Haßfurt
Bauvorhaben

Neues Haßfurter Amtsgericht für zehn Millionen Euro

Die Kreisstadt bekommt ein mindestens zehn Millionen Euro teures neues Amtsgericht vom Justizministerium hingestellt. Noch dazu von einem der angesehensten Architekturbüros der Welt.
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Das Amtsgericht Haßfurt soll in der Nähe des Ezo-Kreisels neu gebaut werden. Am Freitag wurde bei der Vorstellung der Pläne erneut deutlich, was für ein Glücksfall das Bauvorhaben für die kleine Stadt und den Landkreis ist.  Foto: Andreas Lösch
Das Amtsgericht Haßfurt soll in der Nähe des Ezo-Kreisels neu gebaut werden. Am Freitag wurde bei der Vorstellung der Pläne erneut deutlich, was für ein Glücksfall das Bauvorhaben für die kleine Stadt und den Landkreis ist. Foto: Andreas Lösch
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Ein millionenschweres, von einem der weltweit renommiertesten Architekturbüros geplantes Gebäude mitten in der Provinz? Oder, wie es der aus Stuttgart angereiste Journalist Christian Marquart am Freitag in seiner Frage ausdrückte: "im Hinterland"?

Marquart wollte das nicht falsch verstanden wissen, Haßfurt in Ehren, aber dass es dazu kommt, dass das deutsch-spanische Architekturbüro Nieto Sobejano ein Projekt in Haßfurt verwirklicht, hält der Fachjournalist für Architektur für eine kleine Sensation. Haßfurts Bürgermeister Rudi Eck (parteilos) eher weniger. Der findet das ganze einfach nur "echt super".

Ein Glücksfall

Bei der Vorstellung der Entwurfsplanung zum Neubau des Amtsgerichts Haßfurt in der Nähe des Ezo-Kreisels wurde am Freitag im Alten Rathaus erneut deutlich, was für ein Glücksfall das Bauvorhaben für die kleine Stadt und den Landkreis ist. Das hatte auch Landrat Rudolf Handwerker (CSU) immer wieder betont. Denn Handwerker und Eck haben, wie sie sagen, nicht locker gelassen und immer wieder beim Justizministerium nachgebohrt, damit das mit dem Neubau klappt. Und zufällig wurden dann Kapazitäten frei, weil sich ein anderes Projekt verschoben hatte - die Chance für Haßfurt, denn die Stadt hatte gerade das optimale Grundstück parat. "Es hat einfach alles gepasst", sagt Handwerker.

Nun baut Nieto Sobejano, von der Online-Publikation BauNetz in der Rangliste 2013 der internationalen Architekturbüros auf Platz eins geführt, ein mit zehn Millionen Euro veranschlagtes Justizgebäude (ohne die Grundstückskosten), das sich sehen lassen kann, wie Christian Marquart glaubt: "Da werden Architektur-Touristen kommen."

Der Stadt und dem Landkreis kann das nur recht sein. Dass es bei den veranschlagten zehn Millionen Euro bleiben wird, glaubt der Landrat zwar nicht, das Projekt schätzt er insgesamt teurer ein. "Aber das kann uns ja egal sein", sagt Handwerker fast schelmisch. Denn: Der Bau wird komplett vom Justizministerium bezahlt. Noch vor der Sommerpause soll der Landtag in München um Genehmigung des Projekts gebeten werden, erklärte Innen- und Baustaatssekretär Gerhard Eck am Freitag in Haßfurt.

Und wie Justizminister Winfried Bausback (CSU) bei der Vorstellung der Entwurfsplanung in Haßfurt betonte, gibt es hier mehrere Gewinner, und zwar "die Haßfurter Justiz, die am Rand der Innenstadt ein nagelneues Amtsgericht erhält." Außerdem profitiere der Landkreis Haßberge, weil das derzeitige Gebäude Amtsgericht bald vom Landratsamt genutzt werden könne, das seit Jahren mit akuter Raumnot zu kämpfen hat. Und nicht zuletzt sei das Projekt gut für die Stadt Haßfurt, "die einen neuen städtebaulichen Akzent am östlichen Eingang zur Altstadt erhält", sagte der Minister.

Hoheitliche Gewalt

Wie Bausback weiter erklärte, muss ein Gerichtsgebäude die Dritte Gewalt angemessen repräsentieren. "Früher wurden dazu Justizpaläste erbaut - imposante Gebäude, die den Eindruck von Größe und Macht vermitteln." Das heutige Selbstverständnis der Justiz sei aber ein anderes. "Die Justiz übt hoheitliche Gewalt aus, im Dienste der Bürgerinnen und Bürger, offen und transparent", legte Bausback dar. Ein Gebäude muss Würde ausstrahlen, ohne einzuschüchtern." Es müsse beim Bürger schon vom Baulichen her Vertrauen erwecken. Und zusätzlich solle es höchsten Sicherheitsstandards genügen.

Für den spanischen Architekten Enrique Sobejano habe diese Herausforderung den Reiz ausgemacht, wie er erklärte: Ein Justizgebäude auf 4500 Quadratmetern Fläche so zu entwerfen, dass es städtebaulich tolle Akzente setze. Deswegen habe er sich am europaweiten Vergabeverfahren beteiligt. "Wir bauen nicht Shopping-Center."
Acht weitere Architekten hatten sich beworben. Im Jahr 2016 soll mit dem Bau begonnen werden, 2017 wird der Neubau bezugsfertig sein, sagt Gerhard Eck - wenn alles nach Plan läuft.
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