Gleusdorf
Pflegeskandal

Skandal-Seniorenheim: Maulkorb-Erlass für die Mitarbeiter in Gleusdorf?

Offenbar haben die Beschäftigten der umstrittenen Seniorenresidenz Verschwiegenheitserklärungen unterschreiben müssen.
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Die Seniorenresidenz Schloss Gleusdorf  Archiv
Die Seniorenresidenz Schloss Gleusdorf Archiv

Vor genau drei Jahren ging beim Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MdK ) erstmals eine anonyme Beschwerde über untragbare Zustände in der Seniorenresidenz Schloss Gleusdorf ein. Im Februar 2016 rückte ein dreiköpfiges Kontrollteam zur "anlassbezogenen Qualitätsprüfung" an, nachdem vier Wochen zuvor eine reguläre (Jahres-) Überprüfung stattgefunden hatte. Der Tenor laut MdK-Bericht: Die Vorwürfe hätten sich nicht bestätigt.

Dies geht aus Unterlagen hervor, die der damalige Leiter der Einrichtung unserer Zeitung auszugsweise überlassen hat. Drei Jahre später hat die Staatsanwaltschaft in Bamberg Anklage gegen drei Verantwortliche des Senioren- und Pflegeeinrichtung erhoben. Unter anderem wegen des Tatverdachts auf begangenen und versuchten Totschlag durch Unterlassen, da Ärzte nicht gerufen oder Einlieferungen ins Krankenhaus nicht erfolgten oder unterbunden wurden. Vor dem Landgericht in Bamberg müssen sich die 58-jährige (Ex-) Geschäftsführerin und Gesellschafterin aus dem Landkreis Bamberg, der damalige Pflegedienstleiter, der aus Thüringen stammt, wie auch der einstige Heimarzt aus dem Landkreis Bamberg verantworten.

Zahlreiche Gerichte beschäftigt

Seit Bekanntwerden der Ungereimtheiten im und rund um das Heim waren schon jede Menge Gerichte mit dem "Fall Gleusdorf" befasst - bis hin zum Oberlandesgericht in Bamberg, dem Verwaltungsgericht in Würzburg und dem Verwaltungsgerichtshof in München. Aktuell anhängig ist ein Verfahren am Amtsgericht in Hildburghausen. Ein Urteil gesprochen hat bereits das Amtsgericht in Hof. Und zwar gegen den 66-jährigen Leiter der Einrichtung und Mitgesellschafter, der in Bamberg wohnt. Ihn hatte die Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft für Wirtschaftsdelikte in Hof angeklagt.

Ein Jahr nach dem Polizeieinsatz am 24. November 2016 im Schloss, der Arztpraxis und vielen weiteren Anwesen wurde der Heimleiter im November 2017 vom Amtsgericht Hof wegen Untreue in 38 Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt, deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt wurde, wie die Staatsanwaltschaft in Hof auf Anfrage mitteilte. Wie erst jetzt bekannt wurde, ging es dabei nicht um Betrug zu Lasten von Pflegekassen, Bezirk oder Heimbewohner, sondern um Untreuehandlungen des Verurteilten als Gesellschafter der Seniorenresidenz Schloss Gleusdorf GmbH zum Nachteil dieser Gesellschaft in Höhe von insgesamt rund 43 600 Euro. Er hat also für fremde Sachen in die Firmenkassen gegriffen.

Ob es sich dabei wieder um eine Golfausrüstung handelte, wie er sie bereits 2004 über das Firmenkonto abrechnete, darf bezweifelt werden, weil diese Tatsache, die sich mit Unterlagen, die unserer Redaktion vorliegen, beweisen lässt, längst verjährt sein dürfte. Interessant dabei: Bereits zu dieser Zeit hat auch die jetzt neu eingesetzte Geschäftsführerin schon zum Führungszirkel im Heim gehört. Neben ihrer pflegerischen Tätigkeit wurde sie auch noch als Hygiene-Fachkraft bezahlt, wie sich aus vorliegenden Rechnungen ablesen lässt.

Heimleiter taucht noch immer im Schloss auf

Trotzt des sich abzeichnenden Wechsels an der Spitze der Einrichtungsleitung taucht der Heimleiter immer wieder im Schloss auf. "Aber nicht regelmäßig an jedem Tag, zu Weihnachten hat er noch eine Ansprache gehalten", heißt es aus der Belegschaft. "Der und seine Kollegin werden das Schloss nie verlassen. Oder nur so, dass es in der Öffentlichkeit so aussieht", ist sich ein Informant aus dem Personal sicher, das jüngst Verschwiegenheitserklärungen unterschreiben musste. Trotz dieses Maulkorb-Erlasses sickern immer wieder Neuigkeiten durch. So zum Beispiel, dass aktuell nur noch 40 der 70 Heimplätze belegt sind.

Zum Sachstand des Verwaltungsverfahrens über die ausgesprochene Betriebsuntersagung teilte die Regierung von Unterfranken dieses Woche mit, dass derzeit am Landratsamt in Haßfurt geprüft werde, welche Schlussfolgerungen und Anpassungen aus der Entscheidung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofes vom 9. Januar im vorläufigen Rechtsverfahren/Eilverfahren für das Hauptsacheverfahren gezogen werden, das eine Betriebsuntersagung unter den gegebenen Umständen zum Ziel hat.

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