Eltmann

Philippinerinnen aus dem Kreis Haßberge wollen helfen

Was der Taifun Haiyan in ihrer Heimat angerichtet hat, ist schockierend, finden die Philippinerinnen Teresa Kaiser und Diana Hornung aus dem Landkreis Haßberge. Die zwei Frauen stehen in engem Kontakt mit ihren Verwandten und wollen Hilfe organisieren.
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Die Eltmannerin Teresa Kaiser verfolgt die Nachrichten aus ihrer Heimat im Internet. Foto: Andreas Lösch
Die Eltmannerin Teresa Kaiser verfolgt die Nachrichten aus ihrer Heimat im Internet. Foto: Andreas Lösch
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Die Bilder aus ihrem Heimatland kann Teresa Kaiser kaum mehr ertragen. "Damit hat niemand gerechnet", sagt sie und schüttelt ungläubig mit dem Kopf. Die 46-Jährige stammt von den Philippinen und lebt seit 17 Jahren in Eltmann.

Der Taifun Haiyan mit Spitzenwindgeschwindigkeiten von bis zu 380 Stundenkilometern hat am vergangenen Wochenende in Kaisers alter Heimat so viel Zerstörung und Chaos angerichtet, wie es kaum jemand für möglich gehalten hatte. Der mächtige tropische Wirbelsturm der seltenen Kategorie 5 (ab Kategorie 4 sprechen Wetterexperten von einem Supertaifun) hat den Tod tausender Menschen verursacht. Und die Überlebenden in der heftig getroffenen Region rund um die Stadt Tacloban (Provinz Leyte) stehen vor dem Nichts - Wind, Regen und Flut haben alles mitgerissen, was sie zum Leben brauchen.

Unglaubliche Katastrophe

"Wir sind es ja schon gewohnt mit den Taifunen", sagt Teresa Kaiser. So wie Schnee in Deutschland zum Winter gehört, gehören Wirbelstürme auf den Philippinen zur Regenzeit: Quasi jedes Jahr im Oktober oder November gibt es laut Kaiser Taifune in ihrer Heimat. Sie kennt es auch aus eigener Erfahrung, hat früher selbst mit ihrer Familie Überschwemmungen und starken Winden getrotzt.

Doch was sie jetzt im Fernsehen sieht, verschlägt ihr die Sprache. Keiner habe gedacht, dass es eine solch große Katastrophe geben könnte. Der Wahl-Eltmannerin geht das so nahe, dass ihr Tränen über die Wangen kullern, als sie sich im Internet einen Nachrichtenbeitrag über die Provinz Leyte anschaut. Ihre Landsleute berichten von Angehörigen, die ums Leben gekommen sind oder vermisst werden. "Wir leiden mit, das geht richtig ans Herz", sagt Kaiser und wischt die Tränen beiseite.

Familie in Sicherheit

Man könne sich gar nicht vorstellen, wie schlimm das sein muss für jemanden, der Haus und Familie verloren hat. Kaisers Verwandtschaft auf den Philippinen hatte Glück: Die Familie wohnt im Norden auf der philippinischen Hauptinsel Luzon, auf der auch die Hauptstadt Manila liegt. Dort trafen nur die Ausläufer des Riesensturms auf.

Als Taifun Haiyan am vergangenen Freitag über die zentral-philippinischen Inseln fegte, stand Kaiser mit ihrer Familie über Skype und Facebook in Kontakt. So hatte sie gleich die Gewissheit, dass es ihnen gut geht. In vielen anderen Regionen habe es Stromausfall gegeben, so dass eine Kommunikation oft nicht möglich war. Eine Bekannte habe deswegen tagelang nichts von ihren Verwandten gehört: Eine schreckliche Zeit der Ungewissheit, ehe es dann doch ein Telefonat gab mit der frohen Botschaft, dass alles in Ordnung sei.

Benefiz-Konzert geplant

Anderswo im Land ist dagegen gar nichts in Ordnung. "Es ist so viel Chaos", sagt Diana Hornung, ebenfalls gebürtige Philippinerin. Die 44-jährige Frau wohnt seit 23 Jahren in Eschenbach und ist eine Freundin von Teresa Kaiser. Auch ihre Familie wohnt im Norden und blieb von der Katastrophe verschont. Sie und Kaiser haben darüber nachgedacht, wie sie ihren Landsleuten helfen könnten. Hornungs 19-jährige Tochter Karin hatte zum Beispiel die Idee, ein Benefiz-Konzert in Eltmann zu organisieren, mit verschiedenen Bands und Musikern.

Ihre Mutter Diana findet das gut und will deswegen noch mit der Stadt Eltmann sprechen, denn wenn möglich soll die Kommune als Schirmherr fungieren. Ziel ist es, Geld für die Taifun-Opfer zu sammeln. Auch Sponsoren suche man für das geplante Konzert derzeit noch.

Angst vor mächtigem Sturm

Jede Hilfe wird dringend benötigt, glaubt Diana Hornung. Auch ihr gehen die Bilder aus ihrer Heimat sehr nahe. "Ich traue mich schon gar nicht mehr, den Fernseher anzumachen", sagt sie. Als sie Satelliten-Bilder des Wirbelsturms gesehen hatte, wie er sich den Philippinen näherte "habe ich echt Angst gehabt", erklärt sie. Und dann später die Bilder aus den zerstörten Regionen. Die Realität vor Ort ist offensichtlich noch schlimmer als das, was man in den Nachrichten sieht, glaubt sie.

Gleichzeitig fühle man sich so ohnmächtig, weil man nichts dagegen unternehmen könne, sagt Teresa Kaiser dazu. So hofft sie, dass ihren Landsleuten wie auch ihr selbst zumindest der Glaube ein bisschen Halt gibt: "Wir brauchen nicht nur Geld, sondern wir brauchen auch Gebete, dass die Leute noch Kraft finden", erklärt die Eltmannerin.

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