Ebern
Gewerbe

Nun ist Ebern dem Fleisch-Betrieb wurst

Die Abfüllanlage für "Fleisch in Flaschen" wird nicht in der Stadt gebaut. Der Projektant zieht Konsequenzen aus der öffentlichen Debatte.
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Der Vertrag ist geplatzt. Das Grundstück neben der Stadthalle in Ebern bleibt vorerst unbebaut. Foto: Eckehard Kiesewetter
Der Vertrag ist geplatzt. Das Grundstück neben der Stadthalle in Ebern bleibt vorerst unbebaut. Foto: Eckehard Kiesewetter
Nichts wird es mit der Flaschen-Abfüllanlage in der Alten Kaserne in Ebern. Die Firma Nutrition Secure Solutions (NSS), die mit der Idee "Fleisch in Flaschen" international durchstarten will und in der Stadt eine Vorzeigeproduktionsstätte errichten wollte, hat sich von Ebern abgewendet. Kein Interesse mehr an einem Kauf der Gewerbefläche neben der Frauengrundhalle, der in der Stadt so großen Wirbel ausgelöst hat.

In Ebern war die Forderung laut geworden, das Grundstück neben der Stadthalle (Frauengrundhalle) für kulturelle Zwecke freizuhalten. Die CSU hat sogar eine Unterschriftenaktion angezettelt. Nun ziehen die Hersteller des Proteingetränks die Reißleine. Das Unternehmen wird das Grundstück nicht kaufen und hat die Bauvoranfrage zurückgezogen. "Das grüne Filetstück bleibt dem Eberner Politikum" erhalten, sagt Rolf-Dieter Stumpf. Der Geschäftsführer der Eberner Firma Anwatec (Klimatechnik) ist zugleich Präsident der global aufgestellten NSS-Holding.


Sahnehäubchen statt Filetstück

Aus seiner Empörung über den Gegenwind aus Ebern macht der Geschäftsmann keinen Hehl, spricht von falschen, wenn nicht geschäftsschädigenden Behauptungen in Zusammenhang mit der Herstellung des fleischhaltigen Getränks.

Stumpf hat am Montag Bürgermeister Jürgen Hennemann, dem er ehrliches Bemühen um die Gewerbeansiedlung bescheinigt, informiert. Seinen Angaben zufolge haben mehrere Nachbarkommunen, die er nicht nennen will (im Vorfeld wurden Haßfurt und Knetzgau genannt), wesentlich attraktivere Grundstücke, "echte Sahnehäubchen", angeboten. Er sehe darin "wohltuende Nachbarschaftshilfe", nachdem die Eberner Debatte andernorts nur Kopfschütteln ausgelöst habe.

Vier mögliche Standorte habe er mit einem kanadischen Partner besichtigt. "So was Schönes," schwärmt Stumpf, "bei den Alternativen wären wir sowieso vom Kaufvertrag mit Ebern zurückgetreten". Letztlich sei er sogar glücklich über die Entwicklung. Der repräsentative Kuppelbau werde am anderen Standort besser zur Geltung kommen.


" Öffentlich torpediert"

Der Bürgermeister äußert sich in einer ersten Stellungnahme auf FT-Anfrage enttäuscht, hatte er doch auf Arbeitsplätze für Ebern gehofft: "Ich finde das sehr schade, dass es nicht klappt mit der Betriebsansiedlung, dass das eine öffentliche Diskussion verhindert hat". Vor allem kritisiert er die Art, wie diskutiert wurde: "Wenn ich eine Betriebsansiedlung haben will, darf ich sie nicht im Vorfeld derart torpedieren." Zugleich stellt er klar, das Grundstück neben der Stadthalle sei weiterhin nicht für kulturelle Zwecke reserviert, sondern bleibe Gewerbefläche.


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