Zunächst war es nur ein Gerücht, aber am Donnerstag hat es sich zur Tatsache verdichtet: Die Metzgerei Espig in Ebelsbach hat am Amtsgericht in Bamberg Insolvenzantrag gestellt. 100 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel, wie die Rechtsanwaltskanzlei Raab in Bamberg bestätigt hat, die vom Gericht mit der vorläufigen Insolvenzverwaltung beauftragt wurde.
Heute wird der Insolvenzantrag im Internet veröffentlicht und damit amtlich; so viel ist aus dem Insolvenzgericht zu erfahren. Mehr Informationen gibt es zunächst nicht. Die Anwaltskanzlei in Bamberg, deren Insolvenzexperten den ganzen Donnerstag über in Ebelsbach waren, wollte sich zu den Gründen und Hintergründen des Insolvenzantrages nicht äußern. "Wir stehen ja ganz am Anfang und müssen erst einmal die Zahlen zusammentragen", ließ ein Sprecher der Kanzlei verlauten.

Enorm investiert

Keine Stellungnahme gab es am Donnerstag auch von dem Unternehmen selbst, das in den letzten Jahren, wie seiner Internetseite zu entnehmen ist, enorm investiert hat, um die verschärften Auflagen der EU für den Schlachtbetrieb und die Fleischverarbeitung zu erfüllen.
Hier liest man unter anderem: "Aufgrund einer einschneidenden Gesetzesänderung der Europäischen Union standen wir im Jahre 2004 vor der Entscheidung, den eigenen Schlachtbetrieb ... in Ebelsbach zu erhalten oder aufzugeben. ... Um den hohen Ansprüchen gerecht zu werden, ... entschloss sich die Familie, am Standort zu investieren", informiert Espig mit dem Verweis auf mehr als 100 Jahre Familientradition in Ebelsbach.

So hat die Metzgerei unter anderem eine neue Schlachtanlage in Betrieb genommen sowie neue Kühlräume und eine Verpackungsstraße installiert.

"Immer hart gearbeitet"

Waren diese Ausgaben ausschlaggebend für die wirtschaftlichen Probleme? Oder ist es die Konkurrenz durch die Discounter, die inzwischen ebenfalls verbreitet Frischfleisch billig anbieten? "Es ist ein Jammer, dass es gerade einen solchen Betrieb trifft. Die Familie hat immer hart und fleißig gearbeitet", sagt der Ebelsbacher Bürgermeister Walter Ziegler (BNL).

Auch in den Ladengeschäften von Espig, wo zunächst alles seinen normalen Gang geht, sind die Gesichter lang: Die Mitarbeiter wollen sich nicht öffentlich zu der Krise ihres Arbeitgebers äußern; sie fürchten um ihre Jobs.

Für den Dezember, so war zu erfahren, konnte Espig angeblich keinen Lohn zahlen.

Und die Kunden sind erschüttert: "Hier gibt es zuverlässige Qualität", sagt eine Frau in Sand. "Ich will wissen, wo mein Fleisch herkommt", meint eine Kundin in Ebelsbach. Beide sind sich einig: Die "Massenware aus dem Supermarkt" kommt ihnen nicht in die Einkaufstüte.