Maroldsweisach
Gewerkschaftsaktion

Mitarbeiter vor Teilnahme an Warnstreik gewarnt

Sie schaffen zwei Stunden mehr als Kollegen in den anderen Metall-Betrieben der Region, am Donnerstag verkürzte die Weiss-Frühschicht um zwei Stunden.
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Die Beleg- und Gewerkschaftsvertreter Florian Schmidt, Matthias Gebhardt und Wolfgang Brasch (im Vordergrund von links) vor den 73 versammelten Weiss-Mitarbeitern.Fotos: Ralf Kestel
Die Beleg- und Gewerkschaftsvertreter Florian Schmidt, Matthias Gebhardt und Wolfgang Brasch (im Vordergrund von links) vor den 73 versammelten Weiss-Mitarbeitern.Fotos: Ralf Kestel
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Warnstreik bei der 100-prozentigen Siemenstochter Weiss-Spindeltechnologie in Maroldsweisach. 73 Mitarbeiter wagten sich vors Firmengebäude, um der Gewerkschaftsforderung nach sechs Prozent mehr Lohn und dem Einstieg in eine 28-Stunden-Woche unter bestimmten Umständen Nachdruck zu verleihen. Weniger Protestler als erwartet.

Mit rund 100 Streikenden hatten Betriebsratsvorsitzender Wolfgang Brasch und IG-Metall-Bevollmächtigter Matthias Gebhardt gerechnet. "Es hat im Vorfeld Einschüchterungsversuche gegeben", wissen die Gewerkschafter aus dem Betrieb, da Meister ihre Untergebenen davor warnten, auf die Straße zu gehen, da Aufträge abzuarbeiten seien.

Da wurde der aus Bamberg angereiste Gewerkschafts-Bevollmächtigte Matthias Gebhardt aber richtig böse. "Das lassen wir uns nicht bieten. Da gehe ich gleich rein", kündigte er sich beim neuen Werkleiter an, der dann schon vor der Tür stand und von einem "Kommunikationsproblem" sprach. Das hätten seine Abteilungsleiter wohl nicht richtig verstanden, gab Gebhardt den Inhalt der kurzen Unterredung unter vier Augen an die protestierende Belegschaft weiter.

"Mit dem Warnstreik stehen wir auf dem Boden der Verfassung", leistete Gebhardt juristische Nachhilfe und drohte, dass "wir das melden werden". Dabei habe man bisher mit der Werksleitung der Siemenstochter in Maroldsweisach stets "gute und pragmatische Ansätze gefahren" und jetzt versuche man als einziger Metallbetrieb im Bereich der Verwaltungsstelle Bamberg "die Leute unter Druck zu setzen".

Wie das Entgegenkommen der Gewerkschaft für die Weiss-Spindeltechnologie aussieht, machte Wolfgang Brasch deutlich. "Anders als bei allen anderen Betrieben in der Region gilt bei uns nicht die 35,5-Stunden-Woche, sondern wir arbeiten 37 Stunden, womit wir auf 5,6 Prozent an Lohn im Monat verzichten."

Er gab aber auch zu, dass "wir mit unserem Betrieb der aktuellen Tarifrunde voraus sind", da jetzt schon die Möglichkeit bestehe, auf Wunsch die Arbeitszeit zu verkürzen, um später wieder zur Vollzeit zurückzukehren.

Dies ist neben der Lohnerhöhung eine weitere Forderung der IG Metall, die Beschäftigten, die Angehörigen zu pflegen haben oder ständig in Wechsel- oder Nachtschichten arbeiten, die Tür öffnen möchte, um nur noch 28 oder 30 Stunden zu schaffen. Matthias Gebhardt: "Wenn einer dann statt 35 Stunden nur noch 30 arbeitet und davon selbst die Hälfte trägt, kostet das dem Betrieb gerade mal 2400 Euro im Jahr. Das muss es den Konzernen bei der aktuellen Gewinn- und Auftragslage wert sein. Und bei kleineren Unternehmen, die etwas durchhängen, finden wir Lösungen", so der Metall-Gewerkschafter im Hartlebsaal, wo nach einem Demonstrationszug durch die einstige Bergarbeiter- und SPD-Hochburg die Abschluss-Kundgebung stattfand.

Während am Protestmarsch- außer den Verkehrsteilnehmern auf der viel befahrenen B 279 - kaum jemand Anteil nahm, musste die Belegschaft im Gasthaus eine Sonderschicht einlegen. Denn: Bratwürste und Bier gab's umsonst. Ein adäquater Ersatz für zwei Stunden Lohnausfall, weil mit dem Warnstreik war die Frühschicht auch beendet. "Wir haben alle ausgestempelt", versicherte Belegschaftsvertreter Florian Schmidt, der forderte, dass "wir nicht nur vom Tropfbier etwas abbekommen wollen". Ein Bild, das auch Wolfgang Brasch bemühte: "Wir wollen auch einen kräftigen Schluck aus der Pulle, nicht nur die Manager."

Und aufgrund der Einschüchterungsversuche erinnerte Florian Schmidt daran, dass "mehr Geld und bessere Arbeitszeiten nicht vom Himmel fallen", weswegen Solidarität gefragt sei. "Jetzt sind wir 73 Leute, es hätte ein Drittel mehr sein können."
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