Gleusdorf
Pflegeskandal

Neue Leiterin ist eine alte Bekannte

Der Anwalt der Seniorenresidenz in Gleusdorf verkündet personellen Wechsel in der Geschäftsführung, einen anstehenden Verkauf und einen Strafprozess.
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Die wegen eines Pflegeskandals in die Schlagzeilen geratene Seniorenresidenz in Gleusdorf hat seit 1. Februar eine neue Geschäftsführerin. Wie der Forchheimer Rechtsanwalt Thomas Mönius als Bevollmächtigter der Gesellschafterversammlung mitteilte, hat die bisherige 59-jährige Leiterin die Verantwortung an eine Mitarbeiterin übergeben. Als Gründe für diese Entscheidung gibt der Jurist an: den am Verwaltungsgerichtshof in München anhängigen Rechtsstreit mit dem Landratsamt Haßberge beziehungsweise den Freistaat Bayern, die Berichterstattung in den Medien sowie die Tatsache, dass die Staatsanwaltschaft Bamberg nunmehr Anklage gegen die 59-Jährige erhoben hat, die von November 2016 bis April 2017 bereits in Untersuchungshaft genommen worden war. Auch drohte ihr seitens der Aufsichtsbehörden ein Berufsverbot.

Über die Zukunft des bisherigen Heimleiters, der als zweiter und (Mehrheits-)Gesellschafter der privaten Betreibergesellschaft fungiert, schweigen sich Rechtsanwalt wie auch die befragten Behörden aus. Der 66-Jährige ist seit Wochen im Schloss nicht mehr gesehen worden, war aus Kreisen der Belegschaft zu erfahren.

Wie mehrfach berichtet, laufen seit Jahren Ermittlungen wegen Körperverletzung, Misshandlung von Schutzbefohlenen sowie Betrugs gegen Betreiber und Mitarbeiter von Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft. Im November 2018 hatte die Heimaufsicht am Landratsamt in Haßfurt eine Betriebsstilllegung verfügt, über die nach zwei etwas widersprüchlichen Eilverfahren nun einem Hauptverfahren am Verwaltungsgerichtshof in München als höchster Instanz noch entschieden werden muss. "Dieses Hauptverfahren verfolgen wir weiter", bestätigte eine Sprecherin des Landratsamtes am Mittwoch gegenüber unserer Redaktion.

Weiter Bestand hat auch der Aufnahmestopp, der ebenfalls im November 2018 verhängt worden war. Die Zahl der Heimbewohner ist seither spürbar zurückgegangen. Ursprünglich für 70 Patienten genehmigt, waren es beim letzten Besuch des medizinischen Dienstes Ende November noch 59 Bewohner gewesen, wovon mittlerweile etliche in anderen Heimen untergekommen sind, weswegen es aktuell um die 45 Heimbewohner sind.

"Die Gesellschafter sehen das von ihnen verfolgte Konzept, einerseits Menschen in besonderen Lebenslagen zu helfen und andererseits dabei eine angemessene Erwerbsgrundlage für sich selbst zu schaffen, als massiv gefährdet an. Daher ist es ein Gebot der Menschlichkeit und der wirtschaftlichen Vernunft insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Bewohner ihr Zuhause, die Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz und die Gesellschafter ihre Erwerbsgrundlage verlieren, die unternehmerische Betätigung in Gleusdorf zu beenden. Das Ziel ist eine angemessene, wirtschaftlich sinnvolle Fortführung des Betriebes durch einen qualifizierten Erwerber", heißt es wörtlich in der Erklärung von Rechtsanwalt Mönius, der auf Nachfragen bedeutete, dass "es derzeit nicht beabsichtigt ist, weitere Erklärungen abzugeben".

Deutlicher wird der Anwalt bei der Frage eines Verkaufs. Bei der Gesellschaft hätten sich mehrere Kaufinteressenten gemeldet. "Mit einem Interessenten sind die Verhandlungen bereits weit fortgeschritten." Bei einer anderen Immobilie hatte die Ex-Chefin schon Erfolg. Ein Haus in Untersiemau, in dem zumeist Hilfskräfte aus Ostländern untergebracht waren, hat sie auf Rentenbasis an eine treue Mitarbeiterin aus dem Landkreis Coburg übereignet.

Die Ex-Geschäftsführerin widme sich nun vordringlich den Verhandlungen über den Trägerwechsel und der Vorbereitung auf ihren Prozess, so Anwalt Mönius. Den anstehenden Trägerwechsel will die Heimaufsicht weiterhin "eng begleiten", heißt es aus dem Landratsamt. Einen möglichen Strafprozess am Landgericht Bamberg sicher auch.

Und bestimmt wird auch der neuen Geschäftsführerin genau auf die Finger geschaut, zumal seit Mitte Dezember auch ein externer Qualitätsmanager eingesetzt wurde. "Es konnte eine Mitarbeiterin als Geschäftsführerin gewonnen werden, die sich bereits mit den örtlichen Verhältnissen vertraut gemacht hat. Sie wird mit externer Unterstützung eine Qualitätsoffensive für die Seniorenresidenz durchführen", blickt der Rechtsanwalt als Sprecher der Gesellschafter voraus, unterschlägt dabei aber, dass die neue Geschäftsführerin als enge Vertraute und rechte Hand der einstigen Chefin gilt, zeitweise sogar mit ihr im selben Haus im südlichen Landkreis Bamberg lebte. Sie kam bereits beim Kauf des Schlosses Anfang 2002 mit den beiden Gesellschaftern aus dem Raum Bremen/Oldenburg ins Frankenland. Bis 2010 war die neue Leiterin im Itzgrund in verschiedenen Verwendungen tätig, verließ dann das Haus in Gleusdorf und kehrte Anfang 2018 wieder zurück.

Sie hat in ihrer neuen Führungsposition mit alten Problemen zu kämpfen. Der Aufnahmestopp bleibt weiterhin gültig, wie das Landratsamt bekräftigte. Und auch die Mitarbeiter laufen ihr davon. Mehrere haben das Haus schon verlassen, andere gekündigt. Und beim Wechsel auf einen neuen Eigentümer dürften sich weitere Problemfelder auftun. Die bislang gültigen Übergangsfristen für Nachbesserungen, wie sie der Gesetzgeber in allen Senioren- und Pflegeheimen aufgrund neuer Bestimmungen fordert, dürften sich von einen Tag auf den nächsten drastisch verkürzen.



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