Ebern
Ausstellung

Modenschau macht Vernissage zum Erlebnis

Die Eggolsheimer Künstlerin Michaela Schwarzmann zeigt ihre Kunstwerke in Ebern. Eine Realschulklasse führte zur Eröffnung Kleidung aus Papier vor.
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Die Modenschau der Realschüler war das i-Tüpfelchen auf die vielbeachtete Vernissage in der Xaver-Mayr-Galerie.Katharina Becht
Die Modenschau der Realschüler war das i-Tüpfelchen auf die vielbeachtete Vernissage in der Xaver-Mayr-Galerie.Katharina Becht
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Wenn man an eine Nähmaschine denkt, dann denkt man unweigerlich an Stoffe, eine Frau die liebevoll Dinge, vor allem Kleidung (vielleicht für die eigenen Kinder) näht - und natürlich an ein liebevolles Heim, in dem das alles stattfindet. Doch dem muss nicht so sein, wie die Ausstellung von Michaela Schwarzmann in der Xaver-Mayr-Galerie zeigt. Die Künstlerin näht nämlich keine Stoffe mit ihrer Nähmaschine, sondern Papier. Dabei zaubert sie mit Nadel und Faden Kunstwerke, die denen mit Stiften und Pinsel in nichts nachstehen. Sie spielt mit verschiedenen Papieren, Farben, Ausschnitten und Überlagerungen. Dabei entstehen besondere Effekte, je nach dem verwendeten Papier, den Fäden, aber auch den aktuellen Lichtverhältnissen. Das kann man seit Sonntag in Ebern in der Xaver-Mayr-Galerie bestaunen.
Die Laudatio auf die Künstlerin hielt am Sonntag Barbara Kahle, Vorsitzende des Kunstvereins Bamberg und langjährige Kennerin und Freundin von Michaela Schwarzmann. Sie schlug den Bogen zwischen der bekannten Kunst und der Kunst, wie sie Michaela Schwarzmann praktiziert. Sie brachte den Zuhörern die Bedeutung und die Vielfältigkeit von Papier nahe. "Papier ist so viel und so viel Gegensätzliches, fragil und widerstandsfähig zugleich", führte sie aus. Auch die Verbindung von Mode und Papier stellte sie her: Nicht nur, dass Skizzen für Mode auf Papier gezeichnet werden, in Japan gab es vor 1000 Jahren schon Kleidung aus Papier, die tatsächlich getragen wurde.
Dennoch ist die Kombination von Nähen und Papier noch immer ungewöhnlich, vielen Hobbynäherinnen am ehesten bekannt als einfache Möglichkeit, die Kinder an die Nähmaschine heranzuführen. Doch das, was Michaela Schwarzmann schafft, hat damit nicht das Geringste zu tun. Ihre Kompositionen aus Papier, Farben und Garnen sind besonders, denn für sie "ersetzt der Faden den Stift", und das müsse man "auf sich wirken lassen", sagte Kahle.
Stefan Andritschke, der stellvertretende Vorsitzende des Bürgervereins und Kurator der Galerie, wusste laut eigener Aussage, als er die Werke zum ersten Mal gesehen hatte, sofort, "dass das was für meine Eberner Mitbürger ist". Und so lud er Michaela Schwarzmann nach Ebern ein. Positiv überrascht war nicht nur er über die große Resonanz, die die Ausstellungseröffnung diesmal hatte. Es mussten sogar noch extra Stühle in den Raum gebracht werden, und trotzdem fanden nicht alle einen Sitzplatz.
Ob die Diskussion um das Ende der Galerie dazu beigetragen hat? Vielleicht. Doch Bürgermeister Jürgen Hennemann konnte in seinem Grußwort nochmals versichern, dass die Stadt sich größte Mühe gebe, die Galerie zu halten. "Das macht unsere Entscheidung nochmal richtiger", freute er sich. Das Gebäude soll nicht nur erhalten bleiben, sondern zu einem Schmuckstück werden.
Auch Michaela Schwarzmann war begeistert. "Ich bin nicht sofort dem Charme des Gebäudes erlegen", gestand sie. Doch dann stellte sie fest: Die Bedingungen in Ebern sind gut. "Wo sonst kann man die Nägel da einschlagen, wo man sie braucht?" Auch manches Kunstwerk, das nun in Ebern bestaunt werden kann, wäre ohne dieses besondere Haus, ein ehemaliges Modehaus, nicht zustande gekommen.
Ein großes Lob sprach Schwarzmann dem Bürgerverein Ebern aus: "Es ist toll, was der Verein hier alles auf die Beine stellt. Da können sich andere, zum Beispiel Forchheim, eine Scheibe davon abschneiden."
Wie der Zufall es wollte, stellte sich heraus, dass eine gute Bekannte der Künstlerin aus Eggolsheim gerade in Ebern an der Realschule ihr Referendariat absolviert. Und so kam auch sehr schnell eine Zusammenarbeit zustande, bei der Michaela Schwarzmann Ebern einbinden konnte. Lehrerein Rica Pospiech forderte die Klasse 8c der Ernst-Schmidt-Realschule geradezu heraus, aus Papier Kleidung zu kreieren. Dass dies besonders bei den Schülerinnen zu interessanten Reaktionen führte ("Schmeichelt das denn auch der Figur, Papier ist ja schließlich steif?") konnten sich die Anwesenden am Sonntag gut vorstellen. Doch die Werke, die die sechs Schüler in einer kleinen Modenschau präsentierten, konnten sich gut sehen lassen. Ein Erlebnis war diese Vernissage damit auf jeden Fall, nicht nur für die Gäste, sondern auch für die Künstlerin und die Mitwirkenden.


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