Obertheres
Planungen

Obertheres bekommt eine neue Mitte

Der Gemeinderat Theres billigte den Entwurf für das Umfeld Turnhalle, Schule, Kindergarten. Dazu ein Kommentar von Ulrike Langer.
Artikel drucken Artikel einbetten
Der Gemeinderat Theres bekam auch die Pläne zur Gestaltung des Platzes vor dem neu entstehenden Dorfgemeinschaftshaus mit Turnhalle in Obertheres  in seiner Sitzung vorgestellt. Ulrike Langer
Der Gemeinderat Theres bekam auch die Pläne zur Gestaltung des Platzes vor dem neu entstehenden Dorfgemeinschaftshaus mit Turnhalle in Obertheres in seiner Sitzung vorgestellt. Ulrike Langer
+2 Bilder

Die Zeichen stehen gut, dass die Neugestaltung des Umfelds der Turnhalle, der Schule und des Kindergartens in Obertheres nächstes Jahr in Angriff genommen wird. Allerdings diskutierte der Gemeinderat Theres in seiner Sitzung am Mittwochabend erst einmal zwei Stunden lang über die seiner Meinung nach zu hohen Kosten der Entwurfsplanung des Büros Perleth aus Schweinfurt, die rund 1,2 Millionen Euro betragen.

Zu der Sitzung war auch der Vorstand der Teilnehmergemeinschaft Dorferneuerung Theres mit Gerald Kolb vom Amt für Ländliche Entwicklung (AfLE) an der Spitze geladen, weil dieser den eigentlichen Beschluss zur Annahme der Planung fällen musste. Zunächst aber stellte André Lohmann vom Büro Perleth die Detailplanung vor. Sie sieht eine Neugestaltung des Pausenhofs vor der Schule und der Alice-von-Swaine-Straße sowie die Gestaltung des Platzes vor der Turnhalle und die Anlage eines kleinen Spielplatzes mit einem Minispielfeld, einer Boule-Bahn und eines Mehrgenerationenparcours sowie eines Parkplatzes vor. Gegenüber der 2017 vorgestellten Entwurfsplanung sind unter anderem weniger Flächen versiegelt, eine ausreichende Entwässerung vorgesehen, die Parkplätze größer dimensioniert und die Kosten, wenn auch nur geringfügig, reduziert. Der gesamte Raum besteht aus gepflasterten und asphaltierten Flächen sowie Plätzen, die eine wassergebundene Decke erhalten. Gestaltet wird der nördliche Teil durch bestehende und neue Bäume, ein großes Schattendach, Sitzgelegenheiten, ein Hochbeet und einen Chillout-Bereich. Das Gelände im Süden wird mit begrünten Hügeln neu modelliert, wobei auch Aufenthaltsmöglichkeiten, Lernbereiche und Blumenwiesen vorgesehen sind. Vor der Turnhalle beziehungsweise dem Dorfgemeinschaftshaus werden 18 Kfz-Stellplätze, acht für die Kindertagesstätte, sechs für die Schule und vier freie Plätze, angelegt. Hinzu kommen Abstellmöglichkeiten für Fahrräder und Ladestationen für E-Bikes. Der Platz kann auch als Festplatz genutzt werden.

Die Diskussion entzündete sich letztendlich an den Kosten von 1,2 Millionen Euro. Auch wenn Gerald Kolb zunächst erklärte, dass 65 Prozent der Kosten für den Pausenhof sowie alle weiteren Kosten mit 70 Prozent gefördert würden und es keine Höchstgrenze gebe. Einige Gemeinderäte meinten, dass man sich das nicht leisten könne; andere waren enttäuscht, dass nicht mehr Kosten eingespart wurden. Außerdem monierte Heinz Stützlein, dass in die Dorferneuerung in Buch noch kein einziger Euro investiert wurde, die Bürger lediglich in Eigenleistung einige Projekte umgesetzt hatten.

Debattiert wurde auch, inwiefern Gelder eingespart werden können und ob Teile des Projekts gar nicht oder später umgesetzt werden sollen. Erst als Bürgermeister Matthias Schneider (CSU) bei der Berechnung der Kosten für die Gemeinde von Gerald Kolb die Zahlen genannt bekam, zeichnete sich eine Mehrheit dafür ab, das Projekt wie vorgestellt zügig umzusetzen. Denn die Gelder des Amtes stehen nur im Doppelhaushalt 2019/2020 zur Verfügung. Letztendlich muss die Gemeinde Theres für das Gesamtprojekt rund 328 00 Euro finanzieren. Wobei darin auch rund 40 000 Euro enthalten sind, die die Gemeinde Theres indirekt über den Haushaltsplan der Verwaltungsgemeinschaft Theres finanzieren muss und die eigentlich Beschlusssache der Verbandsversammlung sind. Da heuer 50 000 Euro und 2020 dann 450 000 Euro für die Dorferneuerung Theres im Haushalts- und Finanzplan enthalten sind, ist die Finanzierung auch kein Problem.

Bürgermeister Matthias Schneider erklärte, dass damit die Dorferneuerung in Obertheres beendet sei. Schließlich müsse auch noch der Abbruch der jetzigen Turnhalle bezahlt werden. Dieter Fischer, örtlicher Beauftragter der Teilnehmergemeinschaft (TG), erläuterte, dass die Bürger sicher auch Eigenleistungen erbringen würden. Am Ende beschloss die TG, die Entwurfsplanung anzunehmen. Die spätere Bauausführung soll in Absprache mit der Gemeinde gegebenenfalls in mehreren Bauabschnitten erfolgen. Kolb wurde beauftragt, die planrechtliche Genehmigung durch das AfLE herbeizuführen, und ermächtigt, die entsprechende Kostenvereinbarung zwischen der TG und der Gemeinde abzuschließen.

In der Sitzung des Gemeinderats am Mittwochabend stimmte das Gremium zu, sich wie die Gemeinde Gädheim am kommunalen Energieeffizienz-Netzwerk zu beteiligen. Das Förderprogramm "Energieberatung und Energieeffizienz-Netzwerke für Kommunen und gemeinnützige Organisationen" wird vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) gefördert. Energieeffizienz-Netzwerke sollen einen erheblichen Beitrag zur Steigerung der Energieeffizienz leisten, um insbesondere die Reduktion der Kohlendioxid-Belastungen und damit das Erreichen der Klimaschutzziele zu unterstützen. Hierfür werden jährlich vier moderierte Netzwerktreffen durchgeführt, in denen ein professioneller Erfahrungsaustausch zu energiespezifischen Fachthemen mit den anderen Netzwerkteilnehmern stattfindet. Zudem erfolgt eine kommunenspezifische, energietechnische Beratung. Diese kann zum Beispiel folgende Themen umfassen: Energieeinsparung bei der Straßenbeleuchtung, Kaltwärmenetze, Photovoltaikanlagen, kommunaler Energieeffizienzcheck, energetische Gebäudesanierung und Neubauten, Effizienzsteigerung auf Kläranlagen, Fördermittelberatung und Unterstützung bei der Beantragung sowie technische Umsetzungsbegleitung.

Wie Bürgermeister Matthias Schneider mitteilte, haben zusammen mit dem Landkreis Schweinfurt 39 Kommunen im Bereich der Überlandzentral (ÜZ) Mainfranken gegenüber dem BAFA ihr Interesse an der Teilnahme bekundet. Sie wurden in vier Energieeffizienz-Netzwerke eingeteilt. Dafür wurden die von der ÜZ Mainfranken beantragten Förderbescheide bereits zugestellt. Die gesamte Förderhöhe beläuft sich auf rund eine Million Euro über die Laufzeit von drei Jahren. Die Kosten für die Erbringung der Leistungen werden im ersten Jahr zu 70 Prozent und in den beiden folgenden Jahren zu jeweils 50 Prozent vom BAFA bezuschusst. Netzwerkmanager ist die ÜZ Mainfranken. Sie wird in der energietechnischen, unabhängigen Beratung vom Institut für Energietechnik an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden unterstützt.

Als mögliche Projekte nannte Schneider die energetische Sanierung des Kindergartens in Untertheres, die LED-Straßenbeleuchtung in Horhausen oder Buch, die Wärmeversorgung von Baugebieten. Auch könnte die Frage, wie das Blockheizkraftwerk für die Schule und die Kindertagesstätte, aber auch für das neue Dorfgemeinschaftshaus und die Turnhalle in Obertheres künftig genutzt werden soll, geklärt werden.

Der Eigenanteil der Gemeinde Theres beträgt für das Netzwerkmanagement und die Moderation im ersten Jahr 720 Euro und in den beiden folgenden Jahren 1180 und 1187 Euro. Für eine energietechnische Beratung werden im ersten Jahr 240 Euro und in den beiden folgenden Jahren jeweils 400 Euro pro Tag fällig.

Bürgermeister Matthias Schneider informierte den Gemeinderat auch über die Bürgerversammlungen in Obertheres und Untertheres und erläuterte die Wünsche der Bürger. Außerdem berichtete er über die Projekte der Allianz Main & Haßberge. So haben die Mitgliedskommunen außer der Stadt Haßfurt nun ein Büro mit der Prüfung der elektrischen Anlagen und sämtlicher Betriebsmittel sowie ein Büro für die sicherheitstechnische Betreuung im Bereich Arbeitssicherheit beauftragt.

Im Folgenden ein Kommentar von Ulrike Langer:

Eine gute Diskussion kann eine schlechte Vorbereitung nicht ersetzen, sie entsteht vielmehr oft erst aus den fehlenden Informationen. So tauschten die Mitglieder des Gemeinderats Theres einschließlich des Bürgermeisters erst einmal zwei Stunden lang sachliche und emotionale Argumente für und wider die neue Gestaltung des Umfelds der Turnhalle, der Schule und des Kindergartens in Obertheres im vorgestellten Umfang aus, bevor sie mit den Fakten konfrontiert und damit beruhigt wurden. Doch Diskussionen ohne ausreichende sachliche Entscheidungsgrundlagen kommen im Gemeinderat Theres immer wieder vor.

Hatte zunächst eine sehr hohe Summe - 1,2 Millionen Euro - an Gesamtkosten im Raum gestanden, errechnete Bürgermeister Matthias Schneider erst am Ende der Diskussion die tatsächliche Belastung der Gemeinde von 328 000 Euro. Kosten, die im Haushaltsplan enthalten sind und finanziert werden können. Wobei darin auch 40 000 Euro enthalten sind, die die Gemeinde Theres über den Haushaltsplan der Verwaltungsgemeinschaft Theres finanzieren muss und die eigentlich Beschlusssache der Verbandsversammlung sind. Hätte diese Berechnung gleich im Vorhinein auf dem Tisch gelegen, was bei einem so großen und wichtigen Projekt selbstverständlich hätte sein müssen, hätte man sich viel Energie und Zeit sparen können. Wobei dieses Mal die Verantwortung auch beim Amt für Ländliche Entwicklung in Person von Gerald Kolb lag. Denn er hatte die tatsächlichen Zuschüsse des Amtes bereits ausgerechnet, ohne sie dem Gremium rechtzeitig vorzulegen.

Insgesamt wäre es wünschenswert, wenn der Gemeinderat bei großen, bedeutenden Investitionen auch zuvor umfassend informiert werden würde.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren