Limbach
Papst-Rücktritt

Papst-Rücktritt : "unfassbare Meldung"

Überraschend verkündete Papst Benedikt XVI. seinen Rücktritt. In einer Umfrage unserer Zeitung nehmen Menschen aus der Region Stellung zur Entscheidung des 85-jährigen Joseph Ratzinger.
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Joachim Stapf
Joachim Stapf
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Joachim Stapf, Diakon in Eltmann, musste erst einmal seine Gedanken sortieren, nachdem er wenige Minuten zuvor erst die Nachricht über den bevorstehenden Papst-Rücktritt gehört hatte. "Es ist eine unfassbare Meldung", sagt er. "Ich musste mich erstmal vergewissern, dass es kein Scherz ist." Also hat er Radio Vatikan eingeschaltet, die Meldung bestätigte sich.

Über die Gründe des Rücktritts kann er nur mutmaßen: Der Papst habe womöglich gesundheitliche Probleme und gemerkt, dass es ihm schwer falle, sein Amt auszuüben. "Und man hat ja gesehen, wie sich sein Vorgänger abgeplagt hat", erinnert er an Johannes Paul II., der als Benedikts Vorgänger trotz schwerer Krankheit bis zum bitteren Ende als Pontifex weitergemacht hat.
"Man hat sich da auch gefragt, ob das nötig ist." Jedenfalls habe er "großen Respekt" vor der Entscheidung.

Für Ottmar Pottler, Pfarrer im Ruhestand und Priester in Limbach, ist der Rücktritt ein "Paukenschlag. Er war ein großer Papst, ich habe ihn sehr verehrt", sagt er über Benedikt XVI.

Pottler glaubt, dass der Papst gespürt habe, dass der Schritt notwendig sei, dass er eine klare Entscheidung treffen wollte, bevor es gesundheitlich schlechter um ihn stehe. Und das respektiere er. "Die Kirche wird nie untergehen", sagt er über die Zeit nach Benedikt XVI. "An Ostern werden wir einen neuen Papst haben." Wer das sein könnte, wisse noch niemand. Vielleicht wird es ja "ein schwarzer Papst sein aus Afrika". Pottler jedenfalls könnte es sich vorstellen.

Generalvikar zeigt Verständnis
Im Bistum Würzburg, zu dem der Landkreis Haßberge mit einem Großteil seiner Pfarreien und Pfarreiengemeinschaften gehört, sorgte die Nachricht über Ratzingers Entschluss für Aufregung. Überraschend war für Generalvikar Karl Hillenbrand der Rücktritt, weil man gesehen habe, dass die körperliche Belastbarkeit des Papstes zwar nicht mehr die beste sei, Benedikt XVI. aber gleichzeitig geistig voll präsent sei, heißt es in einer Mitteilung des Bistums. "Von daher hat sich der Gedanke an einen Rücktritt des Papstes für mich nicht nahegelegt."

Hillenbrand erinnert aber daran, dass Papst Benedikt vor wenigen Jahren selbst formuliert habe, dass, wenn ein Papst zur klaren Erkenntnis komme, dass er physisch, psychisch und geistig den Auftrag seines Amtes nicht mehr bewältigen könne, er ein Recht und unter Umständen auch eine Pflicht habe zurückzutreten. "Hier hat sich Papst Benedikt XVI. auch in der Pflicht gesehen", betonte der Generalvikar.

Bischof Friedhelm Hofmann zeigte sich vom Papst-Rücktritt "sehr, sehr überrascht", hält den Schritt aber für mutig.

"Er war prima"
Auch die Bürger im Landkreis Haßberge beschäftigt der angekündigte Papst-Rücktritt. Bernd Krines etwa findet es schade, dass Benedikt XVI. aufhören will. "Er war prima! Seine Ausdrucksweise und sein Charisma fand ich super, auch die Einstellung zur Kirche, zur Umwelt, zu den anderen Gläubigen..." Der 66-Jährige kann sich gar nicht vorstellen, dass ein Papst freiwillig aufhört: "Das ist ganz neu für mich, dass ein Papst überhaupt zurücktritt."

Hubert Heusinger (54) findet es gut, dass ein Deutscher Papst war. Aber "wenn der Papst meint, es geht nicht mehr, soll er zurücktreten."
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