Stettfeld
Techno-Fliegerei

Mit dem Kopf in den Wolken

Quadrocopter-Piloten aus der Region und auch ganz Deutschland hatten auf dem Stettfelder Sportplatz einen Riesenspaß.
Artikel drucken Artikel einbetten
Alles bereit: Fernsteuerung und Quadrocopter. In Stettfeld trafen sich ganz besondere Spezialisten. Fotos: Christian Ziegler
Alles bereit: Fernsteuerung und Quadrocopter. In Stettfeld trafen sich ganz besondere Spezialisten. Fotos: Christian Ziegler
+13 Bilder
Klappern von Metall. Ein Flieger hat die Eisenstange eines Hindernisses voll erwischt. "Oh je", stöhnt Alexander Häuser, "wenn zwei Teile wegfliegen, ist es 'was Schlimmeres." Die kleinen Drohnen halten allerhand aus. "Die nehmen dir auch nicht übel, wenn du sie zwei, drei, vier Mal in den Boden rammst. Das ist ja das Schöne dran", lacht Häuser. Schon knarzt der Lautsprecher "1 Start". Sirrend hebt ein anderer ab; Kurven im Steilflug, Loopings, Slalom, blitzschnelle Richtungswechsel. Die wilde Achterbahnfahrt ist Szene einer Sportveranstaltung: Am Wochenende fand die vierte Qualifikation in der FPV Drone Racing Series des Deutschen Modellfliegerverbands (DMFV) in Stettfeld statt.


Prima Kooperation mit dem SC Stettfeld

Das Team Aircasher um Michael Marggraff organisierte sie mit dem Sportclub (SC) Stettfeld. Marggraffs Sohn spielt beim SC Fußball, so kam der Vater auf die Idee, die Veranstaltung nach Stettfeld zu holen. Und er ist begeistert: "Es ist alles super organisiert. Schon allein, dass man mit Autos auf den Platz fahren darf, das ist nicht immer so."

Ein großer Teil der gut 100 Teilnehmer, die aus ganz Deutschland angereist sind, hat auf dem alten Sportplatz sein Zelt aufgeschlagen. "Die Verpflegung ist super, und dass abends Barbetrieb ist, hatten wir auch noch nie", freut sich Michael Marggraff. Zudem ist er stolz, trotz zweier Gegenveranstaltungen, ein breites Teilnehmerfeld mit einigen wirklich hochkarätigen Piloten zu haben.

Stefan Riegel, SC-Vorsitzender ist auch stolz. Schön dass der SC für ein solches Event ausgewählt wurde. "Das ist mit Sicherheit nichts Alltägliches in Stettfeld, und es ist Spitze, dass es so gut angenommen worden ist." Natürlich freut sich Riegel auch, dass sich genügend Helfer gefunden haben, um das Ganze zu stemmen. Und etwas macht Michael Marggraff besonders stolz: "Wir sind nicht nur die erste Veranstaltung, die pünktlich angefangen hat, wir waren sogar zwei Minuten zu früh", erzählt er augenzwinkernd.


Volle Konzentration und Fingerspitzengefühl

Die Piloten genießen ihre Zeit in Stettfeld. Denn sie brauchen volle Konzentration, absolute Reaktionsgeschwindigkeit und viel Fingerspitzengefühl, um ihre Renndrohnen durch den aufgebauten Hindernisparcours zu manövrieren.


Mit Videobrille

Eines fällt bei diesen Modellsportlern besonders auf: Jeder Starter trägt eine Videobrille. Sie überträgt die Cockpit-Sicht der Drohne direkt vor seine Augen und erlaubt damit absolut passgenaue Flugmanöver. Schon beim Zuschauen kribbelt die Faszination ins Genick. Wenn man dann selbst eine solche Brille aufsetzt und ein Rennen miterlebt, versteht man, was den Flug aus der Ich-Perspektive, dem FPV (First-Person View), so besonders macht. "Man erfüllt sich den Traum vom Fliegen und ist doch mit beiden Beinen am Boden", bringt es Andreas Schnabel vom Team Aircrasher auf den Punkt. So kann beim Drohnenfliegen auch wirklich jeder mitmachen. "Bei welchem anderen Sport kann ein Zwölfjähriger mit 120 Sachen durch die Gegend flitzen?", fragt Schnabel. "Das geht nirgends anders!"

Die Altersstruktur "reicht von zwölf bis 60." Ein besonderer Reiz. "Man lernt viel voneinander." Wichtig ist Schnabel auch, dem Mythos von der "bösen Drohne" entgegenzutreten. Sicher ist, meint er, die Diskussion um Privatsphäre und Sicherheit wichtig, Fotodrohnen sind aber völlig andere Geräte. "Unsere Quadrocopter sind keine fliegenden Spione", betont er. Fotos können sie gar nicht machen, allerdings zeichnen sie Videos auf. Aber die sind nicht dazu gedacht die Gärten der Nachbarn zu filmen. "Das wäre vom Kamerawinkel her schon gar nicht möglich", erklärt Schnabel. Der ist nämlich auf die Cockpitperspektive ausgerichtet, damit man anhand der Videos Flugfehler analysieren kann. Oder sie gelten im Notfall, sollte das Zeitnehmen nicht klappen, als Beweis für die Rangliste.

Alle Drohnen am Start in Stettfeld sind selbst gebaut. Die Teile kann man kaufen. Dann wird gelötet, geschraubt und nicht zuletzt über spezielle Software am Computer konfiguriert. Ein Einsteigermodell ist ab 200 Euro zu haben. "Wie bei jedem Hobby ist nach oben natürlich keine Grenze", lacht Schnabel. Die Lernkurve ist nach seiner Ansicht nicht sonderlich steil: "In drei bis vier Wochen hat man es mit ein bisschen Übung schon recht gut raus."

Ein Quadrocopter-Pilot muss neben dem Spaß am Fliegen Freude an der Technik mitbringen. "Tunen lässt sich immer" (Schnabel). Ob über die Stellung der Rotoren oder die Filter der Steuerung. "So lässt sich Geschwindigkeit rauskitzeln oder aber Genauigkeit in der Steuerung erzielen."


Kameradschaft liegt in der Luft

Trotz des Wettstreits um Plätze bei der Deutschen Meisterschaft herrscht Kameradschaft unter den Piloten. An allen Ecken laufen Fachgespräche, man gibt sich Tipps, tauscht Wissen und sogar Ersatzteile aus. "Klar ist es ein Wettkampf", erklärt Christopher Rohe, Sportreferent für das FPV-Racing beim DMFV, "aber am Ende des Tages wollen wir alle ein schönes Wochenende verbringen."

Das sind die Regeln: Jeder Starter fliegt zwei Minuten mit dem Ziel, den Parcours so oft wie möglich zu umrunden. Aus Rundenzahl und eventueller Überzeit wird die Rangliste errechnet. Die besten Piloten qualifizieren sich für die Deutsche Meisterschaft am 7./8. Oktober in Düsseldorf. Der Parcours in Stettfeld ist anspruchsvoll, aber nicht knallhart. "Es geht auch drum, möglichst vielen das Erlebnis zu verschaffen: ,Ich hab's geschafft‘, erklärt Andreas Schnabel die Philosophie. Was hingegen gleich sein muss, ist die Sendeleistung der Fernsteuerung und das Gewicht des Quadrocopters (nicht unter 450 Gramm). Deswegen müssen alle Drohnen nach ihrem Flug auf die Waage.

Das Hobby zieht immer mehr Interessierte an. Rund 170 Piloten sind in der deutschen Liga gemeldet, die Zahl der tatsächlichen Flieger dürfte höher liegen, ist sich Christopher Rohe sicher: "Ich schätze mal so zwischen 2300 bis 3000 vielleicht sogar Richtung 4000 in Deutschland." Gerade junge Menschen sind von der Kombination aus Technik, Modellbau, Computer und dem Flugerlebnis begeistert. Momentan liegt die Zahl der Flugbegeisterten in Norddeutschland noch höher als im Süden, aber auch hier ist die Tendenz steigend. Einsteiger sind jederzeit willkommen. Die Szene ist vor allem über Facebook vernetzt. Wer sich für das Hobby interessiert, findet hier schnell Gleichgesinnte.


Links zum Thema


Drone-Racing Series -Regelwerk

Livestream hier

FPV-Racing - Erklärung

Flug über den Kurs von Youtube Kanal Gaizi84 (2. A Finale)

Gesetzliche Bestimmungen


was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren