Ebern
Globus-Gourmet

Norbert Gaisbauer - Botschafter der fränkischen Bratwurst

Der aus Ebern stammende Norbert Gaisbauer genießt bei seinen Reisen als Kameramann in der ganzen Welt seine Lieblingsspeise aus der Heimat - und dreht dazu jeweils einen lustigen Video-Clip im urigsten Dialekt.
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Da bedient natürlich die Chefin: Marion Hümmer (links) freut sich über ihren überzeugten und weit gereisten Werbeträger Norbert Gaisbauer, der die Bratwürste der Höchstädtener Metzgerei weltweit "vertreibt" und bewirbt. Foto: Ralf Kestel
Da bedient natürlich die Chefin: Marion Hümmer (links) freut sich über ihren überzeugten und weit gereisten Werbeträger Norbert Gaisbauer, der die Bratwürste der Höchstädtener Metzgerei weltweit "vertreibt" und bewirbt. Foto: Ralf Kestel
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Er kommt viel rum in der Welt. Der aus Ebern stammende Norbert Gaisbauer (52) hat den ganzen Globus schon mehrfach bereist. Neben Film- und Fotokamera hat er als besonderen Spleen stets ein Schmankerl im Reisegepäck: Bratwürste aus Ebern nach Coburger Art. Ein Gespräch mit dem Bratwurst-Botschafter aus Franken, der seine Lieblingsspeise nicht nur genießt, sondern via launiger Video-Clips auch seinen Freundeskreis am Genuss teilhaben lässt. Dem Betrachter läuft das Wasser im Munde zusammen und er kugelt sich vor Lachen, wie sich Gaisbauer an seinem Reiseproviant labt.

Wussten Sie, dass der Peruaner zu Bratwürsten so gar kein Verhältnis hat, Meerschweinchen und Eichhörnchen bevorzugt? "Gaisi", wie ihn seine Freunde nur nennen, erklärt es in einem ebenso lustigen Video-Clip, wie er in Bangkok anderen fleischlichen Gelüsten der käuflichen Damen widersteht und stattdessen genüsslich in seine Bratwurst beißt, oder vor dem Buddha-Palast in Nepal im urigsten Fränkisch über die Beziehung von Buddhismus, Erleuchtung und Bratwurst philosophiert, dabei letztere goutiert und somit ins Reich der Sinne eintaucht.



Der Kameramann beim Bayerischen Rundfunk wurde 1962 in Haßfurt geboren, wuchs in Ebern auf, besuchte dort das Gymnasium, das er 1981 mit dem Abitur erfolgreich abschloss, ehe er in Dortmund Foto- und Filmdesign studierte.

Ab 1988 zunächst als freischaffender Fotograf und Filmemacher unterwegs, arbeitete er vorrangig für den Bayerischen Rundfunk und engagierte sich für Stiftungen wie "Stiftunglife" oder "Menschen für Menschen", die in Ländern wie Äthiopien oder Myanmar helfen.


Bewegte und bewegende Bilder
Für seine Bildbände und Filmprojekte war Gaisbauer mehrfach in der zerfallenden Sowjetunion, auf dem Balkan und dem Nil, den Philippinen, in Indien oder Kuba und quer durch Afrika unterwegs. Mehrere Bilderausstellungen in München und Berlin, Chemnitz und Gera, aber auch Jesserndorf zeugten von der Ausdruckskraft seiner Bilder und die besonderen Blickwinkel, die Gaisbauer dazu wählte.

Seine Ehefrau Kristina, die er 1999 im Eberner Rathaus geheiratet hat und mit der er zusammen mit den Töchtern am Rand der schwäbischen Alb lebt, hat Gaisbauer in Regensburg kennen gelernt - "beim Bratwurstessen", wie das Paar im Gespräch mit unserer Zeitung verriet.

Und diese Vorliebe teilt sie bis zum heutigen Tag mit ihm. "Wir haben schon die Bratwurstfüllung vom Hümmer in schwäbische Maultaschen gepackt. Ein Gedicht", schwärmt die fränkisch-schwäbische Liasion.

Ehefrau Kristina wie auch Metzgerei-Chefin Marion Hümmer schmunzeln über den missionarischen Einsatz des Produktionstechnikers an der Kamera. "Manche haben sich schon halb totgelacht, wenn ich mit meinen Bratwürst' ankomme", weiß Gaisbauer aus seinem Bekanntenkreis und Erfolge erzielte er besonders in Russland. "In St. Petersburg waren die heiß begehrt."


Diplomatische Wirkung
Die ersten Erfahrungen mit der diplomatischen Ausstrahlungskraft des wurstigen Doppelpacks aus Franken im Ausland machte "Gaisi" im Übrigen auf der Krim. "Da habe ich mir damals im Hotel am Swimmingpool noch Zürl-Bratwürst' nachbraten lassen und der Koch wollte die gleich bestellen."

Seither gehört das fränkische Leibgericht als Exportartikel zur Standardausstattung bei Auslandsreisen.
"Bei jedem Besuch der Familie in der alten Heimat, vier bis fünf Mal im Jahr, nehme ich mindestens 15 Paar mit und leg' sie in die Gefriertruhe."

Dann werden sie angebraten und eingeschweißt und landen an Orten, wo "sie keiner vermutet, beispielsweise in Bangkok", so der Fan des gebratenen Metts. "Damit ich ned vom Fleisch fall' ...", bleibt der Kameramann im Bild. Probleme bei der Zollkontrolle auf Flugplätzen hat es bei all den vielen Reisen - "ich bin wirklich oft unterwegs" - noch nie gegeben.


Mit Blindflug begonnen
Die Herzensangelegenheit, die Vorzüge der fränkischen Bratwurst nach Coburger Machart zu preisen, datiert Jahrzehnte zurück. "Das war damals eine Blindverkostung mit Würsten aus dem gesamten Altlandkreis Ebern - und alle Teilnehmer kürten die Hümmer-Bratwurst zu ihrem Favoriten", erinnert sich der Filmemacher, der schon mehrere Bücher vorgelegt hat ("Grüße aus Afrika", 2004, "Menschenbilder aus der Sowjetunion, 1990 - 1994, "Umbruch auf dem Balkan", 1998, "Havanna mi amor", 2006 und "Out of havanna", 2007). Anzusehen im Internet auf Gaisbauers Homepage: www.homeless-gallery.de.

Seit seiner Festanstellung beim Bayerischen Fernsehen hat sich die Gaisbauers Reisetätigkeit freilich etwas gelegt. "Früher war ich sechs Wochen in Afrika, jetzt bin ich für acht Stunden im Bayerischen Wald", gesteht der Wahlmünchner ein.

Beim Besuch in dieser Woche in Ebern hat er sich aber dennoch mit dem entsprechenden Bratwurst-Vorrat eingedeckt. Schließlich müssen auch in der Landeshauptstadt sowie auf der schwäbischen Alb noch einige "Ungläubige" bekehrt werden.
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