Gräfenholz
Brückenbau

Risse in der Baunachbrücke bei Gräfenholz: 1800 "Packer" gegen Baumangel

An der neuen Baunachbrücke bei Gräfenholz muss nachgebessert werden. Dort hatten sich Risse im Beton gebildet.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Unterseite der Baunachbrücke bei Gräfenholz: Um die Risse in dem soeben erst fertiggestellten Bauwerk zu beseitigen, wurden sogenannte "Packer" eingebracht. Über diese Metallbolzen, die dann wieder beseitigt werden,   wird   Kunstharz in den Beton injiziert. Foto Eckehard Kiesewetter
Die Unterseite der Baunachbrücke bei Gräfenholz: Um die Risse in dem soeben erst fertiggestellten Bauwerk zu beseitigen, wurden sogenannte "Packer" eingebracht. Über diese Metallbolzen, die dann wieder beseitigt werden, wird Kunstharz in den Beton injiziert. Foto Eckehard Kiesewetter

Vor Monaten erst fertiggestellt und bis heute noch nicht offiziell eingeweiht, hat sich die Baunachbrücke bei Gräfenholz schon zum Sanierungsfall entwickelt. So zumindest sehen es Bürger aus dem Rentweinsdorfer Gemeindegebiet, die beobachtet haben, dass Arbeiter seit zwei Wochen damit beschäftigt sind, Risse an der Unterseite der Brücke zu beseitigen. Ausführungsmängel oder gar"Pfusch", wie es ein Arbeiter der ausführenden Firma selbst drastisch formuliert?

Er sagt das, weil das Brückenfertigteil nach dem Betonguss falsch gelagert worden sei. Es habe sich vermutlich beim Transport zur Baustelle im Rentweinsdorfer Gemeindeteil abgesenkt, meint er. So seien Risse entstanden, die nun auf Kosten der Baufirma mit Spezialharz gefüllt und verpresst wurden, damit die Eisenteile in der Brücke keinen Schaden nehmen. "Wir bessern nur aus, was andere vermurkst haben," sagt sein Kollege achselzuckend.

Zu schnell belastet

1800 sogenannte Packer haben die Arbeiter seit Monatsbeginn in die Brückenunterseite eingeschraubt. Sie werden benötigt, um das Harz zu injjzieren.

Ein Fertigbetonteil benötigt 28 Tage zum Aushärten, erklärt Martin Lang, Leiter des Bauamtes bei der Verwaltungsgemeinschaft Ebern, zu der Rentweinsdorf gehört. Im Fall der "verlorenen Schalung" für die Baunachbrücke - eine Art Gussform, die am Bauwerk verbleibt - habe die Firma diese Zeit nicht eingehalten, vermutlich wegen des Produktionsdrucks durch die gute Baukonjunktur.

Unter dem Gewicht der Betonschicht für die Straße habe sich die Schalung gesenkt und sei so rissig geworden. Eine leichte Biegung ist dauerhaft erkennbar.

Während sich Rentweinsdorfs amtierender Bürgermeister Kurt Weißheimer zu der Angelegenheit nicht äußern will, erklärt Martin Lang, dass die Standsicherheit und Gebrauchstüchtigkeit der Brücke nie in Frage gestanden habe. Minimale Risse in der Zugzone eines Stahlbetonteils seien "ganz normal" und kein Mangel. Allerdings fielen sie in diesem Fall "einen Tick größer" aus, als toleriert werden könne; erst recht bei einem neuen Bauwerk.

Bei der Bauabnahme sei das aufgefallen. Ab 0,2 Millimeter Breite muss so ein Riss behoben werden.Gewährleistungsanspruch! "Für die Tragfähigkeit spielt das keine Rolle", betont Lang, "das ist eher eine Frage der Optik". Der Bauamtsleiter: "Pfusch ist ganz was anderes."

Die neue Betonbrücke, samt 5,50 Meter breiter Fahrbahn und Fußweg an der Südseite, wurde Ende Juni für den Verkehr freigegeben. Sie hat eine zuletzt als einsturzgefährdet bewertete Brücke aus dem Jahr 1954 ersetzt.

1,4 Millionen Euro hat die 400 Meter lange Wegstrecke quer durch den Baunachgrund zwischen Gräfenholz und Sendel-bach an der Bundesstraße 279 gekostet, den Löwenanteil davon verschlangen die Brücke und die Wasserdurchlässe.



was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren