LKR Haßberge
Kandidaten-Porträt

Patrick Geßner: "Strauß wäre heute AfD-Mitglied"

Wer sind die Direktkandidaten des Stimmkreises Haßberge/Rhön-Grabfeld für die Landtagswahl am 14. Oktober? Heute stellen wir Patrick Geßner, AfD, vor.
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Patrick Geßner, AfD-Landtagskandidat für den Stimmkreis Haßberge/Rhön-Grabfeld, bei seinem Besuch in Zeil. Foto: Andreas Lösch
Patrick Geßner, AfD-Landtagskandidat für den Stimmkreis Haßberge/Rhön-Grabfeld, bei seinem Besuch in Zeil. Foto: Andreas Lösch

Patrick Geßner fühlt sich politisch im bürgerlich-konservativen Lager beheimatet, wie er im Gespräch mit dem Fränkischen erklärt. Sein Problem nur: Keine der etablierten Parteien vertritt mehr ausreichend glaubhaft dieses Lager, wie der 34-Jährige feststellt. Deswegen engagiert er sich jetzt für die "Alternative für Deutschland" (AfD) und tritt im Stimmkreis Haßberge/Rhön-Grabfeld als AfD-Direktkandidat für die Landtagswahl an.

Der Erfolg seiner Partei bei den jüngsten Bundes- und Landtagswahlen bestärkt Geßner darin, dass die Bürger im Land gespürt hätten, dass die etablierten Parteien mehr am Machterhalt, denn am Gemeinwohl interessiert seien.

Der Einzug der AfD in den bayerischen Landtag gilt - gemessen an aktuellen Umfragewerten - als sicher. "Wir sind realistisch betrachtet eine 15-Prozent-Partei", sagt Geßner. "Wir werden nicht die Regierung stellen und auch nicht den Ministerpräsidenten. Aber die Opposition soll kontrollieren und das ist unsere Aufgabe."

Vertrauen verspielt

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Die alten Parteien hätten viel Vertrauen verspielt. "Viele ehemalige CSU-Mitglieder sind jetzt bei uns in der AfD", sagt Geßner. "Ich bin auch ein ehemaliger CSU-Wähler. Aber diese Partei vertritt mich nicht mehr", sie habe keine Überzeugungskraft mehr. Ein reiches Land wie Bayern habe es in seinen Augen versäumt, die richtigen Weichen zu stellen, insbesondere für die einfachen Bürger aus der Mitte der Gesellschaft, die laut Geßner viel dazu beigetragen haben, dass es hier wirtschaftlich gut läuft - und die zu wenig dafür zurückbekommen: "Früher war es so, dass eine Familie von einem Verdienst leben konnte", sagt er. "Bei uns sind die Reallöhne seit 1990 kaum gestiegen." Viele Bürger arbeiten "immer mehr und bekommen immer weniger. So schaut für viele die Realität aus".

Der in Maßbach im Landkreis Bad Kissingen wohnende AfD-Direktkandidat für den Stimmkreis Haßberge/Rhön-Grabfeld wünscht sich eine deutlich konservativere Politik im Land. Als seine persönlichen politischen Vorbilder führt er den AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen an, nennt auch den Österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz (Österreichische Volkspartei) und allen voran den CSU-Übervater Franz-Josef Strauß: Dieser habe Positionen vertreten, die heute die AfD beansprucht, unter anderem "Außen- und Sicherheitspolitik", die sich an nationalen Interessen orientiere. "Die AfD ist die CSU vor 20, 30 Jahren", sagt Geßner. "Franz-Josef Strauß wäre heute wahrscheinlich AfD-Mitglied."

Dass er sich mit dieser Aussage vermutlich Kritik und Spott von Seiten der CSU einhandeln wird, ist dem Bürokaufmann bewusst. Überhaupt, dass sich die meisten etablierten Parteien von der AfD distanzieren, daran hat er sich längst gewöhnt und akzeptiert es: "Wenn man sich für die AfD entscheidet, ist einem klar, dass die anderen komplett gegen einen sind", sagt Geßner. "Damit rechnen wir."

Gewalt ist tabu

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Angesprochen auf die rechtsextremen Strömungen innerhalb seiner Partei, erklärt Geßner: "Wir haben eine klare Grenze. Und das ist die Gewaltgrenze. Wer aufruft zu Gewalt, der wird ausgeschlossen." Der 34-Jährige verlangt von seinen politischen Gegnern einen fairen Umgang mit der AfD, weil es seinem demokratischen Verständnis entspreche, andere Meinungen zuzulassen. Sofern etwa bei AfD-Veranstaltungen Bürger oder Organisationen "für uns oder auch gegen uns" demonstrieren, "ist das natürlich in Ordnung. Aber es müssen friedliche Proteste sein", fordert er.

Zum Thema Ausländerfeindlichkeit und Rassismus sagt der Maßbacher, dass er Menschen wegen ihrer Herkunft nicht verurteile. Er will aber ein klar geregeltes Einwanderungsgesetz und unbedingt verhindern, dass durch "unkontrollierte Zuwanderung" der Sozialstaat ausgenutzt werde. Das Asylrecht für politisch Verfolgte bliebe davon unberührt, es gehe jedoch darum, genauer hinzuschauen, wer ins Land kommt.

Ausländer, die aus wirtschaftlichen Gründen ins Land wollen, müssten bestimmte Voraussetzungen erfüllen, fordert er. "Wenn jemand einen Job will in Deutschland: kein Problem. Aber da muss man festlegen: Was muss er können? Welche Fähigkeiten muss er mitbringen?" Dies müsse klar definiert und auch überprüft werden. In Ländern wie Kanada oder den USA sei das normal, auch in Deutschland solle so verfahren werden. Wichtig sind ihm dabei "sichere Grenzen". Ob er die Zuständigkeit dafür bei Bayern sehe? "Wenn der Bund der Aufgabe nicht nachkommt, kann es auch das Land machen", sagt er.

Es gibt aber auch die klassischen Themen, die Geßner, sollte er in den Landtag einziehen, abarbeiten will: Schnelles Internet, Bürokratieabbau vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen, bezahlbarer Wohnraum. Auch das Problemfeld Rente hat er auf der Agenda. Obwohl die Rente eigentlich ein Bundesthema ist, will die AfD sie auf Länderebene bearbeiten: Im Programm der Partei ist laut Geßner eine Bayernrente vorgesehen. "Wer 20 Jahre in Bayern gelebt und hier Steuern bezahlt hat", sollte einen Anspruch auf eine vom Freistaat bezahlte Rente in Höhe "von mindestens 1300 Euro haben", erklärt er.

Rundfunkgebühren abschaffen

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Auch hat es sich die AfD zur Aufgabe gemacht, die Rundfunkgebühren abzuschaffen, wie Geßner weiter ausführt: "Das ist auch über die Länder möglich." Die staatlichen Rundfunkanstalten müssten sich dann, so der Bürokaufmann, über Werbeeinnahmen oder Abomodelle finanzieren, wie es in der freien Wirtschaft üblich sei.

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