Ebern
Verkehr

"Man fährt dort auf gut Glück"

Eine Engstelle in der Unterpreppacher Siedlung "Sümpflein" löste im Bauausschuss Ebern erneut kontroverse Diskussionen aus. Dazu ein Kommentar.
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So stellt sich die Situation für einen Autofahrer dar, der in Unterpreppach vom Ruppacher Weg im "Sümpflein" in Richtung "Kohlplatte" fährt. Die Sicht ist ungünstig, da man wegen der Parkbuchten rechts, welche die Fahrbahn einengen, relativ weit links fahren muss. Helmut Will
So stellt sich die Situation für einen Autofahrer dar, der in Unterpreppach vom Ruppacher Weg im "Sümpflein" in Richtung "Kohlplatte" fährt. Die Sicht ist ungünstig, da man wegen der Parkbuchten rechts, welche die Fahrbahn einengen, relativ weit links fahren muss. Helmut Will
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Sie war schon bei der Bauausschusssitzung Mitte Juli ein Thema: die Verkehrssituation im Neubaugebiet "Sümpflein" in Unterpreppach. Am Mittwoch wurde darüber erneut im Bauausschuss des Eberner Stadtrates diskutiert. Mit dem Ergebnis: "Jetzt ham mer gar nix", wie es Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) nach der Beratung und Beschlussfassung ausdrückte.

Stadträtin Karin Kaiser (SPD) hatte die ungünstige Situation in der unübersichtlichen Kurve im "Sümpflein" bei der Sitzung im Juli angesprochen. Nun stand das Thema erneut auf der Tagesordnung. Vorneweg sagte der Bürgermeister, dass er nicht unbedingt einen Handlungsbedarf sehe, um dort etwas zu ändern. Er wies auf eine Stellungnahme der Polizeiinspektion hin, die seine Meinung bestätige.

Die Polizei hatte mitgeteilt, dass an unübersichtlichen Stellen auf "halbe Sichtweite" zu fahren sei, was in diesem Fall wohl Schrittgeschwindigkeit bedeute. Zweifelsohne sei die Sicht in der Kurve nicht gut, aber bei langsamer Fahrweise, die man vor allem in Siedlungen wolle, sei die Lage beherrschbar. Eventuell sollte man das Parken, aus Richtung Ruppacher Weg kommend, nach der besagten Engstelle verbieten, so dass man früher nach rechts einscheren könne, schlug die Polizei vor.

Zweiter und Dritter Bürgermeister Harald Pascher (FDP) und Werner Riegel (SPD) plädierten dafür, die Engstelle zu beseitigen. Stadtrat Manfred Fausten (CSU) wurde deutlicher: "Von Sicherheit kann dort keine Rede sein; es ist lebensgefährlich, man fährt dort auf gut Glück." Stadtrat Markus Fausten (CSU) meinte, man solle es mit einem Halteverbot probieren und die Sache beobachten. "Ein Halteverbot, wie vorgeschlagen, bringt dort nichts", schob Pascher nach.

Es wurde abgestimmt, ob die Engstelle beseitigt werden soll. Mit 4:4 Stimmen entstand eine Pattsituation, die in der Konsequenz bedeutet, dass der Antrag abgelehnt ist. Nun soll geprüft werden, was ein Umbau (die Parkbuchten beseitigen) kosten würde. Dann will der Ausschuss erneut beraten.

Zuvor war das Gremium im Stadtteil Jesserndorf, um dort die Räum- und Streusituation in der Ringstraße und in der Ebertsgasse zu begutachten. Im Beisein des Leiters des Bauhofes Ebern, Christian Raehse, wurde festgestellt, dass die beiden Straßen, vor allem die Ringstraße, zu schmal für das große Räumschild des Winterdienstfahrzeuges seien. Nach Jesserndorf werde jedoch mit dem großen Fahrzeug gefahren.

Es wurde hin und her diskutiert. Bürgermeister Jürgen Hennemann schlug vor, die Ringstraße aus dem Winterdienstplan herauszunehmen, da für die Anlieger und die Kirche die Verpflichtung bestehe, im Winter in der Breite eines Gehwegs zu räumen. Dem widersprach der örtliche Stadtrat Philipp Arnold (FWE), da dieser Weg von der Siedlung her zur Dorfmitte stark genutzt werde. Markus Fausten (CSU) ergänzte, der Weg sei relativ steil, was im Winter gefährlich sei. "Solche Situationen gibt es im Stadtgebiet mehr", entgegnete Stadtrat Manfred Fausten und wies darauf hin, dass bei der aktuellen Winterlage so und so wenig Schnee vorhanden sei. Überlegungen wurden angestellt, den Weg eventuell durch einen "Externen" räumen zu lassen. Eine entsprechende Überprüfung sagte der Bürgermeister zu. Mit 5:3 Stimmen wurde beschlossen, den Weg aus dem Winterdienstplan zu nehmen.

Die Ebertsgasse, in der sich das Gremium dann umsah, sei vergleichbar mit anderen Straßen im Stadtgebiet, die nicht geräumt werden, hieß es. Mit 6:2 Stimmen wurde beschlossen, diese ebenfalls aus dem Winterdienstplan zu nehmen.

Die nächste Ortseinsicht fand im Friedhof Ebern statt. Dort solle in der südwestlichen Ecke, zur Eiswiese hin, eine Stele für Urnengrabanlagen entstehen, sagte Hennemann. Zwei Flächen wurden ins Auge gefasst mit jeweils 48 Bestattungsmöglichkeiten. "Bevor jedoch mit der Belegung begonnen werden kann, müssen wir die Friedhofssatzung anpassen", sagte der Bürgermeister. Er versprach eine schnelle Umsetzung.

Der Landkreis und der Asylhelferkreis hatten beantragt, im Friedhof Ebern ein Grabfeld für die Bestattung von Muslimen zu schaffen. Dazu sagte Hennemann, dass diese Personen nur in "unberührter Erde" bestattet werden dürften. Heißt, wo schon einmal ein Grab war, verbiete sich deren Bestattung. Das Grabfeld soll daher ebenfalls in der südwestlichen Ecke des Friedhofes, direkt an der Hecke, angelegt werden. Auch hier soll die Friedhofssatzung entsprechend angepasst werden.

Hennemann sprach sich generell gegen eine Erweiterung des Friedhofs in Ebern aus. "Das möchte ich nicht, wir sollten die frei werdenden Grabstellen nutzen."

Im Sitzungssaal stand nochmals die Räum- und Streupflicht an. In Ebern soll im Baugebiet "Sölln" der Jenaer Weg, eine Sackgasse, aus dem Winterdienstplan genommen werden. Aufgenommen werden hingegen sollen im Gewerbegebiet die Kasernenstraße und in Eyrichshof die Johann-Georg-Meusel-Straße, da dort viel Lkw-Verkehr vorhanden ist. Angenommen wurde, die Sonnenleite in Unterpreppach bis zum Anwesen Koch, wie von Stadtrat Manfred Fausten beantragt, in den Winterdienstplan aufzunehmen, ebenso der Antrag von Stadtrat Philipp Arnold und Markus Fausten, die Bühler Straße in Jesserndorf bis hoch zur Kuppe zu räumen. Die Albersdorfer Hauptstraße, in Richtung Mühle hingegen, wurde auf Vorschlag von Stadtrat Werner Riegel auch aufgenommen.

Der städtische Bauhof sei in der Regel mehrere Stunden unterwegs, wenn Räum- und Streudienst nötig ist, sagte Christan Raehse. "Es können im Extremfall auch schon mal zehn Stunden sein." Auf Frage von Stadtrat Rainer Kaffer (JL) erklärte Reahse, dass die Stadt Ebern etwa 200 Kilometer im Winterdienstplan habe. Rund 40 Winterdiensteinsätze gebe es im Jahr.

Bürgermeister Hennemann gab bekannt, dass Planungskosten für den neuen Netto-Markt ermittelt werden. Für die Kanalsanierung von der ehemaligen Standortverwaltung Sandhof bis zur Sandhofer Brücke, die am 18. September beginne, fallen nach seinen Angaben 200 000 Euro an - und weitere 780 000 Euro für das Prozessleitsystem der städtischen Anlagen.

Dazu ein Kommentar von Helmut Will:

Die Verkehrssituation in der Straße "Sümpflein" im Neubaugebiet Unterpreppach ist im Bereich einer Kurve denkbar ungünstig. Wohl aus dem Gedanken heraus, eine "verkehrsberuhigte" Situation zu schaffen, wurden an besagter Stelle beim Neubau Fahrbahnverengungen mit Parkmöglichkeiten angebracht. Das stößt zunehmend auf Widerstand der dortigen Bewohner, die diese Stelle befahren müssen.

Dass auch Mitglieder des Bauausschusses der Stadt Ebern damit ein Problem haben, zeigte sich bei der Abstimmung am Mittwoch, ob die Engstelle beseitigt werden soll. Mit 4:4 Stimmen entstand eine Pattsituation mit der Folge, dass der Antrag abgelehnt wurde. Bürgermeister Jürgen Hennemann war vehement gegen eine Veränderung und bezog sich hier auf die Stellungnahme der Polizeiinspektion Ebern. Dort vertrat man die Meinung, dass bei genügender Aufmerksamkeit und langsamer Fahrweise in der Kurve nicht unbedingt ein Handlungsbedarf bestehe.

Der "normale" Verkehrsteilnehmer versteht das offensichtlich nicht, wie zurückliegende Unmutsbekundungen zeigten. Die Polizei mag wohl recht haben und schreibt ihre Stellungnahme nach Vorgaben der Straßenverkehrsordnung und zugehöriger Verwaltungsvorschriften. Allerdings ist dies an besagter Stelle realitätsfremd. Vorschriften hin und her, Parkbuchten ja oder nein, die Engstelle stellt eine permanente Gefahr für Verkehrsteilnehmer dar, was außer Zweifel steht. Klar, wenn man tatsächlich Schrittgeschwindigkeit und auf halbe Sichtweite fährt, wird die Gefahr eines Zusammenstoßes gemindert, auch deren Folgen. Aber wer hält sich daran und wenn ja, was ist, wenn bergabwärts radelnde Kinder oder andere Personen ihr Fahrrad "laufen" lassen? Mich jedenfalls beschleicht, trotz Schrittgeschwindigkeit, stets ein ungutes Gefühl an dieser Stelle und ich bin jedes Mal froh, wenn ich diese Engstelle passiert habe. Vielleicht ist deshalb der Gedanke, Kosten für einen Umbau zu ermitteln, nicht der schlechteste.

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