Ein schönes Stück Wegstrecke haben die Mitglieder des Bauausschusses des Landkreises Haßberge am Mittwoch zurückgelegt. 160 Kilometer sind sie durch Haßberge, Maintal und Steigerwald gereist, um die ein oder andere marode Kreisstraße in Augenschein zu nehmen und manch anderes (mögliches) Bauprojekt zu begutachten oder zu diskutieren.
Dafür nahmen sie sich Zeit. Fast einen ganzen Tag, knapp acht Stunden lang, wurden die Kreisräte sowie Verantwortliche der Tiefbauverwaltung von Alfred Männling in einem Omnibus durch den Landkreis kutschiert. Und gerade in solch großen Gefährten lässt sich manche Engstelle oder kaputte Fahrbahn besser "erfahren". Wenn ein fast drei Meter breiter Bus oder Lastwagen mit etlichen Tonen Gewicht zum Beispiel die nur 4,20 Meter breite Kreisstraße HAS 24 zwischen Trossenfurt und Hummelmarter entlang kriecht, dann braucht es im Gegenverkehr nur noch ein weiteres Gefährt dieser Größe, und es wird ziemlich eng. Ausweichen ins Bankett, klar, das ist Gang und Gäbe, doch zeigt es sich auch am Zustand der Fahrbahn. Die sackt links und rechts leicht ab, außerdem gibt es Risse und kaputte Stellen.

Schlimmer geht's immer


Bauausschussmitglied Thomas Sechser (CSU), außerdem Bürgermeister der Gemeinde Oberaurach, in der die HAS 24 liegt, probiert es wieder: Jeder könne erkennen, dass diese Straße sanierungsbedürftig ist und verbreitert werden muss. 1,8 Millionen Euro würde das in etwa Kosten, bei einer Förderung durch das staatliche Straßenbauamt mit 50 Prozent bliebe für den Landkreis ein Anteil von 900   000 Euro. Wann denn endlich Geld dafür bereitgestellt werde? Die Antwort von Alfons Schanz, Leiter der Tiefbauverwaltung des Landkreises, ist eindeutig, und Sechser kannte sie schon, denn seine Frage stellte er nicht zum ersten Mal. "Es gibt noch schlimmere Straßen im Landkreis", sagt Schanz. Mit Ausnahme der geringen Breite sei die Straße allgemein in keinem schlechten Zustand.

Aufschieben unter Zwang


Das Beispiel verdeutlicht gut, vor welch schwieriger Situation der Bauausschuss jedes Jahr steht, wenn er beschließen soll, welche Straßenbauprojekte als nächstes umgesetzt werden sollen: Es gibt sehr viel potenzielle Baustellen, aber für bei weitem nicht alle davon reicht das Geld. Alfons Schanz sagt auch, es sei eigentlich gar nicht sinnvoll, Sanierungsfälle wie die genannte HAS 24 allzu lange aufzuschieben. "Je länger man wartet, desto teurer wird es." Spätestens, wenn nach der Fahrbahndecke auch der Unterbau Schaden genommen hat, steigen die Reparaturkosten enorm an.

Problemfälle


Bei der Erkundung der Kreisstraßen stießen die Bauausschussmitglieder auf mehrere Problemfälle. Schanz erklärte jeweils, worum es geht und was er den Politikern empfiehlt. Hier ein paar Beispiele: Auf der HAS 46, eine der wichtigsten Verbindungsstraßen zwischen Ebern und Hofheim, gibt es, kurz bevor sie von der B279 gekreuzt wird, einen Unfallschwerpunkt. In einer lang gezogenen, engen Kurve fliegen immer wieder Fahrzeuge von der Straße, außerdem folgt gleich nach der Kurve ein Kuppe. Letztere soll etwas abgeflacht, die Kurvenführung übersichtlicher werden. Da sich der 1300 Meter lange betroffene Straßenabschnitt in einer Schutzwasserzone befindet, verteuert sich die Maßnahme, weil verschiedene Sicherheitsrichtlinien eingehalten werden müssen. 828   000 Euro würde die Baustelle kosten. Abzüglich 50 Prozent Förderung blieben 414   000 Euro für den Landkreis.

Pech gehabt


Ebenfalls auf der HAS 46 zwischen Burgpreppach und Leuzendorf gibt es Verformungen, Durchbrüche und Risse in der Fahrbahn. Alfons Schanz sieht hier dringenden Handlungsbedarf, da ein weiteres Aufschieben der Reparaturen noch größere Schäden im Bereich des Unterbaus nach sich ziehen würde und somit höhere Kosten. Bei baldigem Baubeginn wären es dagegen "nur" 1,5 bis 1,8 Millionen Euro. Pech für Thomas Sechser, der hier mit "seiner" HAS 24 hinten anstehen muss: Alfons Schanz empfiehlt dem Bauausschuss, die notwendige Maßnahme auf der HAS 46 im Tausch mit dem für 2014 angedachten Ausbau der Strecke Hummelmarter-Trossenfurt anzugehen. Soll heißen: Die Wartezeit für die HAS 24 verlängert sich. Bei der Ausschusssitzung nach der Busfahrt wollte Sechser wenigstens die Gewissheit, dass sein Anliegen nicht auf "unbestimmte Zeit" verschoben wird. So soll dem Kreistag nun empfohlen werden, die Baumaßnahme gesplittet auf die Jahre 2015 und 2016 zu terminieren und in den Haushalt einzuplanen.
Als der mit Politikern besetzte Bus am Mittwochmittag in Ebern eintraf, machte er Halt am Hallenbad, dessen Dach einsturzgefährdet ist. Im Frühjahr 2013 soll hier mit dem Abriss begonnen werden. Anschließend wird ein neues, größeres Schwimmbad gebaut.

Die Zeit drängt


Der Landkreis ist als Sachaufwandsträger für die Schulen an den Kosten beteiligt, weil im neuen Hallenbad im Rahmen des Schulsports über 110 Klassen unterrichtet werden sollen. Seit das Hallenbad geschlossen ist, müssen Schulklassen auf andere Bäder wie etwa in Hofheim ausweichen. Deswegen drängt nach Ansicht der Politiker die Zeit, die sich eine möglichst rasche Umsetzung des Neubaus wünschen. Die Stadt Ebern trägt die Kosten für die öffentliche Nutzung des Bades. Damit es zu keinen größeren zeitlichen Verzögerungen kommt, will Landrat Rudolf Handwerker einen Generalplaner für das Projekt beauftragen: "So hätten wir einen Ansprechpartner für alle Angelegenheiten", sagte er. Bei einem Projekt dieser Größenordnung sei das sinnvoll. Die Kosten werden auf etwa sechs Millionen Euro geschätzt. Das Bad soll ein etwa 12,5 mal 25 Meter großes Becken gemäß Schulsportrichtlinien und Wettkampf-Standards erhalten.

Tonnenweise belastetes Material zu entsorgen


So ganz wollte es manchem Bauausschussmitglied nicht einleuchten, warum der Kreisabfallwirtschaftsbetrieb Geld für etwas nimmt, für das er noch Verwendung hat.
Bei der Bauausschusssitzung am Mittwoch ging es unter anderem auch darum, was mit belastetem sogenannten Bankettschälgut geschehen soll. Für dieses Material, das etwa alle acht Jahre links und rechts der Fahrbahn abgetragen werden muss, um das Bankett in brauchbarem Zustand zu erhalten, gibt es verschiedene Entsorgungsrichtlinien. Dabei geht es darum, ob das Material Grenzwerte bei Schwermetallen und anderen Schadstoffen überschreitet. Erfolgt nach einer Analyse die Einstufung "Z2", muss das Schälgut auf eine geeignete Deponie gebracht werden. Das Bankettmaterial einer insgesamt 14,4 Kilometer langen Strecke entlang der Kreisstraßen HAS46 und HAS 42 wurde in die Klasse "Z2" eingestuft (betrifft meist Straßen, die vor 1960 gebaut wurden). Die Tiefbauverwaltung schlägt vor, dieses Material komplett auszuheben und geeignetes, standfestes Material einzubauen (Kosten: 105   000 Euro), damit künftig kein belastetes Schälgut mehr entsorgt werden muss.
So würden bei einem Aushub mit einem Schlag 2300 Tonnen schadstoffbelastetes Material anfallen, das auf der Deponie des Kreisabfallwirtschaftsbetriebs in Wonfurt entsorgt werden könnte. Die Kreisabfallswirtschaft, so erläuterte es Alfons Schanz von der Tiefbauverwaltung, verlangt dafür 35 Euro pro Tonne. Das sind insgesamt 80   500 Euro allein für die Entsorgung. Und die würde sich der Bauausschuss gerne sparen. Das Gremium diskutierte, warum die Kreisabfallwirtschaft überhaupt Geld dafür verlange, da sie das Material schließlich wieder weiterverwerten könne. Denn Z2-Material darf etwa im Straßen-, Landschafts- und Deponiebau weiter verwendet werden, wenn auch eingeschränkt und mit definierten technischen Sicherungsmaßnahmen. Deswegen soll nun Wilfried Neubauer, Chef der Kreisabfallwirtschaft, bei der kommenden Bauausschusssitzung erläutern, ob und weshalb er die Deponiekosten zwingend erheben muss. al