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Oberschwappacher enttäuscht vom Bistum Würzburg: Frust und Verfall im Gotteshaus

Die Oberschwappacher sind enttäuscht: Das Bistum Würzburg stoppte kurzerhand die umfassende Sanierung ihrer Dorfkirche. Wann es weitergeht ist ungewiss. Währenddessen verursacht die bereits angeschaffte Orgel hohe Lagerkosten.
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Eine von vielen Sanierungsmaßnahmen in der Oberschwappacher Kirche ist der Rückbau der Empore. Diesen Ausblick von der oberen Empore wird es dann nicht mehr geben.
Eine von vielen Sanierungsmaßnahmen in der Oberschwappacher Kirche ist der Rückbau der Empore. Diesen Ausblick von der oberen Empore wird es dann nicht mehr geben.
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2021 feiern die Oberschwappacher das 300. Jubiläum ihrer Kirche Sankt Barbara. Bis zu diesem Stichtag sollte das Gotteshaus in neuem Glanz erstrahlen. Bereits vor fünf Jahren, so Organist Udo Vogt, fragte die Kirchenverwaltung die Diözese Würzburg an, ob umfassend saniert werden könne. "Würzburg sah das genauso und die Vorarbeiten konnten beginnen", sagt er. Es wurden Gutachten erstellt, ein Architekt beauftragt, Zuschüsse und Förderungen bewilligt. Von der Diözese wurden für die Jahre 2019 und 2020 je 200 000 Euro zugesichert. Auch die Gemeinde Knetzgau beteiligte sich mit 80 000 Euro. Zuletzt waren es auch die Bürger, die das Projekt durch Spenden mitfinanzierten. So haben sie zum Beispiel Socken gestrickt und auf dem Weihnachtsmarkt verkauft.

Dann der Schock: "Im Mai kam die Nachricht, die Kirchenrenovierung sei auf weiteres vom Tisch", so Vogt. Der Grund: Ab dem 1. August 2019 tritt im Bistum Würzburg ein dreijähriges Bau-Moratorium in Kraft. Die Fassungslosigkeit der Bürger sei laut Vogt noch immer spürbar.

Auch für Bürgermeister Stefan Paulus kam der Sanierungsstopp völlig unerwartet: "Noch im Herbst 2018 wurde uns mitgeteilt, dass in zwei Bauabschnitten saniert werden könne. Dann kam überraschend die Mitteilung, dass die Sanierung nicht erfolgen könne, obwohl aus unserer Sicht mit der Sanierung bereits begonnen wurde."

Die Kirchenverwaltung vor Ort habe vom Bau-Moratorium zuerst über Dritte erfahren, so Vogt, und auch die Gemeinde Knetzgau sei nicht informiert worden. Die Unsicherheit stieg. "Sorgen waren da, auch, ob wir die Spenden der Leute zurückzahlen sollen."

Nachdem auf die Briefe von Kirchenverwaltung und Pfarrgemeinde keine Antwort der Diözese erfolgt sei, habe sich Paulus der Sache angenommen. "Als unsere beiden Schreiben nicht vernünftig beantwortet wurden, informierten wir die Öffentlichkeit", sagt Paulus.

Bernhard Schweßinger, Sprecher der Diözese Würzburg, weißt die Anschuldigungen zurück und teilt mit, dass die Diözesenbaukommission diesen Fall bereits am 17. Mai 2019 entschieden und damals die Zurückstellung der Sanierung der katholischen Kirchenstiftung mit folgenden Worten mitgeteilt habe: "Die Innenrenovierung der Kirche macht erst Sinn, wenn der diözesane Zuschuss für die Maßnahme komplett angespart ist. Dies ist in Anbetracht der derzeitigen Lage nicht möglich. Deshalb wird die Maßnahme vorerst zurückgestellt."

Der Einspruch der Kirchenstiftung gegen diesen Beschluss der Baukommission wurde, so Schweßinger, zurückgewiesen mit dem Hinweis, dass die Renovierung nicht vollständig abgelehnt wurde, sondern nur auf einen späteren Zeitpunkt verschoben wurde. Er stellt klar: "Für den Orgelkauf hat die Diözese Würzburg einen Zuschuss von 2000 Euro gegeben." Auch für die Planerleistungen seien bisher 12 000 Euro seitens der Diözese investiert worden.

Schlechter Zustand der Kirche

Nicht ohne Grund pochen die Oberschwappacher so auf die Sanierung ihrer Dorfkirche: Seit 1976 gab es keinen Anstrich mehr, die Heizungsrohre sowie die Stromleitungen sind aus den 50er Jahren, wie Vogt berichtet. "Die marode Heizung hatte dann auch noch im Altarraum ein Leck, was nur notdürftig repariert wurde. Aber das Loch im Boden blieb, denn die Innenrenovierung kommt ja eh - dachten wir." Auf Anraten des Ordinariats sollten auch die zweite Empore zurückgebaut und die Orgel abgebaut werden. So wurde vor drei Jahren eine gebrauchte Steinmeyer-Orgel für 9000 Euro gekauft - die Einlagerungskosten belaufen sich auf 3000 Euro. "Uns wäre sehr wichtig, dass die Kosten für die Einlagerung der Orgel übernommen werden, denn diese betragen 1000 Euro im Jahr, das ist für eine kleine Pfarrgemeinde wie Oberschwappach sehr viel Geld", sagt der Bürgermeister.

"Es wäre schön, wenn wir in irgendeiner Form eine verbindliche Zusage erhalten und einen konkreten Zeitpunkt genannt bekommen", äußert sich Vogt. Denn momentan könne man wieder nur mutmaßen. Die jüngsten Informationen stammen aus einem Interview, so Paulus. Generalvikar Thomas Keßler habe sich dort in einem Beitrag des Bayerischen Rundfunks vorsichtig positiv geäußert: "Er sagte, dass Oberschwappach nach Ablauf des Moratoriums wieder dabei sei, saniert zu werden. Diese Aussage im Radio war für uns etwas positiver, als das was wir bisher von Herrn Keßler erhalten", sagt der Bürgermeister. "Aufgrund dieser Radioaussage habe ich ihm vor Weihnachten nochmals einen Brief geschrieben und ihm mitgeteilt, dass ich seine Aussage gegenüber dem BR so werte, dass nach Ablauf des dreijährigen Moratoriums die Sanierung fortgesetzt werden kann."

Auch anderen Gemeinden geht es ähnlich: "Es gibt ein paar solcher Fälle, die sich jetzt mit uns zusammen tun", deutet Vogt an. Paulus bestätigt: "Ja wir stehen in Kontakt mit einer Kirchengemeinde aus der Nähe von Aschaffenburg." Wenn sich die Situation nicht verbessere, sei es das Ziel, gemeinsam beim Bistum aufzutreten.

Schweßinger möchte die Oberschwappacher beruhigen: "Die bereits genehmigten 200 000 Euro bleiben angespart für die Sanierung." Das sei ein klares Zeichen, dass die Sanierung der Pfarrkirche weiterhin in Planung ist. Wann genau es weitergeht, das bleibt aber ungewiss.

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