Haßfurt
Verhandlung

"Riesenfehler" kommt 20-Jährigen teuer zu stehen

Weil er betrunken einen Unfall verursacht hatte und geflüchtet war, verdonnerte das Amtsgericht in Haßfurt einen Mann zu Geldstrafe und Führerscheinsperre.
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Seine Nikotinsucht ist einem 20-jährigen Mann am 30. Dezember vergangenen Jahres zum Verhängnis geworden. Nach dem Besuch einer Diskothek in Knetzgau, wo der Alkohol reichlich floss, hatte er sich in sein Heimatdorf im Steigerwald heimfahren lassen. Dort wollte er gegen 5 Uhr morgens noch Zigaretten am Automaten holen. Doch der war nach den Weihnachtsfeiertagen leergekauft. So kam der Heranwachsende auf die Idee, sich in das Auto seines Vaters zu setzen, um an der Autobahnraststätte in Knetzgau sich neue Glimmstängel zu besorgen.

Mit später festgestellten zwei Promille Alkohol intus kam er dort in einer Linkskurve von der Fahrbahn ab und fuhr mit dem Pkw ein Werbeschild um. Es entstand ein Gesamtschaden am Werbeschild sowie am Fahrzeug in Höhe von rund 12 000 Euro. Doch anstatt an der Unfallstelle zu warten und die Polizei zu verständigen, fuhr der Raucher zurück nach Hause, wo er seinem Vater seinen Fehltritt beichtete.

Der informierte unverzüglich die Polizeidienststelle in Haßfurt, die den Unfall aufnahm. In der Folge erhielt der 20-Jährige wegen Straßenverkehrsgefährdung und Unfallflucht einen Strafbefehl, gegen den er Einspruch einlegte. Daher musste der 20-Jährige am Montag zum ersten Mal in seinem Leben auf der Anklagebank des Amtsgerichts in Haßfurt Platz nehmen.

Dort erklärte sein Verteidiger Bernhard Langer, dass sich sein Mandant zur Tatzeit in einem seelischen Ausnahmezustand befunden habe. Denn in der Disco sei es an jenem Abend zu einer Auseinandersetzung gekommen. Ein Arbeitskollege habe die Freundin des Angeklagten angebaggert, der deswegen "aus dem Häuschen" gewesen sei. Er habe jedoch zu keiner Zeit versucht, etwas zu verschleiern. Der Verteidiger sprach von einer Verwirrung der Gefühle bei seinem Mandanten, die zu einem verstärktem Alkoholgenuss geführt hätten.

Der Angeklagte selbst wirkte vor Gericht unsicher und eingeschüchtert. Seine Tat bezeichnete er als "Riesenfehler", für den er sich entschuldige. Sein Chef sei davon nicht begeistert, dass er nun seinen Führerschein los sei.

Der Jugendgerichtshelfer Franz Heinrich sagte, dass die Tat Spuren beim Angeklagten hinterlassen habe und er sein Fehlverhalten zutiefst bereue. Es handle sich um ein jugendtypisches Vergehen, da es um ein Mädchen ging. Heinrich regte an, nur eine kurze Führerschein-Sperrfrist zu verhängen, um den Arbeitsplatz des Angeklagten nicht zu gefährden.

Staatsanwalt Markus Herold erachtete die verhängte Geldstrafe in Höhe von 60 Tagessätzen zu 15 Euro (900 Euro) als moderat, genauso wie die verhängte Sperrfrist von einem Jahr. Der Verteidiger sagte, die Höhe der verhängten Geldstrafe sei in Ordnung. Eine Fahrsperre von einem Jahr sei ausreichend. Sein Mandant sollte daher nach einem Jahr, pünktlich zum Weihnachtsfest, seinen Führerschein wieder bekommen, quasi als Weihnachtsgeschenk. Denn er sei beruflich darauf angewiesen. Zudem sei der Angeklagte schon dadurch gestraft, dass die Kaskoversicherung wegen des hohen Alkoholpegels nicht zahle und er daher die Kosten alleine tragen müsse.

Richter Martin Kober beließ es bei der im Strafbefehl verhängten Geldstrafe von 900 Euro. Bei der Fahrsperre legte er jedoch noch drei Monate obendrauf. Erst nach jetzt neun Monaten darf die Fahrerlaubnisbehörde ihm wieder den Führerschein aushändigen. "Was auch immer Sie geritten hat um 5.30 Uhr früh - es macht keinen Sinn. Es war richtiger Quatsch", redete der Vorsitzenden dem Verurteilten ins Gewissen. Auch wenn die Tat jugendtypisch gewesen sei, komme bei Straßenverkehrsdelikten immer Erwachsenenstrafrecht zur Anwendung, sagte der Richter. Das Urteil wurde noch im Gerichtssaal rechtskräftig.

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