Ebern

Mit Draht zur Stadt

In verwaisten Schaufenstern ist Ebern in Miniversion zu sehen.
Artikel drucken Artikel einbetten
In Drahtmodellen haben Schüler sämtliche Gebäude am Marktplatz samt Kirche, Grauturm und Rathaus maßstabsgetreu nachgebaut. Witzig gestaltete Papierfassaden ergänzen ihre Arbeit. Im Vordergrund beispielsweise das Enterhaus (rechts) und daneben das Haus Peter Schmitt "Fuffzich".  Fotos: Eckehard Kiesewetter
In Drahtmodellen haben Schüler sämtliche Gebäude am Marktplatz samt Kirche, Grauturm und Rathaus maßstabsgetreu nachgebaut. Witzig gestaltete Papierfassaden ergänzen ihre Arbeit. Im Vordergrund beispielsweise das Enterhaus (rechts) und daneben das Haus Peter Schmitt "Fuffzich". Fotos: Eckehard Kiesewetter
+13 Bilder
Dass er auf Draht ist, beweist der Bürgerverein immer wieder. "Wir haben wieder was angestellt...", ließ Schriftführer Stefan Andritschke jetzt wissen. Neuestes Projekt ist eine Installation in zwei Schaufenstern des ehemaligen Schreibwarengeschäfts Schmitt-Zehendner in der Kapellenstraße. Der Verein hat eine Anregung von Christine Braun, Kunsterzieherin am Friedrich-Rückert-Gymnasium, aufgegriffen. In zuletzt monatelang leerstehenden großflächigen Schaufenstern ist nun Eberns Altstadt im Kleinformat zu sehen: Drahtmodelle der 41 Gebäude am Marktplatz samt Rathaus, Pfarrkirche und Grauturm. Allesamt von Gymnasiasten in Löttechnik erstellt.

Die Arbeiten waren bereits 2016 für die Ausstellung "Stadt in Sicht" entstanden und damals in der Xaver-Mayr-Galerie zu sehen, erzählt Oberstudienrätin Braun. In der Galerie ging es um die Darstellung Eberns aus künstlerischer Sicht. Gemälde gab es zuhauf; die Schule ging einen anderen Weg. Ebern sollte dreidimensional gezeigt werden.


Mit dem Lötkolben

"Tonen wäre schwierig gewesen", sagt Christine Braun im Rückblick. Sie betreute damals die vier zehnten Klassen im Kunstunterricht. Die Wahl fiel auf Lötarbeiten. Wie viel Mühe das für sie und ihre Schüler darstellen würde, hatte sich die Kunstpädagogin im Vorfeld nicht ausgemalt. Allein die Dimensionen der Gebäude zu ermitteln, um sie maßstabsgetreu wiederzugeben, war schwierig. Fotos sämtlicher Gebäude und Luftbilder von Google Earth halfen. Als besonders diffizil erwies sich die Stadtpfarrkirche mit ihrem Zwiebelturm.

Rund ein halbes Jahr waren die Schüler beschäftigt, bis am Ende bunte Zeichnungen die Fachwerk-Drahtgerippe pfiffig in Szene setzten. Das war laut Braun der kreative Teil, während das Löten handwerklich herausforderte. "Wahnsinnig aufwendig", gesteht die Oberbayerin , die seit 20 Jahren in Ebern lehrt. Ich hätte nicht gedacht, dass das so umfangreich würde".


Ebern in neuem Licht

Die Zehntklässler von damals schwitzen inzwischen bei den Abiturprüfungen. Dies erklärt, warum keiner der Schüler dabei sein konnte, als die Lehrerin sowie Andreas Remshard und Stefan Andritschke vom Bürgerverein die Installation jetzt vorstellten. Es wäre zu schade gewesen, die Arbeit der Schüler in der Versenkung verschwinden zu lassen, erklärten sie. Die Drahtmodelle seien speziell für die Eberner interessant, die ihre Häuser auf diese Weise neue entdecken könnten.

Zweiter Bürgervereinsvorsitzender Remshard findet, die kleine Schaufensterstadt sei "eine lustige Sache". Schon bei der Ausstellung in der Xaver-Mayr-Galerie war das Modell der Hingucker", sagt Stefan Andritschke, der Schriftführer des Vereins: "Es begeistert die Leute, ihre Heimat in einem ganz anderen Licht zu sehen". Zudem stelle die Modellstadt einen tollen Beitrag dar, damit die verwaisten Schaufenster dem Passanten "nicht mehr als dunkle Schlunde entgegenschreien".
Verwandte Artikel
Noch keine Kommentare
Sie sind nicht angemeldet.
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentieren zu können!
registrieren