Prölsdorf
Bestattungskultur

Raum für einen würdigen Abschied von Verstorbenen

Das Bestattungsunternehmen Schunder in Prölsdorf eröffnete seinen Neubau. Mehr als 1000 Besucher kamen zum Tag der offenen Tür.
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Die Aussegnungshalle ist der zentrale Raum im Erdgeschoss des Neubaus des Bestattungsunternehmens Schunder. Rainer und Sebastian Schunder bereiten hier eine Aussegnungsfeier vor.Sabine Weinbeer
Die Aussegnungshalle ist der zentrale Raum im Erdgeschoss des Neubaus des Bestattungsunternehmens Schunder. Rainer und Sebastian Schunder bereiten hier eine Aussegnungsfeier vor.Sabine Weinbeer
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Mit den "letzten Dingen" beschäftigen sich die meisten Menschen nur ungern. Umso überraschter war die Familie Schunder über den großen Zulauf, als sie ihre neuen Räumlichkeiten mit einem Tag der offenen Tür eröffneten. Mit dem Neubau hat sich das Bestattungsunternehmen ganz auf die individuellen Wünsche seiner Kunden eingestellt - und ein klares Bekenntnis zum Standort Rauhenebrach abgegeben, was den Bürgermeister bei der Einweihung freute.

Für die Redaktion des Fränkischen Tages war die Einweihung Anlass zu einem Gespräch mit Rainer und Sebastian Schunder über den Wandel in der Bestattungskultur, der ja auch zu dem Neubau führte. Der Uropa von Sebastian Schunder hat - wie damals üblich - in seiner Schreinerei Särge angefertigt und sich dann auch um die Bestattung gekümmert. Enkel Rainer hat zwei Generationen später den Betrieb auf Bestattungen spezialisiert und ging über Rauhenebrach hinaus in den Landkreis Bamberg mit mehreren Beratungsbüros.

Was für Angehörige wichtig ist

Bis heute ist der Beruf des Bestatters nicht geschützt, aber seit 2003 gibt es eine geregelte Ausbildung, die Sebastian Schunder absolviert hat. Inzwischen ist er Bestattungsmeister und Thalantopraktiker. Das bedeutet, dass er Verstorbene einbalsamieren und für eine offene Aufbahrung vorbereiten kann.

Früher war die offene Aufbahrung - meist noch im Wohnhaus - gang und gäbe. Das hat sich deutlich geändert, doch nach wie vor ist es für viele Angehörige wichtig, am offenen Sarg Abschied vom Verstorbenen zu nehmen. "Wenn wir ehrlich sind, dann sind viele kleinere Leichenhäuser in der Region dafür nicht gerade ein würdiger Rahmen", erklärt Rainer Schunder. Auch der richtige Rahmen für die Trauerfeier selbst ist manchmal ein Problem. Zwei Gründe für den Neubau in Prölsdorf, wo es neben der Verwaltung auch einen Aufbahrungsraum und eine Aussegnungshalle gibt.

Trauerfeiern werden individueller

Bestattungen auf dem Dorf sind noch immer sehr traditionell geprägt: Requiem oder Aussegnungsgottesdienst in der örtlichen Kirche, Beisetzung am Friedhof. Je städtischer die Umgebung, desto eher ist der Gottesdienst oder die nichtkirchliche Trauerfeier in einer Friedhofskapelle, für die es dann einen entsprechend engen Zeitplan gibt.

Beerdigungen benötigen heute mehr Organisation - nicht einmal wegen der Bürokratie, die ohnehin der Bestatter weitgehend übernimmt, sondern weil die Familien aus immer größeren Entfernungen zusammenkommen und weil die Feiern individueller werden. "Deshalb haben wir die Aussegnungshalle als zentralen Raum im Erdgeschoss geplant. Hier kann die Trauerfeier ganz individuell gestaltet werden", erklärt Rainer Schunder.

Feiern mit Bildern oder Filmen

Mit den Geistlichen der Region hat er sich schon im Vorfeld abgestimmt. Sie zelebrieren gerne auch hier die Gottesdienste für Verstorbene aus ihren Gemeinden. Natürlich vermittelt Schunder auch Trauerredner für nichtreligiöse Beisetzungen. Und auch die technische Ausstattung wurde den Wünschen der Hinterbliebenen angepasst. So können beispielsweise Bilder oder Filme die Trauerfeier begleiten. Barrierefrei ist das gesamte Gebäude natürlich ohnehin, und Parkplätze gibt es direkt vor der Tür.

Gespür für Menschen in einer Grenzsituation nötig

600 bis 650 Bestattungen gestaltet das Unternehmen Schunder im Jahr - von der Sarg- oder Urnenbeisetzung am heimischen Friedhof über Friedwald bis hin zur Seebestattung, mit der ganzen Gemeinde oder der engsten Familie. "Die Entscheidung, wie eine Beisetzung abläuft, haben allein die Angehörigen - oder der Verstorbene, wenn er da etwas festgelegt hat", sagt Reiner Schunder. "Und was machbar ist, das machen wir möglich", erklärt er, der sich manchmal auch ein bisschen wie ein Event-Manager fühlt.

Beratungsintensiv ist der Beruf des Bestatters, und viel Gespür für Menschen in einer Grenzsituation gehört dazu. Ein würdiger Abschied, auch den Verstorbenen noch einmal zu sehen, das sei psychologisch ganz wichtig für die Angehörigen, weiß Sebastian Schunder aus seiner Erfahrung und seiner Ausbildung. Dafür den richtigen Rahmen zu schaffen, das sei das Hauptkriterium für den Neubau gewesen, in dessen Realisierung in den vergangenen zwei Jahren viel Herzblut floss.

Bekenntnis zum Standort

Die Entscheidung für Prölsdorf sei bewusst gefallen, sagt Rainer Schunder. So entstand der Neubau gleich neben dem bestehenden Gebäude, wo die Räume für die hygienische Versorgung der Verstorbenen und das Sarglager untergebracht sind. Und da ein Bestatter rund um die Uhr Bereitschaft hat, "ist es für uns organisatorisch optimal".

Das Ergebnis einer intensiven Vorplanung ist ein hochmoderner Bau mit Naturmaterialien, der große Ruhe ausstrahlt. "Unser Architekt Christian Eichler hat immer genau verstanden, was wir wollten, und das dann auch umgesetzt", lobt Rainer Schunder die Zusammenarbeit.

Sehr beeindruckt war auch Pfarrer Helmut Hetzel, der dem Gebäude den kirchlichen Segen spendete. Mehr als 1000 Besucher kamen zum Tag der offenen Tür, der in einer großen Bandbreite das Thema "Leben und Sterben" aufgriff - von der märchenhaften Erzählung "Der Gigant", die szenisch dargestellt wurde, über Kirchenkabarett mit Pfarrer Maibach bis hin zur Karikaturen-Ausstellung "Sie hat mir der Himmel geschickt".

"Wir haben uns sehr gefreut, dass so viele Leute gekommen sind. Von Berührungsängsten gegenüber dem Bestatter konnte keine Rede sein", erklärt Sebastian Schunder.



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