Haßfurt
Strafprozess

Notoperation muss Opfer einer Schlägerei retten

Das Amtsgericht in Haßfurt vertagte die Verhandlung zu einer üblen Attacke gegen einen 44-Jährigen. Weitere Zeugen sollen Klarheit bringen.
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Der Besuch einer Silvesterparty am frühen Morgen des Neujahrstags 2017 in einem Vereinsheim im Steigerwald endete für einen heute 44-jährigen Familienvater im Krankenhaus. Er wurde zusammengeschlagen und getreten, musste in der Universitätsklinik in Würzburg notoperiert werden und leidet bis heute an den Folgen der brutalen Tat.

Am Freitag saß sein mutmaßlicher Peiniger auf der Anklagebank des Amtsgerichts in Haßfurt, wo er sich wegen vorsätzlicher Körperverletzung verantworten musste. Vor Gericht wies der 26-jährige Arbeiter die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft von sich. Er sei damals mit freiem Oberkörper in dem Vereinsheim gewesen, als er im Rücken durch eine brennende Zigarette einen Stich bekam. Als er sich herumdrehte, stand ihm der 44-Jährige gegenüber. Es sei zu einer kurzen Auseinandersetzung mit einer Schubserei gekommen, die jedoch schnell von anderen Partygästen beendet wurde. Getreten oder geschlagen habe er nicht, gab der Angeklagte zu Protokoll.

Ganz anders lautete die Aussage des Opfers, der vor Gericht als Nebenkläger mit seinem Anwalt Willy Marquardt auftrat. Er sei damals mit seiner Frau und seiner damals 13-jährigen Tochter an der Bartheke des Vereinsheims gestanden und habe auf einen Drink gewartet, zu dem er zuvor von anderen Partygästen eingeladen worden war. Der Angeklagte sei hinzugekommen, habe seinen Arm um die 13-Jährige gelegt und habe mit ihr geflirtet. Der Aufforderung des Vaters, dies zu lassen, sei er nicht nachgekommen. Als er den 26-Jährigen mit seiner Zigarette unabsichtlich am Oberkörper berührte, habe sich der Angeklagte blitzschnell umgedreht und ihm mit der Hand den Kopf auf den Tresen geschlagen, worauf er benommen gewesen sei, sagte der Geschädigte. Anschließend habe der Angeklagte auf ihn eingeschlagen und getreten, auch als er am Boden lag. Von den Füßen bis zum Kopf sei er getreten worden, als er mit dem Bauch nach unten auf dem Boden lag.

Seine Frau habe die Polizei gerufen, da überall Blut war, fuhr er fort. Durch Tritte gegen sein Knie sei die Kniescheibe herausgesprungen, die er dann selbst wieder eingerenkt habe. Keiner der Umstehenden habe ihm geholfen. Er sei "selber schuld", sei ihm gesagt worden. Andere Partygäste seien sogar auf seine Frau losgegangen, die sich schützend vor ihn gestellt habe, und hätten sie angeschrien. Das Blut sei ihm aus der Nase geschossen. Am ganzen Körper habe er blaue Flecken gehabt. Der Schuhabdruck sei auf seiner linken Wange sichtbar gewesen, und das Gesicht war zugeschwollen. Drei Tage habe er im Krankenhaus verbracht, rund sechs Wochen sei er krankgeschrieben gewesen. Lange habe er nicht laufen oder Fahrradfahren können. Lange stehen könne er bis heute nicht. Bis heute habe sich der Angeklagte nicht bei ihm entschuldigt, geschweige denn, Schmerzensgeld bezahlt.

Auch die Frau des Opfers erhob schwere Vorwürfe gegen den Angeklagten und andere Partygäste. Der 26-Jährige habe ihren Mann "überall getreten". Überall sei Blut gewesen. "Hör auf zu treten! Er bewegt sich nicht mehr", habe sie geschrien und den Notruf 110 gewählt. Die Stimmung gegen sie sei aggressiv gewesen. "Du machst das Sportheim kaputt", habe man sie beschuldigt. Sie sei "streitsüchtig" und gehöre in die "Klapse". Sie habe Angst gehabt und das Telefonat mit der Polizei laufen lassen, bis eine Streife eintraf.

Der damalige Vorsitzende des Vereins und dessen Frau gaben im Zeugenstand an, von der Auseinandersetzung nichts mitbekommen zu haben. Auch nach der - für ihn belastenden - Beweisaufnahme blieb der Angeklagte, der ohne Anwalt erschienen war, dabei, dass er unschuldig sei. Zudem habe er damals schwarze Schuhe angehabt, während die Zeugen behauptet hatten, er habe mit weißen Turnschuhen zugetreten. Die Hauptverhandlung wurde auf den 29. November um 13.30 Uhr vertagt, da noch weitere Zeugen gehört werden sollen.



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