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Zeil am Main
Werkschau

Neue Ausstellung des Zeiler Fotoclubs begeistert

Unter dem Motto "Lieblingsbilder" hat am Wochenende der Fotoclub Zeil seine schönsten Fotos ausgestellt.
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Die Ausstellung des Fotoclubs Zeil offenbarte eine große Vielfalt. Niklas Schmitt
Die Ausstellung des Fotoclubs Zeil offenbarte eine große Vielfalt. Niklas Schmitt
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In diesem Jahr wollte der Fotoclub in Zeil einmal seine ganze Bandbreite zeigen. Deswegen hatte man das offene Motto "Lieblingsbilder" gewählt, für das jeder Fotograf aus dem Vollen schöpfen konnte. Genauso gut hätte man sich aber auch für "Vielseitigkeit und Qualität" als Überthema entscheiden können. Denn die etwa 130 Bilder von zwölf Fotografen haben genau das gezeigt.

"Die Fotografie ist wie ein Virus", sagt Helmut Förster, langjähriger Vorsitzender des Fotoclubs Zeil, "auf einmal hat man's". Seit über 40 Jahren fotografiert er schon, aber das nicht nur in Unterfranken. "Von Zeil in die Welt" fasst Förster die Entstehungsorte seiner Fotografien augenzwinkernd zusammen. Beruflich war er lange Zeit viel in China und den USA unterwegs. Das zeigt sich auch in seinen Motiven: der Blick aus dem Rückfenster einer Straßenbahn in Hongkong, eine Kunstinstallation im Museum of Modern Art in Salt Lake City oder ein fränkisches Wegkreuz.

Wer viel auf Reisen ist, hat viel zu fotografieren. "Jeder Fotograf hat immer seine Kamera dabei", sagt Markus Stadler, der Förster 2016 als Vorsitzenden beerbte und ihn im Jahr darauf zum Ehrenvorsitzenden ernannte. Geht man durch die Ausstellung, sticht diese Vielseitigkeit gleich ins Auge. So hat jeder seine eigenen Interessen, die von Portraits, über Sport- und Reise- zu Landschaftsbildern reichen.

Vom einzelnen Bild zur dokumentarischen Reihe

Diese einmal unter einen Hut zu kriegen, darum ging es dem Fotoclub, wie Martin Schlegelmilch erzählt. Er selbst hat den Blick vom einzelnen Bild erweitert und ist mit einer dokumentarischen Reihe über Südafrika vertreten, die am Sonntagabend zum Abschluss von Hans-Werner Kranz mit Musik und Kommentar arrangiert und auf der großen Leinwand projiziert wurde.

Ist die Arbeit des Fotografen, wenn er nicht gerade mit Modellen interagieren muss, eine eher einsame, so sind die regelmäßigen Treffen untereinander doch wichtig. Oft stünde man vor Fotos, so Schlegelmilch, betrachte diese kritisch und diskutiere, was man anders machen könne. Dabei werden vor allem zwei Fragen gestellt. "Es gibt die Technik und die Frage: ,Wie gestalte ich ein Bild?‘", sagt Stadler und weist damit auf den momentanen Standard in der Fotografie hin.

Früher hatte man 36 Bilder auf einem Film, hat aus den schönsten vielleicht Dias gemacht, die mittlerweile langsam verblassen, und Bearbeiten bedeutete im Fotolabor Entwickeln. Das war wohl so um 1961, als der Zeiler Fotoclub gegründet wurde. Mittlerweile gibt es sonst im Landkreis Haßberge nur noch den Fotoclub in Ebern. Der muss sich aber auch besonders um die Jugend bemühen. Ein Problem, mit dem man auch in Zeil zu kämpfen hat. Das jüngste Mitglied ist etwa 40 Jahre alt.

Bewusste Bilder statt Schnappschüsse

Viele scheuen die recht hohen Kosten, auch für Einsteigerkameras. Auf der anderen Seite gibt es Möglichkeiten, die man für Geld nicht kaufen kann. Die Fotoclubmitglieder besuchen beispielsweise Spiele des ESC Haßfurt, die Bamberger Altstadt, Gemäldeausstellungen. Auch Workshops werden zuweilen angeboten. Vielleicht ist das Handwerk des Fotografierens, das trotz moderner Technik noch immer seine Zeit benötigt, einfach doch zu langsam für diese schnelllebige Zeit.

Heute, in einer Zeit, in der man mit jedem besseren Handy gute Bilder schießen kann, scheint sich die Bedeutung von gut und bewusst gemachten Fotos durch die immense Bilderflut zu verringern. Davon wollen sie sich, betont Schlegelmilch, abheben. Dennoch kommt kein Fotograf der Ausstellung an einer nachträglichen Bearbeitung der Bilder am Computer vorbei. "Fotografieren ist das eine, die Überarbeitung findet am PC statt", sagt Schlegelmilch.

"Was passt zum Bild?"

Dass sich daran die Geister der Fotografiephilosophie scheiden, ist klar. Es ist eine Sache, mittels Farben und Kontrast deutlicher hervorzuheben, was abgebildet ist. Es sind aber auch stärkere Eingriffe in das Bild möglich - etwa mit Filtern. Dennoch ist das nicht der Schlüssel für einen guten Fotografen. Hans Hoh betont die Erfahrungen, die er früher mit dem analogen Fotografieren gemacht hat und die er bei seinen Portraits und dem Spiel mit dem Licht nutzt. Die wichtige Frage ist: "Was passt zum Bild? Effekthascherei ist nicht gefragt."

Aber jeder sieht auch die Vorteile der neuen Technik. Man kann die Bilder gleich sehen und von einzelnen Motiven wesentlich mehr Fotos machen und daraus das beste wählen. "Ich muss in der Auswahl der Bilder kritischer sein", sagt Schlegelmilch. Zwar hat man heute keine großen Dia-Schränke mehr. Doch selbst auf einem großen digitalen Medium muss und kann man nicht alles abspeichern.

Das Wichtigste bleibt, das Auge für das Motiv zu bewahren. Schließlich kann man nur so auch die Augen der Betrachter für die seltenen und schönen Motive öffnen.

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