Zeil
Monopol

Pech für die Glücksbringer in Schwarz...?

Schornsteinfeger Michael Brand aus Zeil muss ab 2013 Konkurrenz fürchten. Sein Bezirk ist nun auch für andere Kaminkehrer offen. Der Kunde entscheidet selbst, wen er beauftragt. Brand sieht das locker: Gute Aussichten hat er trotzdem an vielen Tagen im Jahr.
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Michael Brand genießt die Aussicht beim Blick ins Maintal: Der Job in luftiger Höhe macht ihm immer noch viel Freude.
Michael Brand genießt die Aussicht beim Blick ins Maintal: Der Job in luftiger Höhe macht ihm immer noch viel Freude.
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Weil er so gerne kraxelt, sagt Michael Brand, ist er Schornsteinfeger geworden. In jungen Jahren habe er einen Kaminkehrer auf dem Nachbardach herumspazieren sehen und sich festgelegt: Das mach' ich auch. So ist es geschehen.

Jetzt ist Brand Kaminkehrermeister in Zeil und darf, ja muss in einem ganzen Bezirk die Schlote reinigen. In die Quere kommen konnte ihm da bislang keiner. Und auch jetzt, nachdem eine Gesetzesänderung das Monopol der Schornsteinfeger bald kippen wird, glaubt Michael Brand nicht, dass ihm allzu viele Kunden abgehen. Im Gegenteil: "Ich sehe es mehr positiv. Weil ich die kritischen Kunden nächstes Jahr auch ablehnen kann."
Mit kritischen Kunden meint Brand nicht jene, die eine Fehlleistung beanstanden, sondern die, die grundsätzlich alles bemängeln und den Besuch des Kaminkehrer als lästig empfinden. "Da gibt es schon ein paar Spezialisten", sagt Brand.

Der 58-Jährige schlüpft in seinen schwarzen Arbeitskittel, setzt seinen schwarzen Zylinder auf (über 100 Jahre alt, echtes Maulwurffell) und schnappt sich seine Ausrüstung. Sein Sohn Tobias, 28, ebenfalls Kaminkehrermeister, kommt gerade von einem Kunden zurück. Jetzt wollen die zwei aufs eigene Dach klettern, mal kurz durchreinigen und prüfen, ob mit dem Kamin noch alles in Ordnung ist. Die Leiter nach oben, dann geht es auf Trittbrettern die schiefe Ziegelebene hoch zum Giebel. Tobias Brand nimmt den Kehrbesen und hängt ihn in den Schornstein, eine dicke Eisenkugel zieht die Drahtbürste nach unten. Vater Michael steht daneben und schaut hinunter ins Maintal. "Ein fantastischer Ausblick", sagt er. Das genießt der Zeiler, der seit über 40 Jahren Arbeiten in luftiger Höhe erledigt, jedesmal wieder.

Pro Meter 30 Cent


Wenn er beim Kunden aufs Dach steigt, stellt er dafür knapp 30 Euro in Rechnung. "Es kommt auf die Schornsteinhöhe an", erklärt er. Pro Meter 30 Cent. Hinzu kommt eine Fahrtkostenpauschale von acht Euro und weitere Gebühren. Andere Arbeiten wie Abgasmessung kosten ebenfalls rund 30 Euro. Grundlage dafür war das Gebührenverzeichnis in der Kehr- und Überprüfungsordnung. Ab Januar 2013 gilt das nicht mehr. Nun kann ein qualifizierter Schornsteinfeger von irgendwo das Ganze für fünf Euro erledigen. Brand schmunzelt: "Wenn er das finanziell durchhält." Er selbst werde zunächst die Preise beibehalten. Eine spätere Erhöhung sei aber nicht auszuschließen, sagt er.

Brand ist in einem von elf Bezirken im Haßbergekreis für die Orte Zeil, Krum, Steinbach, Ziegelanger, Limbach und Neubrunn zuständig. Dass ihm zukünftig die anderen Bezirkskaminkehrer den Giebel ablaufen, glaubt er nicht: "Absprechen dürfen wir uns ja nicht. Aber es hat eigentlich niemand vor, dem anderen Konkurrenz zu machen." Seine Kollegen und er hätten reichlich zu tun, zudem mangelt es in seiner Branche auch an Nachwuchs.

Ab 2013 nun muss sich der Kunde selbst darum kümmern, den Kaminkehrer zu bestellen. Brand erklärt aber: "Wer nicht wechseln will, braucht nichts zu tun. Es bleibt alles wie gehabt." Soll heißen: Zufriedene Kunden finden weiterhin den berühmten kleinen Zettel an der Haustür, mit dem sich der Schornsteinfeger ankündigt, wenn er zuhause niemanden angetroffen hat. Mehr Bürokratie entsteht für Brand nur, "wenn viele wechseln wollen": Denn er bleibt weiterhin Bezirksbevollmächtigter und muss in seinem Bereich überwachen, dass alle notwendigen Arbeiten gemacht wurden. Deswegen kommt Brand künftig auch weiter zu Kunden, die ihn abbestellt haben: Alle drei Jahre ist eine Feuerstättenschau notwendig, nur der Bevollmächtigte ist dazu berechtigt. Der stellt dann einen Bescheid aus, in dem festgelegt ist, welche Arbeiten in welchen Intervallen gemacht werden müssen. Nur mit diesem Bescheid können die entsprechenden Aufträge auch an andere Kaminkehrer vergeben werden.

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