Steinbach
Auftakt

Minister Brunner kommt zum Beginn der Weinlese

Minister Helmut Brunner reiste aus München an, um im Beisein von viel Prominenz aus Weinfranken den ersten Müller-Thurgau bei Steinbach vom Stock zu schneiden. Die heimischen Winzer rückten sich dabei als Kulturpfleger in den Blick.
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Die Silvaner- und Wein-Symbolfigur Abt Degen alias Richard Schlegelmilch aus Zeil gehörte beim hochoffiziellen Ministerbesuch dazu. Überhaupt wenn die Weinlage, auf der Helmut Brunner (links) den ersten Träubel abschnitt, der Steinbacher Nonnenberg ist. Mit im Bild sind die beiden Vorsitzenden des Abt-Degen-Weintals, die beiden Bürgermeister Bernhard Ruß (Sand, Mitte) und Thomas Stadelmann (Zeil, rechts).
Die Silvaner- und Wein-Symbolfigur Abt Degen alias Richard Schlegelmilch aus Zeil gehörte beim hochoffiziellen Ministerbesuch dazu. Überhaupt wenn die Weinlage, auf der Helmut Brunner (links) den ersten Träubel abschnitt, der Steinbacher Nonnenberg ist. Mit im Bild sind die beiden Vorsitzenden des Abt-Degen-Weintals, die beiden Bürgermeister Bernhard Ruß (Sand, Mitte) und Thomas Stadelmann (Zeil, rechts).
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Auf der Maintalautobahn beginnt das Fränkische Weinland erst bei Schweinfurt - ein Umstand, der bei Kommunalpolitikern und Winzern im Landkreis an der Grenze zu Bierfranken immer ein bisschen für Grummel gesorgt hat. Da geht natürlich, selbst wenn es Strippen regnet, rein symbolisch die Sonne auf, wenn der bayerische Landwirtschaftsminister zum Pflichttermin ins Abt-Degen-Weintal anreist.

Am Mittwoch Vormittag eröffnete Helmut Brunner offiziell die Fränkische Weinlese 2013, indem er im Weinberg von Franz Müller in Steinbach die ersten Träubel abschnitt.

So ganz reif sind die Trauben nicht

"Sind wir zu früh dran mit der Ernte?" Direkt aus München kommend, merkte Brunner mit Kennerblick auf die Müller-Thurgau-Trauben wohl, dass an diesem Mittwoch der Termin nicht so ganz lese-freundlich war.
Auf der Terrasse des Minister-Hauses im Bayerischen Wald zumindest sind die Trauben im eigenen kleinen Weinberg schon reif, wie er jovial erzählte.

Ja, mit der Hauptlese wird wohl erst in zwei bis drei Wochen begonnen, gab der Präsident des Fränkischen Weinbauverbandes, Artur Steinmann (Sommerhausen), zu. Doch die Lese für den Federweißen, etwa aus Ortega-Trauben, sei in vollem Gang. Und letztlich befinde man sich trotz des späteren Blütebeginns im Frühjahr jetzt in einem ganz normalen Zeitfenster: Die Lese begann vor zehn Jahren regelmäßig Ende September, Anfang Oktober. "Ein guter Riesling", sagte Steinmann, "den erntet man vor November gar nicht. Aber der Klimawandel hat sich ja auch hier bemerkbar gemacht."

Zeit zum Reden...

Bilderbuchwetter und Paradiestrauben wie im letzten Jahr in Retzstadt gab es heuer nicht. Dafür nutzten die Winzer im Landkreis unterm bewölkten Himmel die Gelegenheit, dem Minister ihre Schwierigkeiten zu erklären.

Und die bestehen in einer herrlichen Kulturlandschaft, wie sie das Fränkische Weinland im weiten Umkreis sonst kaum mehr hat. Rudi Ruß (Sand) wies auf die Flurbereinigung vor 25 Jahren hin, die die Weinberge zwischen Zeil und Steinbach für den gewerbsmäßigen Weinbau uniformiert hat.

Ökologisch wertvolle Flächen

Oberhalb - ein Zugeständnis an den Denkmal- und an den Naturschutz - blieben Teilbereiche des einstigen Fischgrätmusters aus Natursteinmauern erhalten. Es sind ökologisch wertvolle Flächen, die zum Teil durch Weinbauern bearbeitet werden, und das Kosten-Nutzen-Verhältnis ist da sehr einseitig. Diese teils sehr alten Trockenbaumauern rückten die Verantwortlichen des Weinbauverbands jetzt in den Blickwinkel. Sie stehen auf gewachsenem Boden, wurden in mühevoller Handarbeit errichtet und sacken auf dem lehmigen Untergrund teilweise weg, weil sich der Berg bewegt.

Das ist zwar normal, beschert aber den Winzern viel teure, weil zeitaufwändige Arbeit. Rudi Ruß hatte erst als Vertreter des Weinbauvereins Haßberge, wie er berichtete, mit den sieben bis acht Steinbacher Winzern darüber Gespräche. Sie wünschen sich mehr Unterstützung vom Staat, erhalten sie doch einzigartige Kulturdenkmäler. Es werden weniger, die sich darum kümmern können. Und die Fördergelder von 30 bis 45 Euro pro Quadratmeter reichen nicht weit.

Der Weinbaupräsident Artur Steinmann hatte es eingangs ganz passend gefunden, dass man mit dem Schönen, das mit dem Beginn der Lese verbunden sei, auch auf diese Schwierigkeiten hinweisen wolle. Die Trockenmauern seien für die Biodiversität wichtig. Damals bei der Flurbereinigung, ergänzte Rudi Ruß, sei zu viel Ideologie mit im Spiel gewesen, "und so sieht das dann aus", deutete er über Helmut Brunners Kopf.

Es gäbe schon Möglichkeiten

Könnte man die Trockenmauern mit einem soliden Bett etwa aus Beton unterfüttern, würde man sich leichter tun. Aber da ist der Naturschutz vor. Ausführlich diskutierten die Winzer und Weinbaufunktionäre noch mit dem Minister im Weinhaus Nüßlein in Zeil über das Thema.

Am Rande gaben die Winzer schon einmal einen ersten Eindruck, welchen Wein sie mit dem Jahrgang 2013 erwarten. Sohn Roger (Vorsitzender des Weinbauvereins Haßberge) und Vater Anton Nüßlein (Zeil) sehen einen guten Jahrgang. "Die Trauben sind kerngesund", unterstreicht Roger Nüßlein. Und wenn auch die Lese später beginne, so sei es doch gut, wenn die Reife langsamer laufe.

Bio-Winzer Wolfgang Zimmermann (Ziegelanger) sieht es ähnlich. "Wahrscheinlich ein filigraner Wein von feiner Säure und intensiver Frucht und Süße", ist seine Prognose. Schließlich gebe es für die letzten Tage vor der Lese gute Aussichten: Das Wetter wird besser.

"Das Jahr ist gut gelaufen", meint Zimmermann, "es gibt hervorragende Trauben, das Laub ist gesund", das habe in anderen Jahren ganz anders ausgesehen. "A gut's Schöppla", sagt Zimmermann und grinst. Und noch eins: Auch vom Ertrag her sieht's gut aus. Nach Jahren, in denen man keinen Vorrat bilden konnte, denkt Zimmermann: "Es kommt endlich wieder mal was in den Keller."
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