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Knetzgau
Lebensmittel

Qualität statt Gammelprodukte

Der Landkreis Haßberge möchte die Bedeutung heimischer Produkte stärken. Dazu fand in Knetzgau erstmals die Genussmesse "Kulinea" statt, die über die Nahrungsmittel-Erzeugung hinaus für regionale Angebote warb und erfolgreich war.
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Die leckeren Brot- und Käsesorten von Direktvermarkterin Birgit Oeffner fanden reißenden Absatz.  Fotos: cr
Die leckeren Brot- und Käsesorten von Direktvermarkterin Birgit Oeffner fanden reißenden Absatz. Fotos: cr
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Essen ist mehr als bloße Nahrungsaufnahme. Essen ist ein Kulturgut und "hält Leib und Seele zusammen", wie amtierender Landrat Siegmund Kerker (CSU) bei der Genussmesse "Kulinea" betonte, die am Samstag und Sonntag in Knetzgau in der Franz-Hofmann-Halle stattfand. Besonders trifft die Bedeutung als Kulturgut auf die Produkte zu, die eng mit der Kultur und Geschichte der Region verbunden sind.

Mit Knetzgaus Bürgermeister Stefan Paulus (CWG, SPD) hatte Kerker am Samstagvormittag die "Kulinea" als neue Genussmesse im Kreis Haßberge eröffnet. Für die musikalische Gestaltung sorgten Max Schmidt, Sofia Weinberger und Jan Kapar als "Mainsoul". Zwei Tage lang wartete ein vielseitiges Angebot heimischer Erzeuger auf die Besucher aus nah und fern.
Die Anbieter tischten regionale Spezialitäten und kulinarische Köstlichkeiten auf.

Siegmund Kerker verwies auf den hohen Stellenwert an Lebensqualität im Landkreis, zu dem ein gutes Essen, ein Schoppen Frankenwein oder ein Seidla Bier zählten. Die Menschen genießen nach seiner Darstellung gerne, insbesondere heimische Spezialitäten. Um die Vielfalt der regionalen Produkte aufzuzeigen, sei diese neue, innovative Genussmesse unter Federführung des Regionalmanagements des Landkreises ins Leben gerufen worden. "Die Kulinea dient unseren heimischen Erzeugern quasi als neues Schaufenster", sagte der stellvertretende Landrat, der derzeit den erkrankten Landrat Rudolf Handwerker vertritt. Hier könnten die Erzeuger ihre qualitativ hochwertigen Produkte auf einer neuen Bühne präsentieren. Gleichzeitig sollten mit der "Kulinea" bei den Verbrauchern das Interesse für die eigene Region geweckt und Lust auf die hier erzeugten Produkte gemacht werden. Die Qualität, Frische und guter Geschmack seien wichtige Kriterien, wofür es sich lohne, Produkte aus der Region zu kaufen.

Weiterer Pluspunkt

Noch ein weiterer Pluspunkt liegt für Kerker auf der Hand: "Lebensmittel, die in der eigenen Region erzeugt, verarbeitet und verzehrt werden, müssen nicht über Hunderte und Tausende Kilometer per Lkw, Bahn oder Flugzeug transportiert werden". Dies schone nicht nur die Umwelt, sondern diene auch dem Tierschutz. Und nicht zuletzt würden die heimischen Betriebe gestärkt und Arbeitsplätze gesichert, sagte Kerker.

Wie und in welcher Gesellschaft man isst, aber vor allem was man zu sich nimmt, sind wichtige Fragen für Knetzgaus Bürgermeister Stefan Paulus. Lasagne zu Billigpreisen aus dem Tiefkühlfach, Schokolade mit Kakaobohnen von Kinderhand gepflückt oder Erdbeeren im Winter aus China - die Liste der Lebensmittelskandale sei lang und verlängere sich jährlich. Verantwortung für ein gesundes Essen trage der Verbraucher selber, wenn ihm das Essen, das auf dem Teller landet, genauso wichtig sei wie mancher Lebensstandard. Qualität und gesund, Genuss statt Gammel sowie Verantwortungsbewusstsein und Nachhaltigkeit statt Geiz sind für das Knetzgauer Gemeindeoberhaupt Gründe, um mit der Leistungsschau heimischer Anbieter für Lebensqualität aus der Region für die Region zu werben. Mit der "Kulinea" solle, so Paulus, nicht nur momentan ein Beitrag geleistet werden, um das Konsumverhalten nachhaltiger zu überdenken. "Gute Lebensmittel und nachhaltig hergestellte Produkte haben Zukunft", resümierte er.

Reaktionen

Wie bewerten die Teilnehmer und Aussteller die "Kulinea"? "Rundum gelungen" beschrieb Margit Weiß aus Augsfeld die neue Genussmesse. Gemeinsam mit ihrer Freundin Karin war sie von der Vielfalt in der Franz-Hofmann-Halle in Knetzgau angenehm überrascht. Überraschung vor allem, weil sie gar nicht wusste, dass es so viele auserlesene und naturbelassene Produkte in der Region gibt. Die Aussteller hätten sich gut dargestellt mit Antwort auf die verschiedenen Fragen. "Es ist eine Bereicherung für die Region", lautete das Fazit der beiden Besucherinnen, die einiges in den Taschen mit nach Hause getragen haben.

Nach Wiederholung verlangte Karin Beck aus Haßfurt. Es sei eine klasse Idee, mit der sich das regionale Umfeld präsentiert, damit die Besucher eine Vorstellung von den Produkten haben und nicht nur nach dem Preis schauen müssen.

"Ich möchte etwas bewegen", erzählte Sabrina von Loefen aus Zell am Ebersberg, damit der Besucher auch in den sinnlichen Genuss kommt. Sie war kurzfristig mit ihrem Stand vertreten, an dem der Besucher selbstgemachte Karten aus Recyclingpapier erwerben konnte. Aus eigener Fotokollektion von Hand veredelt und beidseitig mit passenden Texten, teils mit Gedichten der Mutter bedruckt, war unter anderem zu lesen: "Heute schon mal nix gemacht".

Mit Produkten rund um die Biene konnten sich die Besucher am Stand des Imkervereins Haßfurt eindecken. Der Horhäuser Imker Bernhard Hümpfner war angetan von der großen Resonanz. Wetterbedingt hatten die Imker gerade am Samstagvormittag nicht mit diesem großen Ansturm gerechnet. Den Imkern ging es nicht nur darum, ihre Produkte vorzustellen und zu verkaufen, sondern vor allem darum darzustellen, welch große Bedeutung die Biene für die Vielfalt in der Natur hat.

Käse und Brot

Ebenfalls angenehm überrascht war Birgit Oeffner mit ihrem Stand für Käse und Brot, die aus ökologischem Anbau stammen. Normalerweise ist die Direktvermarkterin aus Weiher am Rande des Steigerwaldes nicht auf Messen vertreten. Nach Knetzgau kam sie aber, und sie bereute es nicht. Ihre Käsesorten waren der Renner. Und nach gut drei Stunden war das Vollkornbrot ausverkauft.

Von einem überwältigenden Interesse der Besucher berichtete Margit Ehehalt-Lewin aus Knetzgau. Unter ihren selbstgemachten Seifen präsentierte sie eine Seifen-Torte als optischen Hingucker.

Der Gärtnerring Haßberge hatte sich an verschiedenen Ständen Gedanken gemacht, welches Sortiment an Blumen in die Region passt. Der Gärtnerring, ein Zusammenschluss der Gärtner im Kreis Haßberge, lege großen Wert darauf, dass der Verbraucher erkennt, dass die Ware aus der Region kommt, betonte Gärtnermeister Werner Pudell. Dies sei an einem eigenen Aufdruck auf dem Topf zu sehen, in dem die Jungpflanze bis zum Verkauf bleibt. Auch wenn innerhalb des Gärtnerrings Waren ausgetauscht werden, bleibe für den Kunden immer die Regionalität für zugekaufte Ware erkennbar, versicherte Pudell.

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