Königsberg in Bayern
Gottesdiensttest

Marienkirche in Königsberg: Liebenswerte Gemeinde vermittelt Wärme

Wenige Gläubige fanden sich am Sonntag in Königsberg ein. Die stattliche Kirche, eine ansprechende Predigt und ein eingängiges Orgel- und Gitarrenspiel aber geben für den Tag gute Gedanken mit.
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Die Marienkirche in Königsberg wurde einst als katholische Kirche erbaut. Die spätgotische, dreischiffige Stadtpfarrkirche stammt aus dem Jahr 1432 und wurde nach der Reformation 1524 lutherisch. Foto: Archiv Gerold Snater
Die Marienkirche in Königsberg wurde einst als katholische Kirche erbaut. Die spätgotische, dreischiffige Stadtpfarrkirche stammt aus dem Jahr 1432 und wurde nach der Reformation 1524 lutherisch. Foto: Archiv Gerold Snater

Das Urteil unseres Testers:

Eine wunderbare Kirche, ein liebenswerter Gottesdienst (wenn auch die Orgel ab und zu falsch einsetzte), eine Predigt, die einem einen wertvollen Impuls mitgibt, christlich zu leben. Der Besuch in Königsberg hat sich gelohnt. Ganz wichtig, im Rathaus (zweite Türe von der Kirche aus gesehen) befinden sich neue Toiletten und auch ein Behinderten-WC (etwas verborgen in der Tourist-Info). Man kann also ganz beruhigt den Gottesdienst besuchen. Parkplätze gibt es auch. Hier kennt jeder jeden. Und es kann schon mal sein, dass die Mesnerin sich neue Besucher einmal genauer anschaut und fragt, woher diese sind. Dabei erfährt man aber auch, dass die Katholischen fast zur gleichen Zeit Gottesdienst haben und es bei denen nicht viel anders aussieht mit dem geringen Gottesdienstbesuch (was die Mesnerin sehr bedauert). Ein Lächeln zaubert ihr aufs Gesicht, dass in Königsberg die Ökumene gerne gelebt wird. Und man erfährt natürlich, warum heute der Herr Pfarrer nicht da ist: Fortbildung in Bamberg.

Die Bewertungen im Einzelnen:

1. Einstieg

Der Geistliche heißt die etwa 30 Gläubigen mit warmen Worten willkommen zu einem frohen und gesegneten Gottesdienst. Die drei Kinder holten sich ihr Licht vom Altar und ziehen dann gesittet aus.

2. Musik

Orgelspieler und Gitarrist testen ihre Stücke an, das hört sich nett an und macht neugierig. Die ersten Takte von Cat Stevens' "Morning has broken" berühren die Seele. Die alte Strebel-Orgel wurde 2019 ausgetauscht, heute klingt sie wunderbar; die elektronikverstärkte Gitarre passt dazu. Die Gottesdienstbesucher singen alle fleißig mit, auch wenn sich das etwas verliert. Die Orgel ist guter Impulsgeber.

3. Lesungen

Die Epistel des Tages ist der 2. Korintherbrief des Apostels Paulus, 1. Kapitel (Bedrängnis in der Provinz Asien), das Evangelium zum Tag ist Markus, 4. Kapitel (Jesus beruhig den Sturm bei der Bootsüberfahrt). Es geht um das Vertrauen in Gott. Zu beiden Lesungen tritt der Geistliche an das Pult. Die Lautsprecheranlage trägt die Worte verlässlich und gut hörbar zu den Zuhörern. Freilich abseits der Lautsprecher - das gab's auch - wird alles unhörbar.

4. Predigt

Der Geistliche sprach sehr eindringlich und klug über den Apostel Paulus und seine Erfahrungen, die Inhalte waren sehr gut zu verstehen und nachvollziehbar. Die Mahnung, auch als Reiche und Kluge die Einfachen und Schwachen zu beachten, sich als gemeinsames Volk Gottes zu begreifen, ist durchaus politisch und tagesaktuell. Eine lange, aber auch gute Predigt.

5. Kommunion/Abendmahl

In der evangelischen Kirchengemeinde ist das Abendmahl nur zu besonderen Gelegenheiten und Festen üblich. Da es hier um die normalen Sonntagsgottesdienste geht, gab es kein Abendmahl.

6. Segen

Der Geistliche spendete den Segen in großer Geste vom Altar aus, optisch wirkungsvoll. Hier vielleicht ein kleines Manko: Am Altar befindet sich zwar ein Mikro, jedoch nimmt es nicht auf, wenn der Geistliche mit dem Rücken dazu steht. Das war schön: Der Geistliche schaute am Ende an der Türe jedem - auch den Fremden - ins Gesicht, gab die (kalte, der Arme) Hand und wünschte jedem mit freundlichem Lächeln einen schönen Sonntag.

7. Ambiente

Die drei großen farbigen Kirchenfenster der Marienkirche sind Hingucker, wie überhaupt die prachtvoll bemalten Kreuzgewölbe. Der schlichte, moderne Altar im Chor ordnet sich den Fenstern unter, das ist gut. Prächtig ist die Kanzel, die der Geistliche für seine Predigt nutzt; auch von hier aus gute Lautstärke. Es gibt nichts Störendes in dem Gottesdienst - außer vielleicht die Kälte an diesem Tag.

8. Kirchenbänke

Die Kirche ist sauber und auf den historischen Bänken lässt es sich dank der kräftigen Sitzheizung und der Polster ohne nennenswerte Kreuzschmerzen aushalten. Freilich: Wer alte große Kirchen kennt, der weiß, dass er sich an kühlen Tagen einfach warm anziehen sollte.

9. Beleuchtung

Im Altarraum sind Kerzen angezündet, neben dem Lesepult ebenso, das wirkt stimmungsvoll. Dazu trägt der glänzende Glaskronleuchter auch bei. Gesondert beleuchtet sind alte Stein-Epitaphe im Altarraum. Mit dem Gestühl im Chorraum vermittelt sich der Eindruck, in einem Gotteshaus zu sein, das schon viele Generationen Christen beherbergt hat.

10. Sinne

Es gibt Menschen, bei denen löst der Geruch von Weihrauch Übelkeit aus, und auch die Bitte, sich gegenseitig ein Zeichen des Friedens zu geben, mag nicht jeder. Insofern war das in unserem Fall ein höchst angenehmer Gottesdienst, bei dem sich alle Sinne auf das gesprochene Wort konzentrieren konnten.

Warum ein Gottesdiensttest?

Wir wollen mit unserem Gottesdiensttest die Kirchen ein wenig mehr ins Blickfeld der Öffentlichkeit rücken. Unter Kirchgängern, Geistlichen und Lesern soll eine Diskussion darüber entstehen, was einen guten Gottesdienst ausmacht. Dieses in der Regel sonntägliche Treffen hat für evangelische wie katholische Christen ja bis heute eine große Bedeutung. Soll lebender Ausdruck des Christseins sein. Wir haben uns für eine Bewertung nach objektiven Kriterien theologische Hilfe geholt bei den Professoren Martin Stuflesser (Würzburg), er ist auch Berater der deutschen Bischofskonferenz, und Martin Nicol (Erlangen), der mit seinem Buch "Weg im Geheimnis" ein Plädoyer für den evangelischen Gottesdienst abgibt. Ergänzt werden objektive Kriterien um die subjektiven Eindrücke, die unsere Kollegen gewonnen haben.

Alle Berichte unserer Serie finden Sie auf unserer Übersichtsseite zum Gottesdiensttest. Dort finden Sie auch ausführliche Infos.

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