgeräumten Inneren. Die Sanierung vor zwölf Jahren hat wohltuend klare Linien, helle Wände und ein Interieur geschaffen, bei dem jeder Heilige, jedes Bild am richtigen Platz zu stehen scheint. Das Raumklima ist dank einer neuen Heizung sehr angenehm. Die Kirche wölbt sich groß über die Menschen und wirkt dabei gleichzeitig noch überschaubar.

8. Kirchenbänke

Relativ moderne Kirchenbänke nehmen die Gläubigen bei den Gottesdiensten auf, gepolstert nicht nur die Sitze, sondern auch die Kniebänke. Und zwar so, dass man tatsächlich ohne große Schmerzen knien kann.

9. Beleuchtung

Die Kirche ist sehr gut ausgeleuchtet. Hier kann man die Heiligenbilder schön studieren, das Licht ist angenehm für die Augen. Die Kerzenbeleuchtung ufert nicht aus.

10. Sinne

Der Sonntagmorgen in der Laurentiuskirche schont die Sinne: Der Gottesdienstbesucher taucht in eine angenehme ruhige Umgebung ein, in der nichts stört. Dazu trägt sicherlich das dezente, aber umso perfektere Orgelspiel bei. In dieser geordneten Atmosphäre gibt man sich gerne den Friedensgruß. Auch die Kinder verhalten sich in dieser Kirche und bei diesem Gottesdienst angemessen.

Warum ein Gottesdiensttest?

Die Ergebnisse unserer Gottesdiensttests, das wissen wir, sind rein subjektiv. Warum dann dieser Test? Weil wir glauben, dass es eine Diskussionsbasis braucht, um Kirche und Bürger wieder näher zusammenzubringen. Und weil wir denken, dass Kirche und Glaube nicht weiter auseinanderdriften sollten. Wir freuen uns deshalb auf den Dialog mit Kirchenvertretern, Gläubigen und allen Menschen, die uns ihre Meinung zu diesem wichtigen Thema mitteilen wollen. Schreiben Sie uns: redaktion@infranken.de. Zum Abschluss der Testserie werden unsere beiden Experten Martin Stuflesser und Martin Nicol am 1. November Bilanz ziehen.

Alle Berichte unserer Serie finden Sie auf unserer Übersichtsseite zum Gottesdiensttest. Dort finden Sie auch ausführliche Infos.

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