Haßfurt
Drogenprozess

Nur eine Kleinigkeit oder ein hochgefährlicher Stoff?

Das Amtsgericht in Haßfurt verurteilte eine 25-Jährige wegen eines Rauschgiftdelikts zu einer geringen Geldstrafe.
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Schon der Besitz einer kleinen Menge Rauschgift kann großen Ärger verursachen. Im Geldbeutel einer 25-jährigen Frau fand die Polizei ein Tütchen mit brisantem Inhalt: 0,97 Gramm Crystal. Der Stoff ist in einschlägigen Kreisen als euphorisierende und stimulierende Rauschdroge beliebt. Das Haßfurter Amtsgericht verhängte gegen die nicht vorbestrafte Frau eine niedrige Geldstrafe von 150 Euro.

Bei der Verhandlung ging es darum, was sich am 7. Juni 2018 nachts um halb zwölf Uhr in der Kreisstadt ereignet hatte. Damals fuhr die Angeklagte mit ihrem Auto zu ihrem Wohnort im Maintal, obwohl sie durch den Konsum von Drogen offenbar benebelt war. Dafür kassierte sie seinerzeit bereits ein Fahrverbot. Bei der Durchsuchung der Fahrerin kam dann noch das besagte Tütchen zum Vorschein. Und da insbesondere im Freistaat Bayern in Sachen Rauschgift von den Strafverfolgungsbehörden eine Null-Toleranz-Linie verfolgt wird, landete nun die Sache vor dem Amtsgericht in Haßfurt.

Die Angeklagte schilderte dem Gericht, dass für sie das vorletzte Jahr sehr belastend gewesen sei. Die Trennung von ihrem Freund und der Tod des Vaters hätten sie tief getroffen. Auch zurzeit sei sie wegen einer Depression in ärztlicher Behandlung. In Kürze werde sie eine Reha-Maßnahme antreten, um danach beruflich wieder voll einsteigen zu können. Wörtlich sagte sie: "Ich habe damals Scheiße gebaut, das wird aber nicht wieder vorkommen."

Über die juristische Bewertung der vorgefundenen Drogenmenge gingen die Ansichten von Staatsanwaltschaft und Verteidigung weit auseinander. Während Rechtsanwalt Joachim Voigt ironisch von einer "schwindelerregend hohen Menge" und sogar einer "Furzmenge" sprach, betonte Staatsanwalt Wedekind, dass es sich um einen "hochgefährlichen Stoff" handele. Der Verteidiger konnte nur schwer nachvollziehen, dass man wegen einer solchen Lappalie die Mühlen der Justiz in Gang gesetzt habe. Bei einer solchen Vorgehensweise sei es "kein Wunder, dass nichts vorangeht", machte er seinem Ärger Luft. Amtsrichterin Ilona Conver versachlichte den Disput mit dem Hinweis, dass es um "eine einzige Konsumeinheit" gehe.

Der Staatsanwalt pochte darauf, dass es sich im vorliegenden Fall um eine strafbare Handlung gehandelt habe, und forderte eine Geldstrafe von 375 Euro. Der Verteidiger unterstrich, dass seine Mandantin noch nie in ihrem Leben in Konflikt mit dem Gesetz gekommen sei. Er beantragte eine "Verwarnung mit Strafvorbehalt." Darunter versteht man nach deutschem Recht, dass ein Täter einerseits zwar verwarnt wird, andererseits aber eine genau festgelegte Geldstrafe nur dann fällig wird, falls die Person erneut straffällig wird.

Da es sich nach den Worten der Vorsitzenden trotz der geringen Menge um "eine äußerst gefährliche Droge mit hohem Suchtpotenzial" handele, ging sie nicht auf den Antrag des Rechtsanwalts ein. Stattdessen verhängte sie eine Geldstrafe im niedrigen dreistelligen Bereich von zehn Tagessätzen á 15 Euro. Da sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung darauf verzichteten, Berufung gegen den Richterspruch einzulegen, wurde das Urteil noch im Gerichtssaal rechtskräftig.

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