Ein großes deutsches Unternehmen aus der Baubranche will die Produktionsstätte offenbar nutzen. Gibt es neue Jobs?

Eine namhafte Firma der deutschen Baubranche wird möglicherweise schon bald neuer Hausherr im ehemaligen Natursteinwerk Vetter in Eltmann. Das bekannte Unternehmen aus dem Branchenbereich Putz und Wärmedämmung ist nach zuverlässigen Informationen von inFranken.de am Kauf der Vetter-Immobilien interessiert oder hat die Verträge möglicherweise sogar schon unterschrieben.

Das ist mehr als ein Gerücht, auch wenn es noch keine offizielle Bestätigung dafür gibt.
Bislang will die Firma, deren Name der Redaktion bekannt ist, im Zusammenhang mit Vetter nicht genannt werden.

Steigt das süddeutsche Unternehmen in Eltmann ein, dann ist dies ein weiteres Kapitel in der wechselvollen Geschichte eines der traditionsreichsten Steinunternehmen der Region. Die Vetter-Mannen mussten oft Krisen durchstehen und schmerzhafte Einschnitte hinnehmen.

Die Hoffnung stirbt nicht


Die Talsohle erreichten die zuletzt 60 Mitarbeiter Anfang 2012. Überraschend verkündete da die englische O'Rourke-Gruppe, zu der Vetter seit der Insolvenz 2001 gehört, dass sie das Werk bis zum Jahresende schließen und alle Mitarbeiter entlassen wolle. Zu diesem Zeitpunkt wurden bereits keine neuen Aufträge mehr angenommen.

Die Stimmung der Belegschaft um Betriebsratsvorsitzenden Artur Sperber schwankte zwischen Resignation und Hoffnung auf einen möglichen Investor oder Käufer für das Werk, zu dem auch größerer Grundbesitz, unter anderem mehrere Steinbrüche, gehört.

Diese Hoffnung starb selbst zuletzt noch nicht: Als die 55 Vetterianer, der größte Teil der Belegschaft, am 28. Juni ihren letzten Arbeitstag hatten, wollte niemand so recht daran glauben, dass mit dem Jahr 2012 die lange Vetter-Geschichte für immer zu Ende gehen soll. Sechs Mitarbeiter bleiben bis Herbst im Werk, um die letzten Aufträge abzuwickeln, dann wäre das Firmenareal in der Industriestraße nach den Plänen von O'Rourke verwaist, es sei denn, es würde sich doch noch ein Käufer finden.

Wer kommt in Frage?


Schon im Juni beim "letzten Zapfenstreich" machte im Vetter-Team das Gerücht die Runde, dass ein großes deutsches Unternehmen der Baubranche seine Fühler nach Eltmann ausgestreckt hat. Sperber zeigte wie seine Kollegen Verständnis dafür, dass das Interesse erst nach der Auflösung der Arbeitsverträge konkret werden würde.

"In der derzeitigen Wirtschaftslage unternimmt kein Unternehmen ein anderes komplett mit allen Mitarbeitern und den damit verbundenen Rechten und Pflichten - und allen Risiken", sagte Sperber im Juni. Seither hat sich infranken.de bei möglichen Aspiranten für ein Engagement bei Vetter umgehört. Das Produktionsspektrum des Eltmanner Unternehmens, Natursteinplatten unter anderem für hochwertige Fassadengestaltungen, legt den Gedanken nahe, dass sich in erster Linie Unternehmen, die im Bereich Fassade/Wärmedämmung tätig sind, in Eltmann ein weiteres Standbein schaffen könnten.

Wachstumsbranche


Ein solches Unternehmen findet sich im süddeutschen Raum. Einer der Marktführer auf dem Putz-Sektor hat ein umfangreiches Sortiment an Wärmedämm- und Fassadensystemen im Angebot; das ist eine Wachstumsbranche in Zeiten steigender Energiekosten.

Zudem engagiert sich das Unternehmen, das nach Informationen von infranken.de die Fühler nach Eltmann ausstreckt, über eine Tochtergesellschaft auch im Bereich Naturstein: Die Firma betreibt ein Steinwerk bei Würzburg. In dessen Steinbrüchen wird vor allem Muschelkalk gewonnen, der Sandstein aus den Vetter-Brüchen würde das Sortiment abrunden.

Es gibt Verbindungen


Der Putzspezialist und Vetter haben in der Vergangenheit bereits bei etlichen Bauprojekten zusammengearbeitet. Eine offizielle Bestätigung für die Kaufabsicht oder den Kauf erhielt infranken.de auf Anfrage aber weder bei O'Rourke noch bei dem deutschen Unternehmen. Ein klares Dementi gab es allerdings auch nicht.

Die für mindestens 60 Menschen wichtigste Frage kann daher heute noch nicht beantwortet werden: Wie viele der ehemaligen Vetter-Mitarbeiter können sich Hoffnung auf die Rückkehr in den Betrieb machen? Ihnen wird ein Stein vom Herzen fallen, dass es überhaupt weitergeht - wie auch immer.