LKR Haßberge
Umwelt

Naturnahe Gärten sind echte Labsal

Die Kreisfachberater Guntram Ulsamer und Johannes Bayer bemerken einen Trend hin zu Kiesgärten, mit denen sich die beiden nicht anfreunden können.
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"Im Lauf der Jahre habe ich von der Natur gelernt", sagt Salome Scholtens, die hier an einem Gartenteich sitzt. Scholtens
"Im Lauf der Jahre habe ich von der Natur gelernt", sagt Salome Scholtens, die hier an einem Gartenteich sitzt. Scholtens
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"Wir alle brauchen Grün. Je wilder, je bunter, je vielfältiger desto schöner." Diese Aussage von Ilse Aigner, Bayerische Ministerin für Wirtschaft, Verkehr und Technologie, trifft es auf den Punkt: Naturgärten sind einmalig, bieten Lebensraum für viele Tiere, sind Labsal für die menschliche Seele.

Im letzten Sommer haben die Kreisfachberater mit dem Wettbewerb "Natur im Garten" erste Akzente für eine ökologisch orientierte Gartenbewirtschaftung gesetzt und viele Gartler erreicht. "Wir wollen den Wettbewerb 2018 weiterführen und dafür frühzeitig die Gartenbesitzer sensibilisieren", sagt Ulsamer. 28 Gartenbesitzer nahmen am Wettbewerb im letzten Jahr teil.

Gartenbesitzer, die am Wettbewerb "Natur im Garten" 2018 teilnehmen möchten, können sich bis zum 30. Mai per E-Mail an gartenbau@hassberge.de oder auf dem Postweg beim Kreisverband für Gartenbau und Landespflege Haßberge anmelden.


Paradebeispiele

"Die meist ohne viel Bepflanzung angelegten Steinflächen bieten keine Nahrung und Nistmöglichkeiten für Vögel und Insekten und wirken sich zudem störend auf das Ortsbild aus", sagt Kreisfachberater Johannes Bayer. Er und sein Kollege, Fachberater Guntram Ulsame, wissen aber auch, dass es jedem selbst vorbehalten ist, seinen Garten nach eigenem Gusto zu gestalten.

Zwei Gartenbesitzer sollen hier exemplarisch für alle anderen, die im Landkreis ihre Gärten naturnah gestalten und bewirtschaften, vorgestellt werden. Natur ist Trumpf im Garten von Salome Scholtens in Fatschenbrunn. Kommt man aus Richtung Eltmann und fährt in die Ortschaft ein, fällt wenige Meter nach dem Ortseingang auf der rechten Seite ihr Grundstück auf, das im Einklang mit der Natur gebracht oder belassen wurde.

Blickt man über den typisch fränkischen Holzlattenzaun in den Garten vor dem Haus, braucht es einige Zeit, bis man alles, was dort naturbelassen oder natürlich gestaltet zu sehen ist, realisiert hat. Urige Bäume stehen inmitten von Beeten, Naturteiche und mit natürlichen einheimischen Steinen gestaltete wasserdurchlässige Sitzecken sind zu sehen. Das Ganze strahlt Harmonie im Einklang mit der Natur aus.

Die 60-jährige Salome Scholtens erzählt, dass ihr Garten "total verwildert" war, als sie mit ihrem Mann 1978 nach Fatschenbrunn kam. "So wie er ist, ist er nach und nach gewachsen. Mir war es wichtig, mit Steinen und altem Material zu arbeiten, alte Bäume stehen zu lassen, um Lebensraum für Vögel und Insekten zu schaffen, beziehungsweise zu erhalten", sagt die leidenschaftliche Naturgärtnerin. Für sie steht auch fest: "Chemie wird nicht eingesetzt, nur eigener Kompost wird zur Düngung verwendet. Ich suche nach einem Gleichgewicht zwischen der Natur und meiner Fähigkeit, etwas zu gestalten."

Sie sieht ihren Garten als Oase mit viel Liebe und großen Respekt vor der Natur. Und sie gesteht: "Im Lauf der Jahre habe ich von der Natur gelernt." Ihr Mann Nico kommt aus Holland und auch er bedauert, dass dort wie hier eine Versieglung von Gärten zu erkennen ist.

"Wer diesen Garten im Umfeld einer Weinstube in Fatschenbrunn besucht, sieht zahlreiche Brunnen und Wasserspiele plätschern, und ein großer Teich ist Mittelpunkt des Gartens. Die Mischung macht's. Verschiedene Gemüse und Salate werden von Blumen und Stauden eingerahmt. Mischkultur in Vollendung", schwärmt Guntram Ulsamer. "Wenn wir aber gefragt werden, versuchen wir, bei Gartenbesitzern das Interesse an naturnahen Gärten zu wecken", sagt Guntram Ulsamer und kommt dabei ins Schwärmen.
Seinem Kollegen Johannes Bayer und ihm fallen dabei sofort einige Namen ein, von Menschen, die im Landkreis Haßberge in enger Verbundenheit mit der Natur ihre Gärten gestaltet haben. Natur pur - das ist der Garten von Armin und Marion Manietta in Eichelsdorf. 1998 sind Marion und Armin in ihr Haus am Ortsrand von Eichelsdorf eingezogen.

Ihr Garten, gelegen an einem leichten Hang liegt, ist nach und nach entsprechend ihrer Vorstellungen gewachsen. Er hat sich zum heimischen Naturparadies entwickelt. "Mein Ziel war es, möglichst viel Natur in unseren Garten zu bringen", sagt Armin Manietta, der seit 2002 Vorsitzender des örtlichen Obst- und Gartenbauvereins ist.

Ihr Garten ist in Terrassenform stufig angelegt, mit heimischen Steinen abgesichert. Viel hat Armin Manietta über Gärten und deren Gestaltung gelesen. Er holt einen Stapel Gartenbücher, verfasst von Reinhard Witt hervor, aus denen er sich seine Ideen geholt hat. Auch wenn Armin - wie seine Frau Marion sagt - der "Denker im Garten" ist, wurden die Entscheidungen letztlich immer gemeinsam getroffen.

Biologisches Wirtschaften ist beiden wichtig, es erfolgt zum großen Teil mit eignen Kompost. Alles wurde mit eigenen Händen gebaut und auch beim Pflanzgut und Sträuchern griff man nur auf heimische zurück. Der Garten der Maniettas ist etwa 1000 Quadratmeter groß und nach allen Seiten offen, nichts ist eingezäunt, keine Versiegelung auf dem gesamten Grundstück vorhanden.

Ihnen gefällt ihr Garten. "Freunde sagen: ,Euer Garten ist wild.'" So wollen es Marion und Armin Manietta haben. "Dieser Garten besitzt Vorbildcharakter für unsere fränkische Gemüsegartenkultur, eine außergewöhnliche ökologische Grundeinstellung besteht, die den Umgang mit Pflanzen sowie die Vermeidung von Versiegelungen einbezieht", sagt Kreisfachberater Ulsamer.

Der ökologische Ansatz im Garten ist den Kreisfachberatern wichtig, dabei könne nur die Natur im Vordergrund stehen. Spritzmittel und chemisch-synthetische Dünger sollten aus dem Hausgarten verbannt und stattdessen ökologische Kompost- und Kreislaufwirtschaft betrieben werden, dafür werben die Fachberater. Ihrer Meinung nach sind viel zu wenige Gärten im Landkreis naturnah bewirtschaftet. "Zehn Prozent vielleicht", mutmaßt Ulsamer und seine Mitarbeiterin Karin Bulheller bedauert auch, dass der Trend in Richtung Kiesgärten geht.

Der klassische Kiesgarten ist der direkten Sonne ausgesetzt und besteht aus einem durchlässigen, von Geröll durchsetzten Boden. Schön findet das Karin Bulheller nicht. "In solchen Gärten verändert sich im Lauf des Jahres nichts, keine Früchte, keine Blumen", sagt sie.
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