LKR Haßberge
Ehrenamt

Rechtsbetreuung: Haßfurter Berufsbetreuer gibt Antworten auf grundlegende Fragen

Wer seine Angelegenheiten nicht oder nur noch teilweise selbst erledigen kann, benötigt die Hilfe eines Betreuers. Oft sind es Angehörige, die diese Tätigkeit ehrenamtlich übernehmen - und mit ihr ein komplexes Aufgabenfeld.
Artikel drucken Artikel einbetten
Glück hat, wer im Alter seine Angelegenheiten noch selbst regeln kann. Foto: Archiv/Schemmann, JUH
Glück hat, wer im Alter seine Angelegenheiten noch selbst regeln kann. Foto: Archiv/Schemmann, JUH

Rechtsbetreuer kümmern sich um Menschen, die ihre Angelegenheiten nicht mehr oder nur noch teilweise selbst regeln können. Im Alltag trifft das vor allem Angehörige, die ehrenamtlich ein Familienmitglied betreuen. Der FT hat mit dem Berufsbetreuer Dieter Pedall vom Netzwerk Betreuungsverein Haßberge über das Thema Rechtsbetreuung gesprochen und grundlegende Fragen geklärt.

1. Wann braucht eine Person einen Rechtsbetreuer?

Das Feld der Rechtsbetreuung ist ein "weit gestreutes", wie Dieter Pedall erklärt. "Der klassische Bereich reicht von alten Menschen, die zum Beispiel an Demenz erkrankt sind, bis zu jungen Leuten mit psychischen Erkrankungen, wie etwa einer bipolaren Störung." Nachlassende geistige Kräfte, eine psychische Erkrankung oder zum Beispiel eine geistige Behinderung können Grund dafür sein, dass eine Person einen Rechtsbetreuer bekommt. "Aber man muss das auch ganz klar abgrenzen", sagt Pedall. "Ist zum Beispiel jemand alkoholabhängig, heißt das nicht automatisch, dass er eine rechtliche Betreuung braucht." Im Bürgerlichen Gesetzbuch heißt es zu den Voraussetzungen: "Für einen Volljährigen kann aufgrund einer psychischen Krankheit, einer körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung eine Betreuung angeordnet werden, wenn er vorübergehend oder auf Dauer nicht mehr in der Lage ist, seine Angelegenheiten ganz oder teilweise selbst zu besorgen."

2. Wie wird ein Betreuungsbedarf festgestellt?

"Jede Betreuung muss zunächst einmal medizinisch begründet sein", sagt Pedall. Der Impuls, das zu überprüfen, kann von Angehörigen kommen, aber auch von Ärzten oder zum Beispiel der Sozialstation. "Um eine Betreuung anzuordnen, müssen zwei Punkte beachtet werden", erklärt der Berufsbetreuer: zum einen der Bericht der Betreuungsstelle am Landratsamt; sie macht vor Ort eine Bestandsaufnahme: Was kann die Person nicht mehr? Was braucht sie? Zum Zweiten ist ein Beschluss des Amtsgerichts erforderlich. "Das Gericht stützt sich dabei auf die medizinische Beurteilung durch Fachärzte."

3. Wer kann Rechtsbetreuer werden?

"Grundsätzlich ist die Betreuung immer an eine Person gebunden", erklärt Pedall. Diese müsse über 18 sein und "nicht in relevanter Weise vorbestraft", da beim Amtsgericht ein Führungszeugnis vorzulegen ist. Die Betreuung solle vorwiegend ehrenamtlich erfolgen. Deswegen könne der Gesetzgeber die Anforderungen nicht so hoch legen. "Formal gibt es also relativ geringe Hürden. Das Aufgabengebiet ist aber sehr breit", sagt Pedall. Gerade der Umgang mit verhaltensschwierigen Personen, die zum Beispiel an einer Psychose leiden, erfordere spezielle Qualifikationen, weswegen der Berufsverband der Rechtsbetreuer für schwierige Fälle Standards einfordert.

4. Welche Aufgaben hat ein Rechtsbetreuer?

Der Rechtsbetreuer regelt - je nach Zustand des Betreuten - Angelegenheiten mit Behörden-, Versicherungs- und Sozialleistungsträgern. Wesentliche Aufgabengebiete sind ferner die Gesundheits- und Vermögenssorge. Auch für Wohnangelegenheiten kann der Rechtsbetreuer zuständig sein. Bei Entscheidungen sind das Wohl und die Wünsche des Betreuten zu berücksichtigen, wie Pedall erklärt. Der Betreuer müsse sich einer moralischen Bewertung enthalten. "Wenn jemand zum Beispiel - das ist jetzt natürlich stark übertrieben - jeden Tag ein Kilogramm Gummibärchen kaufen will, ihn das glücklich macht und er es sich leisten kann, dann ist das so." Gegen den Willen des Betreuten dürfe keine Einwilligung gegeben werden. Außerdem gilt, wie Pedall berichtet: Eine gerichtlich angeordnete Betreuung ist keine Entmündigung. Wer einen Rechtsbetreuer hat, bleibt nach wie vor geschäftsfähig.

5. Wer haftet bei Fehlern der ehrenamtlichen Betreuer?

Ehrenamtliche Betreuer sind automatisch über den Freistaat Bayern abgesichert, wie Pedall erklärt. "Das ist auch notwendig. Man kann die Ehrenamtlichen nicht einfach ins Messer laufen lassen." Es gebe bei der Betreuung viele komplexe Themen, mit denen sich der Betreuer auseinandersetzen müsse. Es bestehe immer das Risiko, Fehler zu machen. "Wenn man zum Beispiel als Betreuer einen Termin versäumt, kann das für den Betreuten einen finanziellen Schaden bedeuten - etwa wenn Rentenansprüche nicht fristgerecht angemeldet werden."

Lesen Sie auch: Mobilität - Bekommt Haßfurt einen Wasserstoff-Bus?

6. Kann der Betreute seinen Rechtsbetreuer wechseln?

Wer einen anderen Betreuer möchte, muss sich ans Amtsgericht wenden. Grund für einen Wechsel können persönliche Differenzen sein oder ein gestörtes Vertrauensverhältnis. Das Gericht prüfe den Antrag. "Ein Betreuerwechsel geht nicht von einem Tag auf den anderen", sagt Pedall. Aufseiten der ehrenamtlichen Betreuer könne man ebenfalls nicht einfach von heute auf morgen aus der Betreuung ausscheiden. Die Entbindung von dieser Aufgabe müsse bei Gericht beantragt werden.

7. Grundlegende Tipps für ehrenamtliche Betreuer

"Als Ehrenamtlicher sollte man versuchen, die private Beziehung, in der man zum Betreuten steht, so weit wie möglich von der Tätigkeit als Betreuer zu trennen", rät Pedall. "Man sollte sich als Betreuer außerdem nicht allzu schnell von anderen ins Laufen bringen lassen." Man werde als Betreuer vom Umfeld des Betreuten oder auch von Behörden, Ärzten oder etwa dem Vermieter schnell als erster Ansprechpartner für alles Mögliche gesehen. "In solchen Situationen sollte man ruhig bleiben, sich die Zeit nehmen, zu überlegen: Mache ich das oder ist eigentlich jemand anderes zuständig?" Pedall rät: "Als ehrenamtlicher Betreuer sollte man keine Angst vor dem eigenen Handeln haben. Fehler zu machen, ist ganz normal." Wichtig sei es, immer mal die Perspektive zu wechseln und sich in die betreute Person hineinzuversetzen. Mit dem gesunden Menschenverstand sei das schon die halbe Miete.

8. Wie kann man für sich selbst vorsorgen?

"Man sollte sich rechtzeitig mit dem Thema Betreuung befassen. Dass man einen Betreuer braucht, kann schneller passieren als man denkt, zum Beispiel nach einem Unfall. Aber: Wer will sich schon gerne mit dem Thema Sterben und Tod beschäftigen? In unserer Gesellschaft ist das ja eher ein Tabu", sagt Pedall. Es reiche nicht, das Formular aus dem Internet herunterzuladen und auszufüllen. "Man sollte sich mit den Menschen, die man sich als Betreuer oder Bevollmächtigte wünscht, zusammensetzen und alles besprechen." In einer Betreuungsverfügung könne vorab festgelegt werden, wen man sich wünscht - und wen nicht. Der Betreuer ist vor dem Amtsgericht zur Rechenschaft verpflichtet. Diese entfalle bei einer Vorsorgevollmacht. "Aber: Wie das Wort schon sagt, räumt man jemand anderem die volle Macht ein. Man sollte hier also ein bis zwei Personen auswählen, denen man wirklich vertraut."

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren