Haßfurt
Wechsel

Neuer Chef und neues Haus für die Haßfurter Justiz

Nachdem Wolfgang Titze bereits im Juli als Direktor des Amtsgerichts in Haßfurt verabschiedet war, wurde nun mit Holger Ebert sein Nachfolger offiziell ins Amt eingeführt. Dem Wechsel an der Spitze soll im Jahr 2017 der Umzug ins neue Justizgebäude folgen.
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Im Landratsamt Haßfurt fand am gestrigen Freitag ein feierlicher Festakt zur Verabschiedung des bisherigen Präsidenten des Amtsgerichts Haßfurt, Wolfgang Titze (zweiter von links), und der Einführung seines Nachfolgers Holger Ebert (zweiter von rechts) statt. Mit im Bild der Präsident des Landgerichts Bamberg, Friedrich Krauß (links) und der Präsident des Oberlandesgerichtes Bamberg, Clemwns Lückemann (rechts).  Foto: Ulrike Langer
Im Landratsamt Haßfurt fand am gestrigen Freitag ein feierlicher Festakt zur Verabschiedung des bisherigen Präsidenten des Amtsgerichts Haßfurt, Wolfgang Titze (zweiter von links), und der Einführung seines Nachfolgers Holger Ebert (zweiter von rechts) statt. Mit im Bild der Präsident des Landgerichts Bamberg, Friedrich Krauß (links) und der Präsident des Oberlandesgerichtes Bamberg, Clemwns Lückemann (rechts). Foto: Ulrike Langer
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Musik gehört zu jeder Feier, doch sind die Musikstücke meist schnell vergessen. Nicht so die Amtsgerichtspolka, die das Bläserquintett "X-Brass" aus Bamberg beim Festakt zur Verabschiedung des bisherigen Präsidenten des Amtsgerichts, Wolfgang Titze, und zur Einführung seines Nachfolgers Holger Ebert im großen Saal des Landratsamtes Haßberge intonierte. "Diese Melodie aus dem Abspann der Fernsehserie "Königlich Bayerisches Amtsgericht" wird mir ewig in Erinnerung bleiben", sagte denn auch Holger Ebert in seiner Rede.

Feierlich und dennoch heiter verlief die gesamte Veranstaltung vor einem hochkarätigen Publikum, zu dem Vertreter der bayerischen Justiz und der Polizei, Bürgermeister aus dem Landkreis und Landrat Wilhelm Schneider (CSU) zählten. Wolfgang Titze und Holger Ebert wandten sich mit sehr persönlichen Worten an die Zuhörer und ließen dabei Humor aufblitzen.


Gute Atmosphäre

Als "wichtiges Ereignis" für das Amtsgericht Haßfurt hatte der Präsident des Landgerichts Bamberg, Friedrich Krauß, die Feier zum Wechsel des Amtsgerichtsdirektors bezeichnet. "Hier herrscht trotz der schwierigen Raumsituation eine gute Atmosphäre und ein ausgeprägter Gemeinschaftssinn", sagte er. Dass Wolfgang Titze Mitte 2015 als Vizepräsident zum Landgericht Schweinfurt wechselte, habe er einerseits bedauert, andererseits aber auch begrüßt. Denn Titze habe die Beförderung absolut verdient. "Ich bin zudem überzeugt, dass die Leitung des Amtsgerichts Haßfurt bei Holger Ebert in guten Händen liegt", betonte er.

Der Präsident des Oberlandesgerichts Bamberg, Clemens Lückemann, würdigte zunächst die Bedeutung der Amtsgerichte. Denn als hochmoderne Dienstleistungszentren deckten sie ein breites Aufgabenspektrum für praktisch alle Wechselfälle des Lebens ab und erledigten jedes Jahr Abertausende von Verfahren qualitativ hervorragend, effizient und zügig. Die Justiz benötige aber auch angemessene Gebäude.

"Sie müssen Offenheit, Sachlichkeit, zu respektierende Autorität einer Staatsgewalt, Menschlichkeit und Würde ausstrahlen, aber auch die bestmöglichen Arbeitsbedingungen und die bestmögliche Sicherheit bieten", so Lückemann. Dies alles werde auf das im Bau befindliche neue Amtsgericht in Haßfurt nach Plänen des renommierten Architekturbüros Nieto Sobejano mit Sitz in Madrid und Berlin zutreffen. "Vielleicht spricht man bald von einer architektonischen Linie Madrid - Haßfurt - Berlin oder nennt das Amtsgericht Haßfurt in einem Zug mit anderen Projekten wie beispielsweise dem Zentrum für zeitgenössische Kunst in Córdoba, Spanien", sagte Lückemann.

Mit der für Frühjahr 2017 geplanten Fertigstellung des neuen, knapp elf Millionen Euro teuren Amtsgerichts erhalte die Bayerische Justiz ein modernes, helles, transparentes dreigeschossiges Gebäude. Dass der Bau bislang völlig reibungslos verlaufe, liege nicht zuletzt an der Unterstützung und dem sehr guten Verhältnis zur Stadt und zum Landratsamt Haßfurt. Lückemann nutzte die Gelegenheit, sich bei Landrat Wilhelm Schneider (CSU) und Bürgermeister Günther Werner (FW) sowie deren Vorgängern zu bedanken.


Vorbildliche Kräfte

Dem Anlass entsprechend würdigte er Wolfgang Titze, der fünf Jahre als Amtsgerichtsdirektor in Haßfurt gewirkt hatte, als Menschen mit einem "hohen Pflichtbewusstsein, wachem Verstand, kompetentem Urteilsvermögen, vorbildlicher Berufsauffassung und praktisch grenzenloser Einsatzbereitschaft". Er hob auch dessen Engagement im Rahmen der Planung, Durchsetzung und Begleitung der Startphase des Neubaus des Amtsgerichtsgebäudes hervor. Auch Holger Ebert habe sich schon in zahlreichen Positionen bewährt. Wie ein roter Faden ziehe sich durch seine bisherige Karriere seine besondere Fähigkeit, sich mühelos in neue Aufgabenfelder einzuarbeiten. Hinzu kämen ein ruhiges, freundliches und gewinnendes Wesen und eine Teamfähigkeit, die ihn in besonderem Maß zur Menschenführung befähige.

Wolfgang Titze gab zu, dass ihm die Laudatio von Clemens Lückemann die "Schamesröte ins Gesicht" getrieben habe. Er lobte seinerseits die Mitarbeiter des Amtsgerichts, die alle "vollen Einsatz" erbrächten und ihm ans Herz gewachsen seien, und den Landkreis, der sich allen Herausforderungen stelle. "Meine Erfahrungen zeigen, dass man auch im Kleinen etwas Wichtiges bewirken kann", verwies er auf das "kleine" Amtsgericht Haßfurt mit nur fünf Richterstellen. "Auch hier werden wohlüberlegte Entscheidungen in angemessener Zeit getroffen", sagte er.
Als Behördenleiter habe er ein neues Sicherheitskonzept erarbeiten müssen, viele Änderungen vorangebracht und vor allem an der Verwirklichung des Neubaus mitgearbeitet. "Auch wenn die Haßfurter dem Entwurf noch nicht mit viel Liebe gegenüberstehen, wird sich das sicher noch ändern. Denn der Entwurf ist gelungen", so seine Worte. Ihm falle es schwer, den Neubau nicht mehr beziehen zu können, doch er habe sich neuen Aufgaben stellen wollen.


Ein "Teamplayer"

Der neue Präsident des Amtsgerichts Haßfurt, Holger Ebert, bezeichnete es als Glückfall, dass er in seinem neuen Amt nun klassische Spruchrichtertätigkeiten mit Verwaltungstätigkeiten verbinden könne. Für ihn sei es noch zu früh, mitzuteilen, was er ändern wolle. Aber er freue sich besonders auf den Umzug in das neue Amtsgerichtsgebäude im Sommer 2017. "Ich bin in Haßfurt gut aufgenommen worden und fühle mich hier sehr wohl", sagte er und verwies darauf, dass es sich als Teamplayer sehe und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern anstrebe. "Mein Gesamteindruck ist: es passt scho", verwendete er das größte, ausschweifendste und blumigste" fränkische Lob.


Zu den Personen:

Der in Nürnberg geborene Wolfgang Titze trat 1991 in den bayerischen Justizdienst ein und war als Richter zunächst beim Amtsgericht Bamberg eingesetzt. Ab November 1993 war er als Staatsanwalt bei der Staatsanwaltschaft Bamberg und ab Juli 2001 als Richter am Amtsgericht Bamberg tätig. Im Oktober 2001 kam er an das Landgericht Bamberg, bevor er im März 2004 zum Staatsanwalt als Gruppenleiter bei der Staatsanwaltschaft Bamberg und mit Wirkung vom 16. August 2006 zum Oberstaatsanwalt bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg ernannt wurde. Im Juli 2009 wechselte Titze als Richter am Oberlandesgericht an das Oberlandesgericht Bamberg. Seit Juli 2010 war er Direktor des Amtsgerichts Haßfurt, wo am 20. April 2015 der erste Spatenstich für den Neubau des Amtsgerichts gesetzt werden konnte.

Der gebürtige Schweinfurter Holger Ebert begann nach Jurastudium in Würzburg und Referendariat in Schweinfurt seine berufliche Laufbahn im Oktober 1991 am Landgericht Schweinfurt als Richter in einer Zivilkammer. Im September 1993 erfolgte eine dreijährige Abordnung nach Bonn an das Bundesministerium der Justiz. Danach war Ebert mehrere Jahre als Staatsanwalt bei der Staatsanwaltschaft Schweinfurt tätig, bevor er am 1. April 2002 zum Richter am Landgericht Schweinfurt ernannt wurde. Dort war ihm ab März 2004 als hauptamtlichem Arbeitsgemeinschaftsleiter für Rechtsreferendare die Ausbildung des juristischen Nachwuchses anvertraut. Diese Aufgabe nahm er auch noch nach seiner zum 1. April 2009 erfolgten Ernennung zum Richter am Oberlandesgericht wahr, bis er ab 1. April 2011 am Oberlandesgericht Bamberg als Beisitzer in einem Familiensenat eingesetzt wurde.


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